Dr. Alexander Krüger / 15. Januar 2016 / Keine Kommentare


Starker Dämpfer für die EZB-Inflationshoffnung

Mit 0,2% verharrte die EWU-Inflationsrate im Dezember nahe der Null-Linie. Da sich der Rohölpreis derzeit stärker als erwartet über die positiven Basiseffekte „legt“, haben wir unsere Inflationsprognose für 2016 von 1% auf 0,8% gesenkt. Neue EZB-Wertpapierkäufe bleiben damit eine Option. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Die Inflationsrate wir dzum zum Spielball des Rohölpreises. (Foto: Photodune.com)

Die Inflationsrate wird zum Spielball des Rohölpreises. (Foto: Photodune.com)


 

Der preistreibende Effekt der im Dezember üblichen Verteuerung von Pauschalreisen ist durch erneut gesunkene Energiepreise und Preisrabatte bei Bekleidung und Schuhen aufgrund der milden Winterwitterung weitgehend eliminiert worden. Die Kernteuerungsrate (ohne Energie, Nahrung, Alkohol und Tabak) verharrte bei 0,9%. In der Folge hat sich auch der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) gegenüber dem Vormonat kaum verändert. Die Jahresrate liegt weiter bei 0,2%.

Rohölpreisabsturz im vierten Quartal 2014

Bislang hat sich die Gesamtinflationsrate noch nicht von der Null-Linie gelöst. Ursache ist im Wesentlichen der Rohölpreis: Dieser ist seit Mai 2015 um fast 40% (€/b) gesunken und lässt die durch den kräftigen Rohölpreisabsturz im vierten Quartal 2014 bestehenden positiven Basiseffekte derzeit kaum wirken. Aufgrund dieser Entwicklung senken wir unsere Inflationsprognose für 2016 von 1% auf 0,8%. Dies erfolgt auch vor dem Hintergrund, dass ein zunehmender Kerninflationsdruck angesichts der unterausgelasteten Produktionskapazitäten und der auf hohem Niveau nur träge sinkenden Arbeitslosigkeit bis auf Weiteres nicht in Sicht ist.

Abwärtsrisiken für die Inflationsprojektion der EZB

Durch die HVPI-Entwicklung im Dezember haben sich die Abwärtsrisiken für die Inflationsprojektion der EZB von 1% für 2016 erhöht. Dies spielt vor allem EZB-Prä-sident Draghi in die Karten, der sich vor der Ratssitzung im Dezember mehrfach für neue unkonventionellen Maßnahmen ausgesprochen hatte. Dass diese auf der Ratssitzung am 21. Januar „nachgeholt“ werden, erwarten wir aber nicht. Um hierfür eine Mehrheit zu finden, dürfte die Inflationsenttäuschung noch zu frisch sein, zumal wachstumsseitig derzeit im Großen und Ganzen alles planmäßig verläuft.

Wertpapierkaufprogramm bis März 2017

Wir erwarten unverändert, dass die EZB ihr Wertpapierkaufprogramm bis März 2017 durchziehen wird. Da die langfristigen Inflationserwartungen zuletzt aber wieder auf 1,65% gesunken sind, sich die EZB-Wachstumsprojektion von 1,7% für 2016 nicht erfüllen und das EZB-Preisziel außer Sichtweite bleiben dürfte, sind, der bisherigen Logik der EZB folgend, höhere Wertpapierkäufe und eine erneute Senkung des Einlagesatzes eine permanente Handlungsoption. Ein abruptes Ende der EZB-Bilanzausweitung im März 2017 halten wir zudem für wenig wahrscheinlich. Vielmehr dürften die Wertpapierkäufe anschließend in gedrosselter Dosis fortgesetzt werden. Die Wertpapierkäufe werden die rohölpreisbedingt niedrige Inflationsrate unseres Erachtens aber nicht erhöhen. Statt mit stumpfen Waffen „zu kämpfen“ wäre es besser, auf diese Kampfform zu verzichten ­ oder (?) Rohöl direkt zu kaufen.

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