Dr. Alexander Krüger / 27. April 2017 / Keine Kommentare


EZB hält an ihrer Forward Guidance fest

Die EZB hat ihre Forward Guidance heute unverändert belassen, geldpolitisch somit Kurs gehalten. Rascher als angekündigt sinkende Wertpapierkäufe stehen damit nicht bevor, geschweige denn eine Leitzinserhöhung. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

EZB

Leitzinsen werden erst erhöht, wenn die Wertpapierkäufe beendet sind. (Foto: ECB European Central Bank)

Niemand dürfte überrascht sein, dass die EZB ihre geldpolitischen Stellschrauben heute nicht adjustiert hat. Mit Blick auf die vage Leitzinserhöhungsdiskussion nach der Ratssitzung im März stand auch eher die Frage im Vordergrund, ob die Notenbank ihre Forward Guidance (geldpolitischer Ausblick) anpassen wird. Um es kurz zu machen: Eine Notwendigkeit hat der EZB-Rat hierfür nicht gesehen. Es bleibt somit bei zwei zentralen EZB-Aussagen: 1. Sie geht davon aus, dass die Leitzinsen „für längere Zeit“ und „weit“ über den Nettoerwerb von Vermögenswerten hinaus „auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau“ bleiben werden.

Wertpapierkäufe haben Relevanz

Das heißt: Die Leitzinsen werden erst erhöht, wenn die Wertpapierkäufe beendet sind. 2. Die monatlichen Wertpapierkäufe von derzeit 60 Mrd. € sollen bis Dezember 2017 anhalten und solange erfolgen, bis „eine nachhaltige Korrektur der Inflationsentwicklung“ zu erkennen ist, die mit dem Preisziel von knapp unter 2 % im Einklang steht. Erforderlichenfalls kann das Kaufprogramm „im Hinblick auf Umfang und/oder Dauer“ ausgeweitet werden. Das heißt: Bleibt die Inflationsrate 2017 dauerhaft unter 2 %, wie wir es erwarten, werden 2018, wie intensiv auch immer, Wertpapiere noch gekauft.

Die Ratssitzung und die Pressekonferenz vermitteln aus unserer Sicht den Eindruck, dass die EZB bestrebt ist, Ruhe zu bewahren. Dies geht aus der Erklärung von EZB-Präsident Mario Draghi auf der Pressekonferenz hervor, dass der Rat über eine Anpassung der Forward Guidance nicht diskutiert habe. Die Notenbank beabsichtigt zudem, über temporäre Inflationsausschläge hinwegzusehen. Wir rechnen daher weiter damit, dass die EZB ihre Forward Guidance vorerst beibehalten wird.

EZB kommt um Ausstieg nicht herum

Projektionen hin oder her: Um einen Konflikt mit der 33-%-Grenze für maximal erwerbbare Staatstitel eines Landes zu vermeiden, kommt die EZB um den Ausstieg aus ihren Wertpapierkäufen nicht umhin. Wir rechnen daher damit, dass sie im Juni Abwärtsrisiken für die Konjunktur nicht mehr betonen, im September eine ihrem Preisziel entsprechende Korrektur der Inflationsentwicklung ableiten, sinkende Leitzinsen nicht mehr in Aussicht stellen und für Januar eine erneute Reduktion des Kaufvolumens um 20 Mrd. € ankündigen wird. Ein Tapering halten wir für wenig wahrscheinlich, da die EZB Vorfestlegungen vermeiden dürfte. Der Ausstiegsweg dürfte 2018 fortgesetzt und Wertpapiere 2019 nicht mehr gekauft werden. Erst dann besteht Raum für eine Leitzinswende. Aufgrund seiner negativen Nebenwirkungen dürfte der Einlagesatz bereits im Frühjahr 2018 auf -0,25 % erhöht werden.

  • Verweis:
    Interview mit Dr. Alexander Krüger, Bankhaus Lampe:
    Die Enteignung findet bereits statt
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