Hans-Joachim Selenz / 8. August 2012 / Keine Kommentare


TUI-Chef Michael Frenzel – ein „Hans im Glück“?

Michael Frenzel geht im Februar 2013. Was bleibt ist die Frage seiner Kritiker, ob er es in den 18 Jahren als Chef der TUI und deren Vorgängergesellschaft Preussag immer wieder geschafft hat, Unternehmen oder Teile davon zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt zu kaufen oder zu verkaufen.

Die FAZ kommentiert den baldigen Abgang von TUI-Chef Michael Frenzel. Unter dem Titel „TUI auf Sinnsuche“ schreibt Johannes Ritter über den Spitznamen von Frenzel: „Hans im Glück“.

In dem gleichnamigen Märchen der Gebrüder Grimm erhalte Hans als Lohn für seine Arbeit einen Klumpen Gold. Diesen tausche er so lange gegen minderwertigere Dinge ein, bis ihm nichts mehr bleibe. Der für seine rasanten Strategieschwenks berüchtigte Frenzel habe es so ähnlich gemacht: In seinen 18 Jahren als Chef der TUI und deren Vorgängergesellschaft Preussag habe er es immer wieder geschafft, Unternehmen oder Teile davon zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt zu kaufen oder zu verkaufen. So habe er zum Ärger seiner Aktionäre sehr viel Kapital vernichtet. Frenzels Spitzname resultiert aus meiner Rede zur TUI-Hauptversammlung am 18. Juni 2003. Damals sagte ich:

„Würde man diesen Vorgang in Form eines Märchens beschreiben wollen, käme man an Hans – bzw. Michael – im Glück nicht vorbei. Hans im Glück hatte am Ende der Geschichte, nachdem er mit einem Klumpen Gold angefangen hatte, immerhin noch einen Stein. Sein Nachfolger Michael hat hingegen nur noch ein großes rotes Schuldenloch. In dies rote Schuldenloch hat er die Milliarden versenkt, die Sie, liebe Aktionäre, ihm anvertraut hatten.“

Seit meiner HV-Rede wurde mein Ex-Kollege Frenzel diesen Spitznamen intern wie extern nie mehr los.Die ARD brachte damals bereits um 15:45 Uhr, also während der HV, die Sondermeldung: „TUI-Chef wird angegriffen“. „Der TUI-Vorstand ist auf der Hauptversammlung am Mittwoch scharf kritisiert worden. Hans-Joachim Selenz, ein ehemaliges Vorstandsmitglied der TUI-Vorgängerin Preussag AG wirft dem Management des Reisekonzerns Vermögensvernichtung vor. Selenz bezeichnete es als „den größten Betrugsfall der deutschen Wirtschaftsgeschichte“. Der TUI-Vorstand rund um den amtierenden Vorsitzenden Michael Frenzel habe das Preussag-Vermögen von etwa sechs Milliarden Euro in einen Schuldenberg von acht Milliarden Euro verwandelt“.

Frenzel hat als Chef der Preussag/TUI AG nicht nur ein riesiges ehemaliges Staatsvermögen verbrannt, sondern zusätzlich enorme Schulden angehäuft. Frühere Muttergesellschaft der Preussag/ TUI AG war übrigens die NRW-Landesbank WestLB. Viele Vorgänge innerhalb der WestLB/ Preussag/TUI-Gruppe waren ausdrücklich ungesetzlich. Sie wurden begleitet von bestochenen Wirtschaftsprüfern. Politiker – z. Tl. in unsäglichster Weise abhängig gemacht – hielten ihre Hand darüber. An ihrer Spitze NRW-MP Rau. Die zuständigen Staatsanwälte wurden in den juristischen Tiefschlaf versetzt. Die WestLB hat darüber hinaus Verluste in Höhe von fast 100 Mrd. Euro angehäuft. Auch dies geschah unter dem Schutzschirm voll informierter, jedoch politisch abgeschalteter Staatsanwälte

Die Verluste warten nun in einer Bad-Bank darauf, dass der Steuerzahler für sie einsteht. Nicht eingerechnet in diese Schadenssumme ist der 5-Mrd.-Euro-Konkurs der Babcock Borsig AG. Bei diesem Konkurs in Oberhausen verloren Zehntausende ihren Job, da viele Zulieferfirmen ebenfalls den Gang zum Konkursrichter antreten mussten. Dieser Konkurs war Folge einer ausdrücklich kriminellen Kooperation zwischen den Hauptgesellschaftern des Unternehmens – der WestLB und der Preussag/TUI AG. Auch in diesem Fall liegt eine detaillierte Dokumentation zu Umfang und Ablauf der Betrugsvorgänge vor. Die für die Täter letztlich ausgesprochenen Strafen wurden zu allem Überfluss sogar noch von der Preussag/TUI AG übernommen. Die handelnden Organe verübten ihre ungesetzlichen Handlungen ja schließlich im Interesse der Gesellschaft….

Solange unsere Staatsanwälte – als Folge der Weisungsgebundenheit im Einzelfall – an der Leine der Politik hängen, wird sich an dieser Situation nichts ändern. Selbst schwerste Betrugsfälle enden so in Deutschland noch immer unter dem schmutzigen Polit-Justiz-Teppich. Nicht nur der Deutsche Richterbund fordert daher vehement die sofortige Aufhebung der Weisungsgebundenheit, der Sollbruchstelle unseres Rechtssystems. Mit politisch abhängigen Staatsanwälten ist auf die Dauer kein Rechts-Staat zu machen. Denn was macht beispielsweise Michael Frenzel, ein Hauptbeteiligter am Niedergang der Preussag/TUI AG und am Konkurs der Babcock Borsig AG in Zukunft? Johannes Ritter schaut auch dazu nach bei den Gebrüdern Grimm: Am Ende des Märchens von „Hans im Glück“ stehe die Antwort: „Mit leichtem Herzen und frei von aller Last sprang er nun fort….“



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