Redaktion Spreezeitung / 24. August 2016 / Keine Kommentare


Versicherungsschutz: Experten-Tipps von Rene Hissler

Das ehrenamtliche Engagement im Bereich Flüchtlingshilfe ist beeindruckend groß. Angesichts der immensen Unterstützungsleistungen durch Bürger kommen praktische Aspekte wie etwa zum Versicherungsschutz oftmals viel zu kurz. Nachfolgend unsere Experten-Tipps von Rene Hissler.

Im Rahmen der Flüchtlingshilfe müssen versicherungsrechtliche Aspekte berücksichtigt werden.  (Foto: Gabi Eder  / pixelio.de)

Im Rahmen der Flüchtlingshilfe müssen versicherungsrechtliche Aspekte berücksichtigt
werden. (Foto: Gabi Eder / pixelio.de)

Rene Hissler, Versicherungsfachmann, Vereinsberater und Bildungsdienstleister aus Losheim am See beantwortet Ihre Fragen rund um versicherungsrelevante Themen. Besonders viele Zuschriften erreichten uns zu folgenden Fragestellungen:

Experte Rene Hissler

Experte Rene Hissler

  • 1. Wie ist mein Fahrzeug bei den Fahrten mit Flüchtlingen abgesichert?
  • 2. Was ist bei einem eigenen Personenschaden?
  • 3. Besteht Haftpflichtversicherungsschutz?

Zu 1: Fahrzeugabsicherung

Für die Fahrten mit Flüchtlingen mit dem eigenen Fahrzeug sind nur die selbst abgeschlossenen Versicherungen zuständig:

  • a. Kfz Haftpflichtversicherung
  • b. Kfz Voll- oder Teilkaskoversicherung
  • c. Insassenunfallversicherung
  • d. Schutzbrief
  • e. Verkehrsrechtsschutz

Von den Stellen, die den Einsatz vermitteln, kann dieser Versicherungsschutz nur mit hohen Kosten über eine „Dienstreisekaskoversicherung“ abgesichert werden. Einige Sozialverbände und die Kirchengemeinden haben den Dienstreise-Versicherungsschutz, der bei Bedarf angefragt werden sollte.

Wenn keine Dienstreisekaskoversicherung besteht und ein selbst verschuldeter Verkehrsunfall vorliegt, greift nur der eigene Versicherungsschutz. Kosten für eine Rückstufung werden nicht erstattet. Ob ein Regressanspruch nach § 670 BGB besteht, ist zu prüfen.

Für unentgeltliche Fahrten im Verein sind die Voraussetzungen nach dem Personenbeförderungsgesetz (PBefG) § 2 (7) und § 9 zu hinterfragen, ob eine gewerbsmäßige Aktivität vorliegt. Wichtig: „Sowieso-Fahrten“, also Fahrten die vom Fahrer/Fahrerin sowieso durchgeführt werden, fallen nicht unter das PBerfG!

Zu 2: Arbeits- oder Freizeitunfall

Der wichtigste Versicherungsschutz für alle Helfer/innen selbst (Personenschaden) besteht aufgrund gesetzlicher Vorgaben über die Berufsgenossenschaften. Grundlage: Sozialgesetzbuch (SGB) Sieben, § 2 (SGB VII) d.h. die Personen sind wie Arbeitnehmer gegen die Folgen von Arbeits- und Wegeunfällen und Berufskrankheiten abgesichert!

Die gesetzlichen Leistungen sind sehr umfangreich, z.B. Arztkosten, Krankenhauskosten, Rehabilitationsmaßnahmen, Wohnumfeldanpassungen u.v.m. Die Frage der zuständigen Berufsgenossenschaft ist nicht einfach zu beantworten. Stehen die ehrenamtlichen Dienste zugunsten einer Kommune oder dem Landkreis, ist die Unfallkasse des jeweiligen Landes zuständig.

Die Organisationen AWO, VdK, DRK, Caritas, Malteser, sind über die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege versichert: http://www.bgw-online.de. Fast alle anderen Vereine gehören zu der Verwaltungsberufsgenossenschaft in Hamburg. http://www.vbg.de/ehrenamt

Für reine private Aktivitäten – ohne Einsatzstelle – besteht kein gesetzlicher Versicherungsschutz. Hier ist das Bestehen einer privaten Unfallversicherung zu prüfen und der Abschluss dringend zu empfehlen. Die Kosten sind ab 5 € im Monat zu kalkulieren.

Zu 3: Haftpflichtversicherung

Die Zuständigkeiten einer Haftpflichtversicherung sind im Einzelfall zu klären. Einsätze über eine Organisation sind immer über deren Haftpflichtversicherung abgesichert. Eine Namensnennung ist dafür nicht erforderlich – auch eine Mitgliedschaft ist keine Voraussetzung für den Versicherungsschutz.

Nicht eingetragene Vereine/Gruppen die gemeinnützigen Aktivitäten ausführen, sind über eine „pauschale Unfallversicherung“ des jeweiligen Bundeslandes versichert. Die Haftpflichtversicherung prüft den Schaden, reguliert berechtigte Ansprüche und lehnt unberechtigte Forderung ab, notfalls vor Gericht.

Einen Schaden, der durch die betreute Person verursacht wird, kann nur über eine Zusatzdeckung in der eigenen Haftpflichtversicherung abgesichert werden: eine Schadenersatzausfalldeckung muss beantragt werden. D.h. die eigene Haftpflichtversicherung stellt mich in einem Schadensfall so, als wenn der Schädiger eine eigene Haftpflichtversicherung hat.

Gerne steht Rene Hissler zur Klärung weiterer Versicherungsfragen aus den unterschiedlichsten Themenfeldern zur Verfügung. Schreiben Sie uns: redaktion@spreezeitung.de

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