Dr. Alexander Krüger / 12. Mai 2017 / Keine Kommentare


Aufschwung ohne Ende in Deutschland

Das hohe Wachstumstempo in Deutschland hat im ersten Quartal 2017 noch zugenommen: Auch dank des unangemessen tiefen Zinsniveaus übertraf es das im Vorquartal erreichte Ergebnis. Wir erwarten, dass sich der Aufschwung fortsetzen wird, jedoch nicht im fünften Gang. Aus unserer Sicht gilt es weiterhin, die Risiken nicht aus den Augen zu verlieren. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Die Lobeshymnen auf den deutschen Aufschwung halten weiter an. (Foto: Themeforest)

Das Statistische Bundesamt hat heute bestätigt, was sich durch die monatlichen Konjunkturdaten abgezeichnet hat: Beim Start der deutschen Wirtschaft ins Jahr 2017 ist das BIP um 0,6 % gegenüber dem Vorquartal gestiegen. Laut Bundesamt, das die BIP-Details am 23. Mai veröffentlichen wird, nahmen die Investitionen, vor allem in Bauten, kräftig zu. Etwas höhere Ausgaben haben die privaten Haushalte und der Staat getätigt, und der Außenhandel hat das Wachstum gestützt. Dies zeigt, dass die Konjunkturentwicklung weiter auf einem breiten Fundament steht.

Stimmungsindikatoren erfreulich ausgefallen

Wir erwarten, dass die Lobeshymne auf den deutschen Aufschwung vorerst weitergesungen werden kann. Immerhin sind die Stimmungsindikatoren zu Beginn des laufenden Quartals erneut erfreulich ausgefallen: Der ifo-Geschäftsklimaindex notiert nahezu auf einem 5-Jahreshoch, und der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe steht auf einem 6-Jahreshoch. Unsere BIP-Prognose von 1,4 % für 2017 geht deshalb mit moderaten Aufwärtschancen einher. Wenn 2017 nicht mehr Feiertage auf einen Wochentag fallen würden als 2016, läge die Zuwachsrate bei 1,7 %. Sie beinhaltet, dass der Wachstumsbeitrag des privaten Verbrauchs im Vergleich zu 2016 geringer ausfallen wird, da die höhere Inflationsrate die Realeinkommen schmälert. Die anderen Komponenten gleichen dies nicht vollständig aus.

Der Aufschwung ist nicht das Werk einer neuerlichen politischen Reformagenda. Die beachtliche Aufwärtsentwicklung wird vielmehr durch die für Deutschland viel zu expansive Geldpolitik der EZB ermöglicht. Ohne die geldpolitische Unterstützung, die mit Blick auf den von uns berechneten Taylor-Zins etwa 200 Basispunkte (!) beträgt, fiele der BIP-Anstieg wohl geringer aus. Dies mahnt zur Vorsicht.

Ritt durch eine stabile Welt bleibt heikel

Wir identifizieren unverändert Faktoren, die auf konjunkturelle Abwärtsrisiken hindeuten. Hierzu zählen in erster Linie die aus unserer Sicht in diesem Jahr schärfer gewordene geopolitische Lage, die seit 2016 „modern“ gewordenen protektionistischen Tendenzen und die Überhitzungstendenz in China. Zudem dürfen die hohen Werte der Stimmungsindikatoren nicht in Sicherheit wiegen: Unseres Erachtens ignorieren sie die kräftig gestiegene wirtschaftspolitische Unsicherheit, die noch immer deutlich höher ist als nach 9/11 und dem Ausbruch der EWU-Staatsschul¬denkrise. Aus unserer Sicht befindet sich die Konjunktur daher nur vermeintlich auf einem Ritt durch eine stabil heile Welt. Sie tanzt eher auf einem Vulkan.

  • Verweis:
    Interview mit Dr. Alexander Krüger, Bankhaus Lampe:
    Die Enteignung findet bereits statt
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