Dr. Alexander Krüger / 4. Januar 2017 / Keine Kommentare


Inflationsrate wieder mit Eins vorm Komma

Der Anstieg der EWU-Inflationsrate auf 1,1 % im Dezember zeigt, dass die Zeit der Nullteuerung vorerst beendet ist. Wesentlicher Grund ist der im Vorjahresvergleich deutlich höhere Rohölpreis. Wir erwarten, dass die EZB die 2017 wohl noch weiter steigende Inflationsrate zum Anlass nehmen wird, ihre Wertpapierkäufe im Herbst weiter zu reduzieren.

Der Aufwärtstrend der Inflation setzt sich in 2017 fort.  (Foto: Photodune.com)

Der Aufwärtstrend der Inflation setzt sich in 2017 fort. (Foto: Photodune.com)

Den Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) im Euroraum hat es im Dezember mächtig nach oben gezogen: Seine Vorjahresrate stieg auf 1,1 %, nach 0,6 % im November. Dies ist der vierte Anstieg in Folge. Im August hatte die Rate noch bei 0,2 % gelegen, so hoch wie jetzt war sie zuletzt im September 2013. Die Kernteuerungsrate betrug im Dezember bei 0,9 % ­ seit August lag sie beständig bei 0,8%.

Rohölpreis steigt kontinuierlich

Die Aufwärtstendenz der Inflationsrate überrascht nicht. Sie geht auf den Rohölpreis zurück, der im ersten Halbjahr 2016 regelmäßig um 25 % oder mehr unter seinem Vorjahresniveau gelegen und die Inflationsrate nach unten gedrückt hat. Dieses Blatt hat sich nun gewendet. Mit 13,1 % wurde das Vorjahresniveau im November erstmals wieder deutlich übertroffen, im Dezember waren es nun 63,6 % (!). Diese rohölpreisbedingten Basiseffekte erhöhen die Inflationsrate und der gegenüber dem US-Dollar schwächere Euro unterstützt dies. Dagegen wirken die robuste Konjunktur und die EZB-Wertpapierkäufe weitgehend neutral auf die Inflationsrate.

Unsere Rohölpreisannahme für 2017 unterstellt einen jahresdurchschnittlichen Rohölpreis von 55 US-$/b. Auf dieser Basis werden die inflationssteigernden Basiseffekte vorerst anhalten. Bei einem aus unserer Sicht verhalten bleibenden Kerninflationsdruck erwarten wir daher, dass die Gesamtinflationsrate weiter steigen wird. Die hohe Aufwärtsdynamik von Dezember wird sich gleichwohl als Eintagsfliege erweisen und bereits im Januar merklich abnehmen. Wir rechnen mit einer im ersten Halbjahr 2017 knapp über Eins liegenden Teuerungsrate, die im Herbst 1,5 % erreichen wird. Unsere Inflationsprognose von 1,3 % für 2017 bestätigen wir.

Wertpapierkäufe werden im Herbst wohl reduziert

Durch den aktuellen Anstieg der Inflationsrate dürfte sich die EZB in ihrer Entscheidung von Dezember bestätigt sehen, das Volumen ihrer Wertpapierkäufe ab April um 20 auf 80 Mrd. € zu reduzieren. Hierbei dürfte es aber nicht bleiben. Treffen unsere Erwartungen an den 2017er-Verlauf der Inflationsrate zu, dürfte die EZB im Herbst die von ihr angestrebte nachhaltige Korrektur der Inflationsentwicklung erkennen trotz des verfehlten Preisziels. Dies wird sie unseres Erachtens auch mit Blick auf die langsam heranrückende Obergrenze von 33 % für Staatsanleihekäufe zum Anlass nehmen, ihre Wertpapierkäufe im Herbst weiter zu reduzieren. Mit einer Rückkehr zu geldpolitischer Normalität hat dies wenig zu tun: Die EZB wird auch 2018 im Krisenmodus sein und Wertpapiere kaufen sowie den Leitzins nicht anheben.

 

  • Verweis:
    Interview mit Dr. Alexander Krüger, Bankhaus Lampe:
    Die Enteignung findet bereits statt
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