Redaktion Spreezeitung / 2. Juli 2017 / Keine Kommentare


Inflationsentwicklung wird zum Dilemma

Die etwas höhere Kerninflation hat den Rückgang der EWU-Inflationsrate im Juni begrenzt. Auch wenn das Preisziel vorerst außer Sicht bleiben dürfte, wird die EZB ihre Wertpapierkäufe im Januar wohl weiter senken und an eine echte Leitzinserhöhung ist vor Mitte 2019 wohl kaum zu denken. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

EZB

Die Inflationsentwicklung wird für die EZB zum zum Dilemma. (Foto: ECB European Central Bank)

Die Inflationsrate im Euroraum ist im Juni 2017 erneut gesunken: Von zuvor 1,4 % auf 1,3 %. Nach einem zwischenzeitlichen Anstieg auf 2,0 % liegt sie nun nur wenig über dem Stand von Dezember (1,1 %). Maßgeblich für den Rückgang waren die Energiepreise, die im Vormonatsvergleich um 0,8 % fielen. Preisdämpfend wirkte sich dort der kräftige Rückgang des Rohölpreises um gut 8 % (Brent, €/b) aus. Dessen Vorjahresrate ist, nach jeweils rund +64 % im Dezember und Januar, nun im zweiten Folgemonat wieder negativ. Die rohölpreisbedingten Basiseffekte, die die Inflationsrate auf ein dauerhaft höheres Niveau heben sollten, stellen sich damit nicht nachhaltig ein. Die Inflationsrate wäre noch weiter gesunken, wäre der unterliegende Kerninflationsdruck nicht höher ausgefallen (Jahresrate 1,1 %, nach 0,9 %).

Prognose für 2017

Unsere Inflationsprognose von 1,6 % für 2017 halten wir aufrecht. Ob dies auch weiterhin so bleiben kann, hängt fast allein vom Rohölpreis ab. Sprach dieser zu Jahresbeginn für leichte Aufwärtsrisiken für die Prognose, bestehen durch den zuletzt ausgebliebenden Preisauftrieb nun Abwärtsrisiken. Hielte die US-Fracking¬industrie ihr aktuelles Expansionstempo bei, dürfte dies den Rohölpreis eher nicht dauerhaft über 50 US-$/b heben. Dies ließe die 2017er Prognose auf 1,5 % sinken.

Die aktuelle Inflationsentwicklung versetzt die EZB in ein Dilemma. Auch wenn sie es nicht offen aussprechen kann, ist sie unseres Erachtens zum Ausstieg aus den Wertpapierkäufen „verdammt“. Immerhin droht sie Mitte 2018 die Obergrenze von 33 % für maximal erwerbbare Staatstitel eines Landes bei unverändertem Kaufverhalten zu erreichen. Weitere Kaufdrosselungen lassen sich aber schwer begründen, wenn die Inflationsrate weit unter dem „2“-%-Preisziel liegt und auch langfristige marktbasierte Inflationserwartungen niedrig sind (29.06.: 1,59 %). Zudem prognostiziert die EZB selbst eine Verfehlung ihres Preisziels bis 2019. Ihrer bisherigen Logik folgend ist all dies eher ein Umfeld, in dem sie geldpolitisch aktiver werden müsste.

Leitzinserhöhung lässt noch lange auf sich warten

Wegen der 33-%-Grenze dürfte es aber anders kommen. Wir erwarten unverändert, dass die EZB im September eine Kaufreduktion um weitere 20 (auf 40) Mrd. € für Januar ankündigen wird. Begründen dürfte sie dies mit der Korrektur der Inflationsentwicklung auf (dann) rund 1,5 %. Der aktuelle Rückgang der Inflationsrate spricht zudem gegen vorzeitig verringerte Käufe bereits 2017. Vielmehr dürften diese bis Ende 2018 mit einer Fall-zu-Fall-Betrachtung graduell auf null gesenkt werden. Und auch wenn EZB-Präsident Mario Draghi jüngst für Verwirrung gesorgt hat: Eine echte Leitzinserhöhung ist unseres Erachtens frühestens ab Mitte 2019 ein Thema.

  • Verweis:
    Interview mit Dr. Alexander Krüger, Bankhaus Lampe:
    Die Enteignung findet bereits statt
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