Dr. Alexander Krüger / 14. Februar 2017 / Keine Kommentare


Deutsches BIP-Wachstum erneut PS-stark

Das deutsche BIP wächst beständig, und im vierten Quartal 2016 auch wieder kräftiger: Der Anstieg betrug 0,4 % gegenüber dem Vorquartal. Wir erwarten, dass das Wachstumstempo des Jahres 2016 in diesem Jahr weitgehend erhalten bleibt. Mit Blick auf „America first“ und Brexit bestehen über die Außenflanke allerdings konjunkturelle Abwärtsgefahren. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Die BIP-Prognose für 2017 bleibt vorsichtig optimistisch. (Foto: photodune.net)

Für das vierte Quartal 2016 hat das Statistische Bundesamt heute einen Anstieg des BIP von 0,4 % gegenüber dem Vorquartal berichtet. Gleichzeitig wurde das Ergebnis für das zweite Quartal von 0,4 % auf 0,5 % und für das dritte Quartal von 0,2 % auf 0,1 % revidiert. Alles in allem bestätigt dies, dass die Wirtschaftsleistung 2016 um 1,9 % über der von 2015 gelegen hat. Dies ist der höchste Zuwachs seit 2011. Die Detailergebnisse der BIP-Komponenten im vierten Quartal 2016 wird das Bundesamt am 23. Februar bekannt geben. In seiner Presseerklärung teilte es aber heute bereits mit, dass der Staat seine Ausgaben deutlich erhöht hat, die privaten Haushalte ihre dagegen leicht. Positiv entwickelten sich zudem die (Bau-)Investitionen. Der Außenhandel hat die Wirtschaftstätigkeit leicht belastet.

Das höchste der Gefühle

An unserer BIP-Prognose von 1,4 % für 2017 halten wir fest, sie ist jedoch auch das höchste der Gefühle. Aufgrund des Kalendereffekts liegt die Rate deutlich unter dem Ergebnis für 2016. Sie beinhaltet aber, und das ist das Entscheidende, ein solides Wachstumstempo, dessen Durchschnitt etwas unter dem des vergangenen Jahres liegt. Dies ist vor allem auf die privaten Konsumenten zurückzuführen. Ihnen wird es aus unserer Sicht nicht gelingen, ihre Hochform der vergangenen beiden Jahre zu halten. Als Ursache hierfür sehen wir die bereits gestiegene und auf dem höheren Niveau voraussichtlich verbleibende Inflationsrate an, infolge derer die Realeinkommen merklich schwächer als 2016 zunehmen dürften. Zudem rechnen wir mit rückläufigen Ausgaben des Staates für die Flüchtlingsmigration.

Taktgeber für das Binnenwchstum

Gemessen an ihrem Wachstumsbeitrag bleibt die Binnenwirtschaft aus unserer Sicht aber weiterhin der Taktgeber für das BIP-Wachstum. Verwundbar ist die Wirtschaft über den Außenhandel. Für 2017 erwarten wir, dass von diesem ein positiver Wachstumsbeitrag zwar ausgehen wird, allerdings hängt der Konjunkturhimmel hier bereits voller Wolken. Sie ziehen aufgrund der geopolitischen Krisenherde und der von China ausgehenden Wachstums- und Kreditrisiken auf. Hinzu kommt der Leitgedanke „America first“ der neuen US-Regierung. Von Handelsbeschränkungen wären ca. 9 % der deutschen Exporte in die USA betroffen, weitere rund 8 % stehen mit Blick auf den Brexit im Feuer. Je größer die Exporteinbußen wären, desto eher dürften sie zeitverzögert auch die Binnenwirtschaft belasten. Der jüngste Rückgang der ifo-Geschäftserwartungen ist daher ein Warnsignal.

  • Verweis:
    Interview mit Dr. Alexander Krüger, Bankhaus Lampe:
    Die Enteignung findet bereits statt
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