Redaktion Spreezeitung / 27. Oktober 2015 / 1 Kommentar


Dreckiger Deal auf Kosten der Netzneutralität

Eine große Koalition aus Konservativen und Sozialdemokraten hat heute die Einigung mit dem Ministerrat zur Telekom-Marktverordnung beschlossen. Dabei herausgekommen ist ein "wässriger Formelkompromiss", der faktisch als eine massive Einschränkung des Neutralitätsgebotes zu werten ist.

Jan Philipp Albrecht,  stellvertretender Vorsitzender des Innen- und Justizausschusses im Europäischen Parlament. (Foto: Fritz Schumann)

Jan Philipp Albrecht, stellvertretender Vorsitzender des Innen- und Justizausschusses im Europäischen Parlament. (Foto: Fritz Schumann)

 
Hierzu erklärt Jan Philipp Albrecht, Verhandlungsführer des Europäischen Parlaments für die Datenschutzverordnung:

„Konservative und Sozialdemokraten haben heute das Prinzip der Netzneutralität durch einen wässrigen Formelkompromiss ersetzt, der es Telekommunikationsprovidern ermöglicht, zahlungskräftige Internetdienste bei der Datenübertragung zu bevorzugen. EU-Kommissar Günther Oettinger feiert das Ergebnis als Erfolg für die Netzneutralität, dabei wird die Wahrheit dieses dreckigen Deals immer deutlicher: Die heutige Entscheidung ist de facto eine massive Einschränkung des Neutralitätsgebotes. Durch die einheitliche EU-Verordnung wird es Mitgliedstaaten der EU zudem unmöglich, vollständige Neutralität der Netzbetreiber einzufordern.
 
Dieses Zwei-Klassen-Netz wird große Anbieter aus dem Silicon Valley wie Google, Apple und Netflix gegenüber kleineren Konkurrenten stärken, die vor allem in der EU ansässig und auf einen leichten Marktzugang angewiesen sind. Der gefundene Deal ist daher ein Geschenk für die großen Internet- und Telekommunikationsunternehmen auf Kosten kleinerer Wettbewerber sowie der Verbraucherinnen und Verbraucher. Letztere müssen nun befürchten, dass große Werbeanzeigen in HD-Qualität auf den Bildschirmen ihrer PCs und Smartphones landen, während der eigentlich gewünschte Inhalt oder Dienst langsam hinterhertröpfelt. Heute ist ein schwarzer Tag für die Digitalpolitik in Europa.“

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Ein Kommentar zu "Dreckiger Deal auf Kosten der Netzneutralität"

  1. Hmann0815 27. Oktober 2015 at 18:07

    Ich sehe durch das 2-Klassen-Netz eine ganz andere Gefahr auf uns zukommen: Heute ist es nicht möglich, das gesamte Netz einfach abzuschalten, zu viel hängt daran: Firmen, Behörden, Krankenhäuser usw.
    Aber was ist, wenn im Laufe der Zeit eine Gruppe der Nutzer an das eine Netz und die anderen (etwa kritische Medien und Bürger) an das andere Netz angeschlossen werden? Dann werden die „Problem-Nutzer“ einfach komplett abgeschaltet. Ich denke, das ist das eigentliche Ziel.

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