Dr. Alexander Krüger / 22. Oktober 2015 / Keine Kommentare


EZB heizt die QE-Spekulation an

Die EZB hat heute durchblicken lassen, dass sie ihre Wertpapierkäufe bald noch ausdehnen wird. Wir erwarten, dass dies ab Januar erfolgen wird und dann auch der Einlagesatz um 20 Basispunkte auf -0,4% gesenkt wird. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Die Inflationsrate wir dzum zum Spielball des Rohölpreises. (Foto: Photodune.com)

EZB signalisiert Ausweitung der Anleihenkäufe. (Foto: Photodune.com)

Bei seiner Sitzung heute auf Malta hat der EZB-Rat seine bisherige geldpolitische Ausrichtung zwar bestätigt. Sowohl die Presseerklärung als auch die Pressekonferenz legen aber den Schluss nahe, dass sich dies am 3. Dezember nicht wiederholen wird.

Im Vorfeld der Ratssitzung ist über eine Ausweitung der EZB-Wertpapierkäufe spekuliert worden. Diesbezüglich hat die Notenbank heute erklärt, dass sie deren Umfang im Dezember neu untersuchen werde. Dieser Hinweis war in ihren bisherigen Presserklärungen nicht enthalten. Die EZB betonte, willens und fähig zu sein, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Instrumenten zu handeln und in dieser Hinsicht offen zu sein. EZB-Präsident Draghi bemerkte auf der Pressekonferenz zudem, dass es sich bei der Ratssitzung nicht um eine abwartende Arbeitsatmosphäre gehandelt habe; vielmehr seien wenige Ratsmitglieder schon heute handlungsbereit gewesen.

EZB-Geldpolitik wird auf Bedürfnisse der Regierungen zugeschnitten

Mit ihrer Rhetorik hat die EZB neue Wertpapierkäufe auf der Zeitschiene weiter nach vorne geholt. Draghi begründete dies damit, dass der erneute Rückgang der Inflationsrate unter 0% zwar in erster Linie auf den Rohölpreis zurückgeht, wogegen die EZB machtlos ist. An dieser orientierten sich aber stärker die für die Notenbank wichtigen Inflationserwartungen, entsprechend entstünde Handlungsbedarf. Zudem wies Draghi darauf hin, dass die niedrige Inflationsrate die reale Schuldenlast und den realen Schuldendienst erhöhe, was die Schuldentragfähigkeit belaste. Dieses Argument ist neu; es bestätigt unsere seit langem vertretene Sicht, dass die EZB-Geldpolitik vor allem auch auf die Bedürfnisse der Regierungen zugeschnitten wird.

Geldpolitik behält ihren Pferdefuß

Wie geht es weiter? Wir erwarten nun, dass die EZB auf ihrer Sitzung im Dezember eine Aufstockung ihrer aktuellen Wertpapierkäufe von monatlich 60 Mrd. € um 10-20 Mrd. € ab Januar ankündigen wird. Zudem dürfte die Begrenzung des Kaufprogramms bis „September 2016“ auf „unbefristet“ geändert werden. Die von uns erwartete Senkung des Einlagesatzes ziehen wir von Mitte 2016 auf Januar vor.

Alles in allem behält die Geldpolitik ihren Pferdefuß: Ein weiteres Anwerfen der Notenpresse ist kaum erfolgversprechend, da es auf die rohölpreisbedingt niedrige Inflationsrate keinen Einfluss hat. Die Realwirtschaft bleibt außen vor, da günstige Finanzierungsbedingungen nicht über trübe Absatzperspektiven trösten. Unter dem Strich dürfte die EZB also in erster Linie die Regierungen glücklich machen. Dies bedeutet aber auch: Die negativen Nebenwirkungen der Geldpolitik werden größer.

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