Dr. Alexander Krüger / 5. Februar 2016 / Keine Kommentare


Wirtschaftsausblick – Auftragseingang zwischen Gut und Böse

Der Auftragseingang in der deutschen Industrie ist im Dezember 2015 um 0,7% ggü. dem Vormonat gesunken. Eine nachhaltige Aufwärtsdynamik besteht damit weiter nicht. Die aktuelle Stimmung der Unternehmen deutet zudem nicht auf eine bevorstehende merkliche Auftragsbelebung hin. Die spricht für niedrige Produktionsbeiträge zum Bruttoinlandsprodukt.

Nach soliden Zuwächsen in den beiden Vormonaten (+1,7% bzw. +1,5%) ist der Auftragseingang in der deutschen Industrie im Dezember wieder gesunken: Gegenüber dem Vormonat betrug der Rückgang 0,7%. Die entsprechende Vorjahresrate fiel auf -2,5%. Die Auftragsvergabe schwächte sich aus dem Inland (-2,5%) kräftig ab, trotz bestehender Wachstumssorgen nahm sie aus dem Ausland aber zu (+0,6%).

Impulse haben im zweiten Halbjahr abgenommen

Ist das Glas halbvoll oder halbleer? Richtig ist auf die kurze Sicht zunächst, dass ein Auftragsrückgang nach zwei guten Monaten nichts Ungewöhnliches ist. Richtig in der Gesamtbetrachtung ist aber auch, dass die Industrie mit 0,9% im vergangenen Jahr nur mäßig mehr Aufträge erhalten hat als 2014. Die positiven Impulse haben vor allem im zweiten Halbjahr abgenommen, was angesichts der Wachstumsabflachung in den Schwellenländern und der hohen geopolitischen Risiken nicht wundert. Alles in allem lässt der Sektor eine echte Aufwärtsdynamik somit seit längerem vermissen. Dies zeigt sich auch daran, dass das Auftragsniveau mehr als sieben Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise lediglich 1,3% über dem damaligen Niveau liegt.

Wir haben wenig Hoffnung, dass sich das industrielle Umfeld 2016 deutlich besser entwickeln wird als 2015. Vielmehr dürfte der Gegenwind für den Sektor anhalten: Er resultiert von einer aus unserer Sicht verhalten bleibenden weltwirtschaftlichen Nachfrage, anhaltenden geopolitischen Verspannungen und einer auslaufenden Wachstumsunterstützung von der Währungsseite. Der jüngste – und aus unserer Sicht noch nicht abgeschlossene − Rückgang der ifo-Geschäftserwartungen, aber auch das insgesamt schwächere ifo-Geschäftsklima deuten bereits darauf hin, dass sich eine nennenswerte Produktionsbelebung derzeit nicht in der Pipeline befindet. Für 2016 erwarten wir daher unverändert, dass der industrielle Rückenwind für das Bruttoinlandsprodukt ein laues Lüftchen bleiben wird. Dies dürfte sich letztlich in einer verhalten bleibenden Investitionstätigkeit niederschlagen.

Wirtschaftliche Impulse fehlen

Trotz dieser Perspektiven rechnen wir für 2016 mit einem über dem Produktionspotenzial liegenden Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 1,5%. Dessen Löwenanteil geht auf den Staatsverbrauch und den privaten Verbrauch zurück, der durch den Glücksfall des Rohölpreisrückgangs anhaltende Unterstützung erfährt. Da letzteres aber kaum noch steigerbar ist und wirtschaftspolitische Impulse fehlen, bleibt der Wachstumsblick nach unten gerichtet. Es gilt: Wehe, wenn der Konsument streikt.

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