Dr. Alexander Krüger / 13. August 2016 / Keine Kommentare


Make-up der EZB hübscht EWU-BIP auf

Das EWU-BIP ist im zweiten Quartal 2016 solide gewachsen. Hierzu hat auch die ultra-expansive Geldpolitik der EZB beigetragen. In den Mitgliedstaaten haben die Trends beim Wachstumstempo jedoch angehalten. Da Wachstumstreiber schwinden, wird es auch künftig auf die EZB ankommen. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Die Inflationsrate wir dzum zum Spielball des Rohölpreises. (Foto: Photodune.com)

Experten bleiben hinsichtlich einer Prognose zum Wachstum skeptisch.(Foto: Photodune.com)

Auch nach der zweiten Schnellschätzung des Bruttoinlandsprodukt (BIP) für den Euroraum im zweiten Quartal 2016 bleibt es dabei: Gegenüber dem Vorquartal lag der Zuwachs bei 0,3%. Nach dem starken Jahresauftakt, als das BIP von Sondereffekten stark profitiert hatte, ist dies ein gutes Ergebnis. Da die Gegenbewegung nur moderat ausgefallen ist, heben wir unsere BIP-Prognose für 2016 von 1,4% auf 1,5% an.

Zähes Wachstum in den europäischen Ländern

In den Mitgliedstaaten haben die bisherigen Trends beim Wachstumstempo angehalten. Nach wie vor ist es vor allem Spanien, das mit +0,7% erneut dynamisch gewachsen ist. Das Land fährt damit weitere Ernte ein, die es mit Strukturreformen nach dem Ausbruch der Staatsschuldenkrise gesät hatte. Von den großen Ländern verzeichneten zudem Deutschland (+0,4%) und die Niederlande (+0,6%) hohe Zuwachsraten. Dagegen stagnierte die Wirtschaftsleistung in Italien und Frankreich, wobei wir bei Frankreich wegen des guten ersten Quartals kein Haar in der Suppe finden können. Licht und Schatten besteht weiter bei kleinen Ländern: In Belgien (+0,5%) und Zypern (+0,7%) setzte sich der Aufwärtstrend fort, in Finnland und Griechenland (je +0,3%) sowie Portugal (+0,2%) fällt das Wachstum weiter zäh aus.

Hinsichtlich der Wachstumslage und –perspektive behalten wir unseren skeptischen Blick für den Euroraum bei. Die Länder haben zwar zurück in die Wachstumsspur gefunden, und die Vorjahresquartalsraten liegen seit einigen Quartalen über der Wachstumsrate des Produktionspotenzials. Gemessen am kräftigen Wachstumseinbruch 2008/09 verläuft die konjunkturelle Aufwärtsbewegung jedoch unterdurchschnittlich, die Produktionslücke ist groß.

Hinsichtlich der lediglich verhalten wachsende Weltwirtschaft, nachlassenden Wachstumstreibern (Rohölpreis, Euro, Geldpolitik) und fehlenden Strukturreformen dürfte das durchschnittliche Wachstumstempo der vergangenen 1½ Jahre daher bestenfalls zu halten sein. Dabei sind die durch das Brexit-Votum zu erwartenden Wachstumsschrammen das kleinste Übel.

BIP-Ausblick und Trend

Vom BIP-Ausblick leiten wir folgende Trends ab: 1. Die Konjunktur lässt Inflationsdruck vorerst nicht entstehen. Dies spricht für eine niedrig bleibende Kerninflationsrate. 2. Trotz des anhaltenden BIP-Wachstums ist die Staatsverschuldung in vielen Mitgliedstaaten brenzlig hoch. Das gilt insbesondere auch für Spanien. 3. Aufgrund der fundamentalen Lage dürfte die EZB ihren Expansionsgrad im Dezember erhöhen (Leitzinssenkung, Verlängerung der Wertpapierkäufe bis Ende 2017). 4. Langfristig bleibt die EZB Gefangene ihrer Politik: Zöge sie sich vom Gefechtsfeld zurück, stellten sich direkt negative Wachstumsimpulse ein; diese dürfte sie nicht riskieren.

 

  • Verweis:
    Interview mit Dr. Alexander Krüger, Bankhaus Lampe:
    Die Enteignung findet bereits statt
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