Dr. Alexander Krüger / 8. September 2016 / Keine Kommentare


EZB hat heute nicht nachgeladen

Verglichen mit der Ratssitzung im Juli bleibt bei der EZB-Geldpolitik alles wie gehabt. Die Notenbank signalisierte Handlungsbereitschaft, die sie unseres Erachtens wegen der niedrig bleibenden Inflationsrate spätestens im Dezember unter Beweis stellen dürfte. Wir erwarten eine Leitzinssenkung und volumenmäßig unveränderte Wertpapierkäufe bis Ende 2017. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Die aktuelle Ratssitzung brachte nur wenig Neues (Foto: ECB European Central Bank)

Die aktuelle Ratssitzung brachte nur wenig Neues (Foto: ECB European Central Bank)


 
Auf ihrer Ratssitzung hat die EZB den Stand ihrer ultra-expansiven Geldpolitik heute nicht verändert. Sie hielt vor allem an ihrem Vorhaben fest, bis März 2017 monatlich Wertpapiere in Höhe von 80 Mrd. € zu kaufen. Ihr Statement enthält aber weiter den Hinweis, dass dies, wenn nötig, auch länger erfolgen kann. Auch die für das Kaufprogramm geltenden Regeln (Kapitalschlüsselgebot, 33%-Kauflimit, Kaufuntergrenze -0,40%, zum Kauf infrage kommende Wertpapiere) wurden beibehalten. Die EZB bekräftigte aber ihren Handlungswillen und wies zugleich auch auf ihre Handlungsfähigkeit hin. Auf der Pressekonferenz erklärte EZB-Präsident Mario Draghi, die Notenbank habe interne Ausschüsse bereits beauftragt, um Optionen zu prüfen.

Deflation eher unwahrscheinlich

Wenige Änderungen gab es auch bei den Projektionen. Nach 1,6% erwartet die EZB für 2016 einen BIP-Anstieg von 1,7%, für 2017/18 hat sie diesen jeweils von 1,7% auf 1,6% gesenkt. Aus ihrer Sicht wird das Wachstum somit dauerhaft über der Wachstumsrate des Produktionspotenzials liegen. Für den jahresdurchschnittlichen Verbraucherpreisanstieg liegt die Projektion für 2016 weiter bei 0,2%, für 2017 bei 1,2% (vorher 1,3%) und für 2018 weiter bei 1,6%. Die EZB erwartet somit, ihr 2%-Preisziel noch lange zu verfehlen. Auf der Pressekonferenz erklärte Draghi daher auch, es werde etwas länger dauern, bis das Preisziel wieder erreicht werde. Die Wahrscheinlichkeit für eine Deflation sei aus seiner Sicht jedoch nicht gestiegen.

Das EZB-Statement und die Pressekonferenz stützen unsere Sicht, dass das künftige BIP-Wachstum für die Notenbank ebenso wie die Inflationsrate zu niedrig ausfallen wird. Hinzu kommt, dass sich auch die langfristigen marktbasierten Inflationserwartungen mit rund 1,30% derzeit klar unter dem 2%-Preisziel befinden.

Ausblick auf das Jahresende

Unverändert erwarten wir daher, dass die EZB die Leitzinsen im Dezember weiter senken und ihr bis März befristetes Kaufprogramm bis Ende 2017 verlängern wird. Zudem ist es heute wahrscheinlicher geworden, dass sie Stellschrauben beim Kaufprogramm adjustiert. Infrage kommt wohl vor allem, auch unter dem Einlagesatz rentierende Wertpapiere zum Kauf zuzulassen, weitere Wertpapierarten (nicht: Aktien) in das Programm einzubeziehen und höhere Käufe pro Emission zu gestatten. Es besteht unseres Erachtens eine Wahrscheinlichkeit von 35%, dass sie all dies oder Teile davon bereits im Oktober verkündet, um Finanzmarkt-Unsicherheiten zu vermeiden.

 

  • Verweis:
    Interview mit Dr. Alexander Krüger, Bankhaus Lampe:
    Die Enteignung findet bereits statt
  •  
    Folgen Sie Spreezeitung auf Facebook, um keine spannenden Artikel zu verpassen.

    

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

    Abonnieren