Dr. Alexander Krüger / 27. Juni 2017 / Keine Kommentare


„Sommer, Sonne, Kaktus!“

Die Stimmung in der gewerblichen Wirtschaft in Deutschland bleibt auch nach der ifo-Befragung für Juni fantastisch. Jedoch ziehen die Geschäftserwartungen nicht wirklich mit. Für das laufende Quartal spricht die Geschäftslage für einen BIP-Zuwachs von klar über 1 % gegenüber dem Vorquartal. Dazu wird es unseres Erachtens aber nicht kommen: Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass sich die gute Stimmung nur sehr unterproportional in die harten Konjunkturdaten überträgt.

Die aktuelle Geschäftslage hat zum zehnten Mal in Folge zugenommen. (Foto: Themeforest)

Der ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland ist im Juni erneut auf ein Allzeithoch gestiegen: Im Vergleich zum Mai notiert er 0,5 Punkte höher. Unter dem Strich hat die exzellente Stimmung in der gewerblichen Wirtschaft damit angehalten. Dies lässt sich auch daran belegen, dass der diesjährige Indexdurchschnitt um 4,4 Punkte über dem bereits recht guten Jahresdurchschnitt von 2016 liegt.

Risiken der Geldpolitik werden vernebelt

Beide Unterkomponenten des ifo-Geschäftsklimas sind gestiegen. Der Index für die aktuelle Geschäftslage hat zum zehnten Mal in Folge zugenommen, mit 0,9 Punkten sogar deutlich. Sein Vorquartalsplus baute er auf +4,5 Punkte aus. Für das zweite Quartal 2017 deutet die Geschäftslage damit einen BIP-Zuwachs von merklich über 1 % gegenüber dem Vorquartal an. Der Indexanstieg bei den Geschäftserwartungen fiel mit 0,3 Indexpunkten dagegen deutlich zurückhaltender aus: Hier befindet sich der Index aus unserer Sicht seit August 2015 in einer Seitwärtsbewegung. Eine böse ifo-Überraschung ist also erneut ausgeblieben. Angesichts bestehender Wachstumsrisiken (geopolitische Lage, ungelöste Staatsschuldenkrise) und fehlender Strukturreformen ist dies erstaunlich. ‎Wir sind aber unverändert der Ansicht, dass die Risiken von der ultra-expansiven Geldpolitik der EZB vernebelt werden. Zudem dürfte sich die Exportunterstützung aus Asien als kurzlebig erweisen. So rasant die Stimmungsparty an Fahrt gewonnen hat, so schnell kann sie auch wieder enden.

Schwächeln im zweiten Halbjahr vorprogrammiert

Was heißt dies für das BIP-Wachstum? Für die nächsten Monate erwarten wir, dass der Geschäftsklimaindex eher nachgeben wird. Einen Nachteil für die harten Konjunkturdaten bedeutete dies aber wohl nicht. Bereits für das erste Quartal 2017 wurde ein BIP-Zuwachs berichtet, der deutlich hinter dem rasanten Tempo des ifo-Geschäftsklimas zurückgeblieben ist. Somit ließen sich umgekehrt aus einem Indexrückgang aus unserer Sicht auch keine Wachstumssorgen ableiten. Wir erwarten daher weiter, ‎dass das BIP im laufenden Quartal kaum langsamer wachsen wird als im überaus guten Vorquartal. Unsere BIP-Prognose von 1,4 % für 2017 sehen wir als gestützt an, sie besitzt moderate Aufwärtschancen. Da ‎ein beständiges Wachstum deutlich über der Wachstumsrate des Produktionspotenzials kaum durchzuhalten ist, rechnen wir weiterhin mit einem schwächeren zweiten Halbjahr.

  • Verweis:
    Interview mit Dr. Alexander Krüger, Bankhaus Lampe:
    Die Enteignung findet bereits statt
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