Dr. Alexander Krüger / 21. Juli 2017 / Keine Kommentare


EZB bremst den Ausstiegsbammel

Die EZB hat Erwartungen an einen baldigen Ausstieg aus ihrer ultra-expansiven Geldpolitik aktuell deutlich gedämpft. Der Ausstieg ist damit aber keineswegs abgeblasen: Hier dürfte die EZB im September handeln. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

EZB

Steht mittelfristig ein Ausstieg aus den Wertpapierkäufen bevor? (Foto: ECB European Central Bank)


 
Auf ihrer letzten Ratssitzung hat die ‎EZB den Ausstieg aus ihren Wertpapierkäufen nicht weiter vorbereitet. Nachdem sie im Juni die Option niedrigerer Leitzinsen aus ihrer Forward Guidance entfernt hatte, beließ sie es bei ihrem bisherigen Hinweis, ihr Kaufprogramm im Bedarfsfall auszuweiten. Laut EZB-Präsident Mario Draghi ist dieser Beschluss vom Rat einstimmig getroffen worden. Die Notenbank erklärte, dass sich das gute BIP-Wachstum erst in höheren Inflationsraten niederschlagen muss.

Abruptes wird nicht angestrebt

Draghi hatte die Finanzmarktakteure jüngst mit der Äußerung aufgeschreckt, deflationäre Kräfte würden bald von inflationären abgelöst. In der Folge waren die Erwartungen an einen baldigen Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik stark gestiegen. Diesen Ballon, der die Marktreaktion aus unserer Sicht hatte testen sollen, fing Draghi heute wieder ein. Er machte klar, dass die EZB beim Ausstieg geduldig und beharrlich sein müsse. Dieser Marschroute folgend beabsichtigt die Notenbank weiterhin, bis Ende 2017 monatlich Wertpapiere in Höhe von 60 Mrd. € zu kaufen und die Leitzinsen erst deutlich nach dem Ende des Kaufprogramms anzuheben. Da sie ein abruptes Ende für letzteres nicht anstrebt, wird 2018 also weitergekauft.

Mit ihrer Vorsicht beabsichtigt die EZB, einen für Anleger und Staaten schmerzhaften Renditeanstieg bei Staatsanleihe („Taper Tantrum“) zu vermeiden. Ein zügig sinkendes Kauftempo oder gar eine Leitzinswende dürfte sie daher weiter nicht ins Schaufenster stellen. Alles in allem passt das Vorgehen der EZB zu ihren niedrigen Inflationsprojektionen (2017/18/19: 1,5 %, 1,3 %, 1,6 %). Mehr noch: Ihrer bisherigen Logik folgend müsste sie ihr Kauftempo sogar steigern, da sie selbst prognostiziert, dass die Inflationsrate das Preisziel von knapp unter 2 % noch lange nicht erreichen wird. Ursache ist das schwache Lohnwachstum aufgrund der Unterauslastung am Arbeitsmarkt. Da die EZB ihr Tempo aber beibehält, wird das kaufbare Material (v. a von Bundesanleihen) 2018 wohl tatsächlich knapp werden. Die Ausstiegsdebatte dürfte daher bereits auf der Ratssitzung am 7. September zurückkehren.

Klassisches Tapering wird nicht erwartet

Auch wenn es heute etwas weniger wahrscheinlich geworden ist, erwarten wir weiter, dass die EZB im Zuge eines graduellen Ausstiegs im September ankündigen wird, das Kaufvolumen ab Januar um 20 Mrd. € zu senken. Ein klassisches Tapering, bei dem erklärt wird, wie die Käufe in einem bestimmten Zeitraum auf null senkt werden, erwarten wir nicht. Der Ausstieg wird sich wohl bis Ende 2018 hinziehen.

  • Verweis:
    Interview mit Dr. Alexander Krüger, Bankhaus Lampe:
    Die Enteignung findet bereits statt
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