Dr. Alexander Krüger / 25. Januar 2017 / Keine Kommentare


America first-Agenda: Geschäftsklima deutlich angeschlagen

Das ifo-Geschäftsklima hat im Januar einen Dämpfer erhalten. Die Geschäftserwartungen fielen deutlich, wohl auch aufgrund der „America first“-Agenda der neuen US-Regierung. Da die befragten Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage allerdings auf hohem Niveau weiterhin als gut bewerten, dürfte die Wirtschaft gut in das neue Jahr gestartet sein. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Die America first-Agenda des neuen amerikanischen Präsidenten belastet die Stimmung im
internationalen Handel. (Foto : leirbagarc / Clipdealer.de)

Das ifo-Geschäftsklima hat im Januar einen Schuss vor den Bug erhalten: Sein Index sank um 1,2 auf 109,8 Punkte. Der klare Aufwärtstrend des vergangenen Jahres ist damit zunächst einmal unterbrochen. Ausschlaggebend für diese Entwicklung waren zwar deutlich gesunkene Geschäftserwartungen der befragten Unternehmen (-2,3 Punkte). Dies ändert aber nichts daran, dass nach wie vor eine Mehrheit für die nächsten sechs Monate optimistisch gestimmt ist. Als anhaltend gut bewerten die Unternehmen zudem ihre aktuelle Geschäftslage (+0,2 Punkte).

Wachstumssignal weiterhin da

Da der Indexrückgang auf erhöhtem Niveau erfolgt ist, fällt er in die Kategorie verkraftbar. Vom Geschäftsklima geht nach wie vor ein Wachstumssignal aus, das vor allem aufgrund der Bewertung der aktuellen Geschäftslage einen guten Einstieg der Wirtschaft in das neue Jahr nahelegt. Allerdings zeigt die Entwicklung, und das geht unseres Erachtens auch aus der ifo-Befragung hervor, dass das bereits über der Potenzialrate liegende BIP-Wachstum eher nicht weiter zunehmen wird. Nach dem freundlichen Jahresausklang 2016 ist jedoch auch dies kein Beinbruch. Unsere Prognose eines 2017 robusten deutschen BIP-Wachstums sehen wir als gestützt an.

Wir erwarten, dass das Aufwärtspotenzial des ifo-Geschäftsklimaindex fürs Erste gering ist. Hierfür spricht, dass die 2016 durch fiskalpolitische Stimuli der chinesischen Regierung initiierte Nachfrage ebenso nachlassen dürfte wie die Erleichterung der Unternehmer über den starken Auftragszuwachs der vergangenen Monate. Zudem haben sich die Rahmenbedingungen aus unserer Sicht nicht dergestalt verändert, dass die Weltwirtschaft fortan deutlich stärker als mit 3 % wachsen wird.

America first-Agenda drückt auf die Stimmung

Stimmungsseitig werden im ersten Halbjahr 2017 zudem wohl neue Treiber den Ton angeben. Hierzu zählt das „America first“ der neuen US-Regierung. Auch wenn wir dessen Umsetzung in der kurzen Frist nicht erwarten, dürfte die Stimmung in anderen Ländern durch sich zurzeit abzeichnende Verwerfungen im internationalen Handel belastet werden. Dies betrifft Verlagerungen von Produktionsstätten in die USA, abnehmende US-Direktinvestitionen sowie die von den USA in den Raum gestellten Schutzzölle für die heimische Wirtschaft. Gefahren für die gute Stimmung gehen zudem von der Präsidentschaftswahl in Frankreich im April/Mai aus. Sollten, entgegen unseren Erwartungen, populistische Parteien die Oberhand gewinnen, dürften Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der Währungsunion dramatisch zunehmen.

  • Verweis:
    Interview mit Dr. Alexander Krüger, Bankhaus Lampe:
    Die Enteignung findet bereits statt
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