Dr. Alexander Krüger / 18. September 2015 / Keine Kommentare


Der Eiertanz der Fed geht weiter

Die Fed hat ihren Krisenleitzins gestern beibehalten. Signale einer demnächst bevorstehenden Leitzinsanhebung gab es nicht. Einen Zinsschritt erwarten wir nun erst für 2016, dem nur noch ein weiterer folgen dürfte. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

FED-Chefin Yellen betont, die Leitzinswende sei datemabhängig. (Foto: Federal Research)

FED-Chefin Yellen: Nahe dran, letzlich aber doch still gehalten. (Foto: Federal Research)

Nah dran, letztlich aber still gehalten: Die Fed hat das Zielband für den Tagesgeldsatz auch gestern bei 0,25-0,50% belassen. Sie sieht dies als „angemessen“ an, um ihre Ziele eines hohen Beschäftigungsstandes und Preisstabilität zu erreichen.

Was stand einer Leitzinserhöhung

Ihre Pressemitteilung ist im Vergleich zu Juli überwiegend zwar unverändert geblieben. Zwei wichtige Aspekte sind aber hinzugekommen: Die Notenbank fürchtet, dass die jüngste Entwicklung der Weltwirtschaft und der Finanzmärkte die US-Wirtschaftsaktivität etwas belasten und auf kurze Sicht weiteren Abwärtsdruck auf die Inflationsrate ausüben wird. Zudem weist die Fed darauf hin, dass die Risiken für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt aus ihrer Sicht zwar ausgeglichen seien, dass sie diesbezüglich nun aber auch die Entwicklung im Ausland beobachte. Diese Sorgen sind neu – sie dürften einer Leitzinserhöhung letztlich im Weg gestanden haben.

Ihre BIP-Projektion für 2015 hat die Fed von 1,8-2,0% auf 2,0-2,3% erhöht und für 2016 von 2,4-2,7% auf 2,2-2,6% gesenkt. Für die PCE-Kernrate liegt die Projektion nun bei 0,3-0,5% für 2015 und 1,5-1,8% für 2016 (zuvor: 0,6-0,8% bzw. 1,6-1,9%). Die mittelfristige Rückkehr zum 2%-Preisziel wird also als weniger sicher angesehen.
Die Fed hat keine Hinweise gegeben, dass sie in Sachen Leitzinserhöhung am Ball bleibt. Das Gegenteil ist eher der Fall: Ihre Sorgen um Weltwirtschaft und Finanzmärkte sowie die gesenkte Inflationsprojektion deuten darauf hin, dass sie sich von einer Leitzinsanhebung entfernt hat. Der Umstand, dass eine große FOMC-Mehrheit einen Zinsschritt für 2015 weiter für notwendig hält, ändert daran nichts. Diese Konstellation besteht schon länger, ohne dass sich etwas getan hat. Zudem haben die Notenbanker ihren Leitzinserhöhungsbedarf für 2016/17 weiter gesenkt. Neu ist hier, dass ein Mitglied nun für 2016 einen negativen (!) Leitzins für nötig hält.

Gefangene in der eigenen Politik

Wir haben bisher drei Leitzinserhöhungen bis Mitte 2016 erwartet, deutlich weniger als der Konsensus und die Fed. Diese Prognose senken wir. Wir fragen uns: Wenn die Aussicht auf ein robust bleibendes US-Wachstum und eine steigende Inflationsrate nicht ausreichen, um den Krisenleitzins zu begraben, was wird demnächst besser sein? Antwort: Nichts. Da wir aber davon ausgehen, dass die Fed zinspolitischen Spielraum grundsätzlich gewinnen möchte, erwarten wir jetzt noch zwei Zinsschritte – für das erste Halbjahr 2016. Danach dürfte die Notenbank eine abwartende Haltung einnehmen. Wir wären nicht überrascht, wenn die Fed auf Leitzinsanhebungen ganz verzichten würde. Denn klar ist: Sie ist Gefangene ihrer eigenen Politik.

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