Dr. Alexander Krüger / 9. September 2015 / 1 Kommentar


US-Arbeitsmarkt wider den Krisenleitzins

Mit +173 Tsd. ist das US-Stellenwachstum im August zwar niedriger als in den Vormonaten ausgefallen, die Grunddynamik ist aber weiter solide. Der Arbeitsmarkt spricht daher für eine Leitzinserhöhung im September, der Inflationsausblick nicht dagegen. Verschiebt die Fed die Leitzinswende erneut, kreierte sie wohl Unsicherheit über die Stärke der US-Wirtschaft. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Erhöht dei FED im september den US-Leitzins? (Foto: photodune.com)

Erhöht die FED im september den US-Leitzins? (Foto: photodune.com)

Den Angaben des Bureau of Labor Statistics zufolge sind in den USA im August außerhalb der Landwirtschaft 173 Tsd. neue Stellen geschaffen worden. Der Zuwachs im Juli wurde um 30 auf 245 Tsd. nach oben revidiert. Die Arbeitslosenquote sank von 5,3% auf 5,1%, und die Stundenlöhne stiegen gegenüber Juli um 0,3%. Dem Stellenaufbau liegt weiter eine solide Grunddynamik zugrunde. Mit Blick auf die fortgeschrittene Arbeitsmarkterholung ist dies eine gute Nachricht. Die Konjunkturdaten stellen zudem einen weiteren Stellenaufbau in Aussicht. Die Arbeitslosenquote liegt auf einem Niveau, das die Fed als Vollbeschäftigung ansieht. Des Weiteren übersteigt der Anstieg der Stundenlöhne den diesjährigen Durchschnitt moderat.

FED hält Leitzins für angemessen

Laut ihrer Presseerklärung von Juli hält die Fed eine Leitzinserhöhung für angemessen, wenn sich die Arbeitsmarktlage weiter bessert und sie recht zuversichtlich sein kann, dass sich die Inflationsrate in Richtung 2% bewegt. Nach den heutigen Daten lässt sich für den Arbeitsmarkt folgern: Haken dran. Grübeln dürfte die Fed allerdings noch über die Inflationsentwicklung. Der Trend weist hier zwar nach oben, das 2%-Preisziel wird bis zum Frühjahr aber wohl „nur“ bei der Gesamtrate, nicht bei der PCE-Kernrate (1,8%) erreicht. Ein hartes Argument gegen eine Leitzinsanhebung stellt dies nicht dar. Der Taylor-Regel zufolge ist Handlungsbedarf längst geboten.

Leitzinsen im September erhöhen?

Zugegeben: Die schwachen Konjunkturdaten für China haben die Wahrscheinlichkeit für eine Leitzinserhöhung zuletzt ebenso auf 60% gesenkt wie die defensiven Äußerungen einiger FOMC-Mitglieder. Allerdings kann das Argument, dass Risiken für die US-Wirtschaft bestehen, bei einem Über-Trend-Wachstum und dem mit 13% niedrigen Exportanteil am US-BIP nicht überzeugen. Rücksicht auf Aktienmärkte und Schwellenländer kann die Fed zudem nicht nehmen, da das Reallokationsrisiko bei einer Leitzinswende immer besteht. Und überhaupt: Was wird zu einem späteren Zeitpunkt besser sein? Und bleibt das, was heute für eine Leitzinsanhebung spricht, erhalten?

Erhöht die Fed die Leitzinsen am 17. September nicht, dürfte sie neue Unsicherheit kreieren und zwar über die Stärke der US-Wirtschaft. Da sie unseres Erachtens zudem nicht den Eindruck erwecken will, eine Leitzinserhöhung aufgrund der hohen Verschuldung in den USA (und der Welt) gar nicht zu beabsichtigen, kann die Devise in zwei Wochen nur lauten: Erhöhen! Dies wirft weder die Konjunktur noch den Finanzsektor um, mindert aber die Gefahr wachsender Preisblasen.

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Ein Kommentar zu "US-Arbeitsmarkt wider den Krisenleitzins"

  1. Bobo 9. September 2015 at 07:31

    Bei der Arbeitsmarktlage kommt es auch darauf an, ob für die FED die geschönten offiziellen Daten oder die tatsächlichen maßgeblich sind. Wenn ca. 15 % der Amerikaner Lebensmittelmarken beziehen, ist die wirtschaftliche Stärke zumindest zweifelhaft. Die Finanzmärkte gehen von den offiziellen Daten aus. Der US – Arbeitsmarkt spricht also für eine Zinserhöhung oder eben genau dagegen.
    Möglicherweise hat die FED auch selbst ermittelte Daten zum Arbeitsmark. Es ist also noch alles offen.

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