Dr. Alexander Krüger / 15. August 2017 / Keine Kommentare


Deutscher Aufschwung mit langem Atem

Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2017 erneut äußerst dynamisch gewachsen. Der Aufschwung läuft inzwischen auf eine Hochkonjunktur zu. Mithilfe der Weltwirtschaft und des EZB-Zinsdopings wird das BIP wohl vorerst weiter stärker wachsen als das Produktionspotenzial. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Das BIP-Wachstum läuft auf eine Hochkonjunktur zu (Foto: kvkirillov / Clipdealer.de)

Der ersten Schnellschätzung des Statistischen Bundesamtes zufolge belief sich der BIP-Anstieg in Deutschland im zweiten Quartal 2017 auf 0,6 % zum Vorquartal. Damit hat die Wirtschaftsleistung erneut kräftig zugenommen. Der Anstieg liegt nur wenig unter dem für das erste Quartal von 0,6 auf 0,7 % revidierten Ergebnis.

Konsumausgaben geben Wachstumsimpulse

Die BIP-Details werden am 25. August bekannt gegeben. In seiner Pressemeldung hat das Bundesamt heute aber bereits mitgeteilt, dass positive Wachstumsimpulse besonders von den privaten und staatlichen Konsumausgaben ausgegangen sind. Zudem wurden die Anlageinvestitionen gegenüber dem ersten Quartal erhöht. Aufgrund der hohen Importtätigkeit gingen vom Außenhandel belastende Impulse aus.

Abgesehen von der kleinen Atempause im zweiten Quartal 2014 hält der Aufschwung nun seit 17 Quartalen an. Ein Ende dieser ungewöhnlich langen Phase ist nicht in Sicht. Hierauf deuten die Stimmungsindikatoren hin, auch wenn abseits des ifo-Geschäftsklimas einige von ihnen zuletzt gesunken sind. Ihre Niveaus sind aber weiter hoch. Dies ist selbst dann noch der Fall, wenn wir Abstriche bei diesen Indizes vornehmen, da sie die geopolitischen Risiken unseres Erachtens nur unzureichend berücksichtigen. Unter dem Strich erwarten wir deshalb weiter, dass das Über-Trend-Wachstum im zweiten Halbjahr 2017 anhalten wird. Trotz voraussichtlich gegenüber 2017 sinkender Reallöhne dürfte dies vor allem von der anhaltenden Belebung der Weltwirtschaft und vom kräftigen EZB-Zinsdoping ermöglicht werden.

Auf dem Weg zu Hochkonjunktur

Das BIP-Wachstum läuft auf eine Hochkonjunktur zu. Der Nachteil dieses Luxus ist, dass er den Konjunkturblick nach unten richtet. Denn unseres Erachtens ist eine Korrektur nur eine Zeitfrage, wenn die Wirtschaftsleistung beständig (und deutlich) stärker zunimmt als das Produktionspotenzial. Die aus unserer Sicht ultra-expansiv ausgerichtet bleibende EZB-Geldpolitik wirkt dem zwar entgegen. Wir erwarten dennoch, dass der Korrekturprozess bald ein Stück weit beginnen wird. Die Geopolitik und die unberechenbare US-Politik könnten ihn beschleunigen. Unternehmen sollten sich zudem nicht zu sehr auf die Nachfrage aus China verlassen.

Aufgrund der Aufwärtsrevision des BIP-Wachstums für das erste Quartal 2017 und bei ansonsten unveränderten Erwartungen an ein nachlassendes Wachstumstempo im zweiten Halbjahr haben wir unsere BIP-Prognose für 2017 von 1,6 % auf 1,7 % angehoben. Ohne den Arbeitstageeffekt liegt die Prognose bei 2,0 %.

  • Verweis:
    Interview mit Dr. Alexander Krüger, Bankhaus Lampe:
    Die Enteignung findet bereits statt
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