Dr. Alexander Krüger / 29. Januar 2016 / Keine Kommentare


US-Wirtschaft backt kleinere Brötchen

Mit annualisert 0,7% ist das US-BIP im vierten Quartal 2015 nur wenig gewachsen. Dies stützt unsere defensive Sicht auf die US-Wirtschaft. Trotz der von uns für das laufende Quartal erwarteten Gegenbewegungs-Tendenzen bestehen Abwärtsrisiken für unsere BIP-Prognose von 2,2% für 2016. Der Leitzinserhöhungs-Elan der Fed dürfte leiden. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

FED-Chefin Yellen zeigt sich wankelmütig.   (Foto: Federal Research)

Für die Leitzinserhöhungsabsicht der Fed ist das heutige BIP-Ergebnis keine gute Nachricht.
(Foto: Federal Research)

 

Enttäuschung pur: Mit annualisiert 0,7% gegenüber dem Vorquartal hat der BIP-Zuwachs in den USA im Schlussquartal 2015 jede Dynamik vermissen lassen. Im dritten Quartal war er mit 2% höher ausgefallen. Ursache für die Eintrübung waren vor allem nachlassende Impulse vom Konsum und ein verlangsamter Lageraufbau. Die Ausrüstungs- und die gewerblichen Bauinvestitionen sanken, die privaten Wohnungsbauinvestitionen wuchsen robust. Das BIP-Wachstum belastet hat der Außenhandel.

Rohölpreisverfall und geringe Energienachfrage

Die aktuelle Wachstumsschwäche ist ein Warnsignal. Sie ist zwar auch auf temporäre Einflüsse zurückzuführen, die aufgrund der milden Witterung in einer geringeren Energienachfrage bestanden haben. Fakt ist aber auch, dass anhaltend ungünstige Rahmenbedingungen für die Industrie bestehen. Diese leidet unter dem Rohölpreisverfall, den trüben Wachstumsaussichten für die Weltwirtschaft und dem festen US-Dollar. Es überrascht daher kaum, dass die Stimmung bei den Unternehmen frostiger geworden ist: Seit November sendet der ISM-Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe ein Kontraktionssignal. Erste Zeichen rezessiver Tendenzen sind in der Industrie bereits zu erkennen, vor allem im Energiesektor und Bergbau. Auf den Rest der Wirtschaft haben sie bislang aber noch nicht ausgestrahlt.

Der BIP-Zuwachs im vierten Quartal 2015 stützt unsere defensive Sicht auf die US-Wirtschaft. Für das erste Quartal 2016 erwarten wir zwar moderate Gegenbewegungen im Energiesektor und beim Konsum. Gemessen an unserer bisherigen Prognose dürften unter dem Strich aber dennoch Wachstumspunkte fehlen. Da die zweite BIP-Schätzung aller Erfahrung nach eine deutliche Revision der ersten Schätzung ergeben kann, sehen wir heute von einer Senkung unserer BIP-Prognose von 2,2% für 2016 ab, verweisen aber auf die diesbezüglich bestehenden Abwärtsrisiken.

Keine guten Nachrichten für FED

Für die Leitzinserhöhungsabsicht der Fed ist das heutige BIP-Ergebnis keine gute Nachricht. Unseres Erachtens wird es die sich in der Mehrheit befindenden Befürworter weiterer Zinsschritte nochmals verunsichern. Denn immer lauter stellt sich die Frage, ob Zinsanhebungen in einer Phase opportun sind, in der dem Wachstum die Puste ausgeht, die langfristigen Inflationserwartungen stark gesunken sind und Finanzmarktakteure irritiert sind. Die aktuelle Entwicklung stützt unsere Erwartung, dass die Fed in diesem Jahr noch eine Leitzinserhöhung um 25 Basispunkte (voraussichtlich im März) beschließen und danach zinspolitisch abwarten wird.

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