Dr. Alexander Krüger / 16. August 2017 / Keine Kommentare


Wirtschaft im Euroraum wächst weiter an

Die EWU-Wirtschaft ist auch im zweiten Quartal 2017 mit breiter Brust gewachsen. Eine Ende des Aufschwungs ist nicht in Sicht. Trotz des 2017 wohl um 2 % steigenden BIP bleiben wichtige Krisenursachen ungelöst. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Die BIP-Prognose für 2017 wird erhöht. (Foto: Themeforest)

Eurostat hat den Zuwachs des EWU-BIP von 0,6 % im zweiten Quartal 2017 heute bestätigt. Statt 0,58 % beträgt die Rate aber 0,63 %. Der Anstieg liegt nun schon seit drei Jahren über der Wachstumsrate des Produktionspotenzials. Ursache ist das in vielen Mitgliedstaaten seit dem Konjunktureinbruch 2008/09 bestehende (beträchtliche) Aufholpotenzial, das seit einiger Zeit vor allem aufgrund der besser laufenden Weltwirtschaft gehoben wird.

Hinzu kommt die starke Unterstützung durch die EZB-Geldpolitik, die sich noch immer im Krisenmodus befindet. Beides senkt die (noch) hohe Arbeitslosigkeit und steigert die Investitionstätigkeit. In der Folge zieht die Wirtschaftsleistung auch bei den Wachstumsnachzüglern an, zum Beispiel in Italien. In Spanien ist der Schub dank Reformen sogar besonders kräftig.

BIP-Prognose wir erhöht

Wir erwarten weiter, dass das hohe Wachstumstempo des BIP im zweiten Halbjahr nachlassen wird, ohne auf das des Produktionspotenzials von gut 0,3 % zu fallen. Unsere BIP-Prognose für 2017 heben wir dennoch von 1,8 % auf 2,0 % an. Ursache sind die „besseren“ 0,6 % (s. o.) und die amtliche Neuberechnung der deutschen BIP-Reihe, die uns wegen technischer Probleme unseres externen Datenanbieters gestern nicht vollständig zur Verfügung stand. Die Ausgangsbasis für 2017 ist nun höher: Statt 1,7 % liegt unsere 2017er-BIP-Prognose für Deutschland daher bei 1,8 %. Keine Frage: Dauer und Ausmaß des Aufschwungs im Euroraum sind bemerkenswert. Zu denjenigen, die nun das Ende der Krise und die Rückkehr der Normalität feiern, zählen wir deshalb aber nicht.

Gewichtige Probleme unübesehbar

Aus unserer Sicht überdeckt das hohe BIP-Wachstum gewichtige Probleme. Vor allem die Staatsschuldenkrise ist weiter ungelöst. Ein fehlender Konsolidierungs- und Reformeifer, Protektionismus, der Verlass auf die Geldpolitik, der negative Nebenwirkungen mit sich bringt, und die Unterkapitalisierung des Bankensektors bergen zudem Risiken. Stabilität sieht anders aus. Dennoch: Der BIP-Anstieg dürfte die Arbeitslosigkeit weiter senken.

Die Unterauslastung am Arbeitsmarkt wird gleichwohl noch länger bestehen bleiben. Einen Lohndruck, der die Kerninflationsrate von aktuell 1,2 % erhöht, erwarten wir daher nicht. Bis Ende 2018 dürfte die EZB daher nur langsam aus ihren Wertpapierkäufen aussteigen. Der zuletzt festere Euro und der zeitweise immer wieder sinkende Rohölpreis verlängern diese Frist aus unserer Sicht nicht: Etwa Mitte 2018 droht die EZB, die 33-%-Obergrenze für maximal erwerbbare Staatstitel eines Landes zu reißen. Trotz unerfülltem Preisziel ist sie daher gezwungen, ihre Wertpapierkäufe zu beenden. Begründen dürfte sie dies (ab September) mit der guten Konjunktur.

  • Verweis:
    Interview mit Dr. Alexander Krüger, Bankhaus Lampe:
    Die Enteignung findet bereits statt
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