Dr. Alexander Krüger / 2. Juni 2016 / Keine Kommentare


EZB bleibt bei ihrem Kurs

Von der heutigen EZB-Ratssitzung gehen keine neuen geldpolitischen Signale aus: Die Notenbank wartet die Wirkung ihrer jüngsten Maßnahmen ab. Ihren Expansionsgrad wird sie aus unserer Sicht 2016 noch steigern. Eine Kommentierung von Dr Alexander Krüger.

Die Inflationsrate wir dzum zum Spielball des Rohölpreises. (Foto: Photodune.com)

Das bevorstehende Wachstumstempo dürfte die EZB nicht zufriedenstellen.(Foto: Photodune.com)

Der EZB-Rat hat heute beschlossen, seine bisherige geldpolitische Ausrichtung beizubehalten. Aus den Einleitenden Bemerkungen und der Pressekonferenz geht hervor, dass er im Vorfeld der im Juni beginnenden Unternehmensanleihekäufe und der anstehenden neuen Langfristtender eine abwartende Haltung bevorzugt. Spielraum geben ihm die Wachstums- und Inflationsprojektionen, die er für 2016 erhöht hat (von 1,4% auf 1,6% bzw. von 0,1% auf 0,2%). Die EZB erwartet damit weiter eine moderate und stetige Konjunkturerholung sowie eine höhere Inflationsrate im zweiten Halbjahr. Unverändert hält sie es für nötig (Forward Guidance), dass die Leitzinsen „für längere Zeit“ und „weit über den Zeithorizont“ des Erwerbs von Vermögenswerten hinaus „auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau“ bleiben werden.

Preisziel wird auch 2017 verfehlt

Das bevorstehende Wachstumstempo dürfte die EZB nicht zufriedenstellen. Sie geht zudem selbst davon aus, dass sie ihr Preisziel auch 2017 verfehlen wird. Diesbezüglich dürften ihre Sorge vor negativen Zweitrundeneffekten und der zuletzt zeitweise wieder festere Euro-Wechselkurs die Alarmbereitschaft hochhalten. Wir erwarten daher weiter, dass die EZB den sich für die zweite Jahreshälfte 2016 abzeichnenden Anstieg der Inflationsrate mit neuen expansiven Maßnahmen festigen wird.

Im Dezember dürfte sie den Hauptrefinanzierungssatz um 5 Basispunkte auf -0,05% und den Einlagesatz um 10 Basispunkte auf -0,50% senken. Dies erleichterte auch die Tragfähigkeit der Staatsverschuldung. Überdies rechnen wir damit, dass die EZB ihre Wertpapierkäufe von monatlich 80 Mrd. €, die im März 2017 enden, bis Ende 2017 verlängern wird. Denn die von ihr angestrebte nachhaltige Korrektur der Inflationsentwicklung wird sich aus unserer Sicht bis auf Weiteres nicht einstellen.

Zudem gilt u. E. noch:

1. Die Inflationsrate steigt im zweiten Halbjahr 2016 durch rohölpreisbedingte Basiseffekte, nicht wegen des EZB-Kaufprogramms.

2. Ein abruptes Ende der Wertpapierkäufe erwarten wir nicht. Ansonsten stellten sich wohl nachteilige (Über-)Reaktionen der Finanzmärkte ein, die ebenso wie Staatshaushalte und Wirtschaft stark vom billigen Geld abhängig sind.

3. Sollte die EZB ihr Kaufvolumen ändern, ist eine Aufstockung wahrscheinlicher als eine Reduzierung. Denn sie kauft weniger intensiv Wertpapiere, als dies andere Notenbanken getan haben.

4. Werden Vermögenswerte knapp, dürfte die EZB die Bedingungen ihres Kaufprogramms rechtzeitig lockern und/oder neue Vermögenswerte einbeziehen.

5. Stiege der Rohölpreis kräftig über 55 US-$/b, minderte dies den Handlungsbedarf der EZB.
 

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