Dr. Alexander Krüger / 15. November 2016 / Keine Kommentare


BIP-Wachstum überzeugt trotz niedrigerer Rate

Das deutsche BIP ist auch im dritten Quartal 2016 gewachsen. Mit 0,2% gegenüber dem Vorquartal fiel der Zuwachs zwar etwas niedriger aus. Angesichts der kräftigen Aufwärtsbewegung im ersten Halbjahr werten wir dies aber positiv.

Die BIP-Prognose wird voraussichtlich leicht leicht über der Trendmarke liegen. (Foto: Themeforest)

Die defensive BIP-Prognose für 2016 bleibt vorerst bestehen. (Foto: Themeforest)

Für die kommenden Quartale gehen wir weiter von einem durchschnittlichen BIP-Wachstum leicht über der Trendrate aus. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland ist auch im dritten Quartal 2016 gewachsen, der ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes zufolge um 0,2% gegenüber dem Vorquartal. Auch wenn die Detailergebnisse erst am 24. November mitgeteilt werden, so hat das Bundesamt in seiner heutigen Pressemitteilung bereits erklärt, dass positive Wachstumsbeiträge von den privaten und öffentlichen Konsumausgaben gekommen sind. In Ausrüstungen wurde etwas weniger, in Bauten etwas mehr investiert. Der Außenhandel hat das BIP-Wachstum belastet.

BIP Robust gewachsen

Keine Frage: Das BIP ist robust gewachsen. Die Wachstumsrate ist zwar leicht unter die Trendrate von rund 0,3% zurückgefallen. Da sie in den Vorquartalen aber deutlich darüber gelegen hat, ist dies kein Beinbruch. Weder die erneut gute Entwicklung der Binnennachfrage noch die Schwäche des Außenhandel (nach dem überaus guten zweiten Quartal) überraschen. Allerdings, und das ist in einer Strophe des Lobliedes auf die deutsche Konjunktur zu berücksichtigen, ist das gute BIP-Wachstum nach wie vor auch das Resultat günstiger Rahmenbedingungen. Sicherlich würde die Wirtschaftsleistung weniger stark zunehmen, wenn die EZB eine für Deutschland angemessene Geldpolitik durchführen würde. Hierfür müsste das Leitzinsniveau unseren Berechnungen zufolge bereits heute um etwa 125 Basispunkte höher liegen. Auch vom niedrigen Rohölpreis und tiefen EUR-USD-Kurs profitiert die Konjunktur.

Stimmung gedämpft

Wie geht es weiter? Das weltwirtschaftliche Umfeld hat sich in einigen Regionen, u. a. in Asien, zuletzt etwas besser entwickelt als erwartet. Den kräftigen Anstieg der Stimmungsindikatoren rechtfertigt dies aber nicht, er dürfte sich auch mit Blick auf die kritische Einstellung des neuen US-Präsidenten zum Freihandel nicht als nachhaltig erweisen. Da der Schub vom Euro und Rohölpreis zudem derzeit nachlässt, wird die Stimmung wohl auch von dort gedämpft werden. All dies spricht nicht gegen ein robust bleibendes BIP-Wachstum, zumal die Renten offenbar auch im Wahljahr spürbar angehoben werden. Eine Wachstumsbeschleunigung erwarten wir für 2017 aber nicht. Unser durchschnittliches Wachstumsprofil kommt vielmehr dem von 2016 gleich. Nur aufgrund der niedrigeren Ausgangsbasis und des negativen Arbeitstageeffekts von 0,3 Prozentpunkten liegt die Wachstumsprognose merklich tiefer. Zur Sicherung des hohen Wachstums halten wir es weiter für dringend geboten, dass die Bundesregierung die günstige Konjunkturentwicklung für überfällige Reformen (u. a. Arbeitsmarkt, Haushaltskonsolidierung, Rente) nutzt.

 

  • Verweis:
    Interview mit Dr. Alexander Krüger, Bankhaus Lampe:
    Die Enteignung findet bereits statt
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