BERLIN Empfehlung / 14. April 2016 / Keine Kommentare


„Perspektivwechsel“ – Ergänzende Fototafeln im Panorama „Die Mauer“

Ergänzende Fototafeln im Panorama "Die Mauer" in Berlin stellen die Biografie von Yadegar Asisi als Sohn persischer Exilanten in den Fokus und verweisen auf Aspekte der wechselhaften Geschichte des 20. Jahrhunderts zwischen Persien, DDR, BRD und wiedervereintem Deutschland. Der Verweis auf die Herkunft von Yadegar Asisi zieht auch Parallelen zur heutigen Situation in Deutschland und der Welt.

Yadegar Asisi bei der Bemalung der Berliner Mauer am Engelbecken 1987: Die kath. Kirche St. Michael wird visuell rekonstruiert (Foto © Dieter Palm)

Yadegar Asisi bei der Bemalung der Berliner Mauer am Engelbecken 1987:
Die kath. Kirche St. Michael wird visuell rekonstruiert (Foto: Dieter Palm)

Yadegar Asisis Panorama über das geteilte Berlin versetzt die Besucher in den Alltag mit der Berliner Mauer an einem fiktiven Herbsttag in den 1980er-Jahren. Begleitend zum Panorama DIE MAUER und der bestehenden Fotoausstellung zum Alltag im geteilten Berlin und dem Mauerfall 1989 gibt es seit März 2016 eine weitere Ergänzung in der Rotunde am Checkpoint Charlie zu entdecken: Die kleine Ergänzung heißt „Perspektivwechsel“ und zeigt anhand von erstmals veröffentlichten Fotografien aus dem privaten Archiv Yadegar Asisi als Grenzgänger zwischen verschiedenen politischen Systemen und Kulturen. Sie stellt seine Biografie in den Kontext der gegenwärtigen Situation und verweist auch auf Aspekte der wechselhaften Geschichte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Flucht aus Persien

Nachdem Yadegar Asisis Vater als Mitglied einer kommunistischen Zelle hingerichtet worden war, floh die Familie 1955 aus dem Persien unter dem Schah-Regime über das damals neutrale Wien in die DDR. Auf der Flucht in Wien geboren verlebte Asisi seine Kindheit, Jugend und die Zeit des Architekturstudiums in Halle, Leipzig und Dresden. Nach einem Kurzaufenthalt 1979 im Iran richtete er sein Leben im „alten“ West-Berlin ein. Seitdem lebt und arbeitet er in Berlin-Kreuzberg – nach seinem Malereistudium in den 1980er Jahren an der HdK zunächst als Architekt und Hochschulprofessor. Seit 2003 widmet er sich ausschließlich der Erschaffung von Panoramakunstwerken.

Yadegar Asisi und Mitschülerin 1968 im Schulunterricht in Leipzig (Foto Frank Voigländer)

Yadegar Asisi und Mitschülerin 1968 im Schulunterricht in Leipzig (Foto: Frank Voigländer)

Biografische Ergänzung

Die biografische Ergänzung „Perspektivwechsel“ rückt das Schicksal persischer Exilanten aus dem Umkreis der Tudeh-Partei in der Mitte des 20. Jahrhunderts ins Licht der Öffentlichkeit. Trotz der Flucht der Familie hat Asisi sein Leben seit den frühesten Tagen als behütet empfunden:

„Ich war ein glückliches Kind und hatte eigentlich immer ein sonniges Gemüt – ich hatte ja meine Familie zum größten Teil um mich herum. Als Kind nimmt man schicksalshafte Ereignisse vielleicht selbstverständlicher an, wenn man sich in seinem vertrauten sozialen Umfeld befindet. Für andere wie meine Mutter war die Flucht und das Leben in der DDR sicher schwerer und sie hat auch darunter gelitten.“

Parallelen zur heutigen Situation in Deutschland

Der Verweis auf die Herkunft von Yadegar Asisi stellt auch Parallelen zur heutigen Situation in Deutschland und der Welt dar. Zusätzlich befinden sich im Vorraum zum Panorama DIE MAUER nunmehr zusätzlich Fototafeln mit Privatfotografien von Berlinern oder Berlinbesuchern, die entweder die Zeit des geteilten Berlin in West oder Ost zu DDR-Zeiten oder aber den Mauerfall 1989 und die Monate danach dokumentieren und ganz persönliche Eindrücke und Statements auf die Ereignisse vor über 25 Jahren zeigen.

Flüchtlingskinder aus Persien 1958 in Halle (Foto © Yadegar Asisi)

Flüchtlingskinder aus Persien 1958 in Halle (Foto: Yadegar Asisi)

Panorama „DIE MAUER“

Das Panorama DIE MAUER gibt die künstlerisch verdichtete Sicht des Zeitzeugen Yadegar Asisi auf die Zeit des geteilten Berlin wieder – gesehen von der Sebastianstraße in Kreuzberg aus. Asisi verarbeitet darin nicht nur sein Leben im Kreuzberg der 1980er Jahre, sondern auch seine Erfahrungen aus dem Alltag und der Sozialisation in der DDR bis ins Jahr 1978. Seit September 2012 vermittelt das Panorama mit über 550.000 Besuchern einen Eindruck von den Mauerzeiten im geteilten Berlin.

 

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