Dr. Alexander Krüger / 4. August 2016 / Keine Kommentare


Bank of England schießt aus allen Rohren

Die Bank of England hat heute eine Fülle an expansiven Maßnahmen beschlossen. Damit stemmt sie sich gegen drohende Wachstumsverluste. Auf der Pressekonferenz hat Notenbank-Chef Carney erklärt, dass die BoE alles tun werde, um geld- und finanzpolitische Stabilität zu gewährleisten. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Die Bank of England

Bank of England beschließt massive Leitzinssenkung. Foto: Clipdealer.de)

Das geldpolitische Komitee der Bank of England (BoE) hat den zentralen Leitzins heute einstimmig um 25 Basispunkte auf 0,25% gesenkt. Dies war der erste Zinsschritt seit März 2009. Zudem wurde ein Bündel mit weiteren expansiven Maßnahmen beschlossen. Es beinhaltet ein neues Liquiditätsprogramm, den Kauf britischer Unternehmensanleihen bis zu 10 Mrd. £ und die Aufstockung des für geldpolitische Zwecke erworbenen Staatsanleihebestandes um 60 Mrd. £ auf 435 £.

Frühindikatoren kräftig gefallen

Die BoE begründete ihr Vorgehen damit, dass sich der kurzfristige Wachstumsausblick durch das Brexitvotum merklich eingetrübt hat. Harte Konjunkturdaten liegen für das laufende Quartal zwar noch nicht vor, einige Frühindikatoren sind aber bereits kräftig gefallen. Auch wenn die Notenbank dies als erste Schockreaktion auf das Referendum und nicht als Vorboten für eine ernste Rezession bewertet, zeigt ihr Vorgehen, dass sie Konjunkturrisiken aufgrund der bestehenden Unsicherheit vermeiden möchte und daher frühzeitig und vorbeugend handelt. Wäre die BoE ernsthaft besorgt, hätte sie ihr Maßnahmenbündel wohl noch höher dosiert.

Auf der Pressekonferenz hat Notenbank-Chef Carney erklärt, dass die BoE alles tun werde, um geld- und finanzpolitische Stabilität zu gewährleisten. Zudem zeigt das BoE-Sitzungsprotokoll, dass die MPC-Mitglieder eine weitere Leitzinssenkung favorisieren, sofern sich die anstehenden Daten so entwickeln, wie im heutigen Inflationsbericht erwartet. Aus unserer Sicht wird dies der Fall sein. Für November erwarten wir daher eine weitere Leitzinssenkung um dann 15 Basispunkte auf 0,10%.

Lage im britischen Banksektor

Ob die Dosis der unkonventionellen Maßnahmen noch erhöht wird, hängt aus unserer Sicht von den anstehenden Konjunkturdaten und der Lage im britischen Bankensektor ab. Da Großbritannien vorerst weiter Zugang zum Europäischen Binnenmarkt hat, halten wir schmerzende Wachstumswunden infolge des Brexit-Votums weiter für wahrscheinlicher als eine ernste Rezession. Bleibt ein Vertrauensschock aus, dürfte die BoE hierauf eher mit geldpolitischer Kontinuität als mit Aktionismus reagieren.

Auch mit Blick auf die vom Brexit-Votum langfristig ausgehende politische Unsicherheit wird sie wohl nicht zu früh zu viele ihrer wenigen noch im Köcher verbliebenen Pfeile verschießen. Hierfür spricht auch die derzeit kaum abschätzbare Entwicklung im britischen Bankensektor. Wie auch immer: Die expansive Geldpolitik geht wohl in erster Linie mit einem schwächeren Pfund einher, das inflationssteigernd wirkt. Erhöhte die BoE ihren Expansionsgrad künftig noch, beförderte sie Stagflationstendenzen und erschwerte die Finanzierung des Zwillingsdefizits.

 
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