Dr. Alexander Krüger / 1. September 2015 / Keine Kommentare


Inflationsrate hält EZB unter Handlungsdruck

Totz des starken Rohölpreisrückgangs hat die EWU-Inflationsrate im August bei 0,2% verharrt. Dennoch fällt die Dis-Inflationsphase intensiver aus und rückt für 2016 einen Kaufnachschlag der EZB in den Blick. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Die Inflationsrate wir dzum zum Spielball des Rohölpreises. (Foto: Photodune.com)

Die Inflationsrate wird zum zum Spielball des Rohölpreises. (Foto: Photodune.com)

Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex hat im August gegenüber dem Vormonat stagniert. Die saisonalen Faktoren haben zwar für einen Anstieg der Rate gesprochen. Der gegenüber Juli um 18% kräftig gesunkene Rohölpreis hat diesen aber verhindert. Infolge dessen liegt die Jahresrate weiter unverändert bei 0,2%. Im Rahmen saisonaler Einflüsse nahm die Kernteuerung um 0,4% zu, wodurch die Kerninflationsrate bei 1% verharrte.

Angbebotsüberhang am Rohölmarkt

Die Entwicklung an der Inflationsfront bestätigt einmal mehr, dass die Inflationsrate zum Spielball des Rohölpreises geworden ist. Hinsichtlich seines künftigen Verlaufs haben wir unsere Erwartung jüngst geändert: Der anhaltende Angebotsüberhang am Rohölmarkt, der mit der Rückkehr des Iran an den Weltmarkt eher zunehmen wird, steht einem Anstieg des Rohölpreises auf 60 US-$/b im Weg. Der jahresdurchschnittliche Rohölpreis 2015 wird daher 54 US-$/b voraussichtlich nicht übersteigen. Auch 2016 dürfte dieser unter 60 US-$/b liegen.

Für unsere Inflationsprognose bedeutet unsere adjustierte Ölpreissicht: Die Inflationsentwicklung bleibt im weiteren Jahresverlauf noch gemächlicher als erwartet. Erst durch den Basiseffekt zum Jahresende dürfte die Inflationsrate auf knapp über 1% steigen. Unsere Inflationsprognose für 2015 hatten wir daher bereits von 0,3% auf 0,2% für 2016 von 1,4% auf 1,3% gesenkt. Unsere Erwartung, dass die Dis-Inflationsphase noch eine Weile anhalten wird, hat somit weiter Bestand. Ausschlaggebend hierfür ist vor allem, dass die konjunkturelle Landschaft im Euroraum weiter von unterausgelasteten Kapazitäten geprägt ist und sich nennenswerte Lohnsteigerungen (mit Ausnahme von Deutschland) nicht in der Pipeline befinden.

EZB-Ratssitzung am kommenden Donnerstag

Auf ihrer Ratssitzung am nächsten Donnerstag wird die EZB ihre Inflationsprojektion für 2015/16 wohl leicht senken. Von der Notwendigkeit ihres Wertpapierkaufprogramms dürfte sie daher mehr denn je überzeugt sein und dieses wie angekündigt umsetzen. Dabei wird es aber wohl nicht bleiben. Die von der EZB beabsichtigte „Korrektur der Inflationsentwicklung“ dürfte sich bis zum Frühjahr 2016 zwar einstellen, Gesamt- und Kernrate der Verbraucherpreise werden 2016 aber klar unter dem EZB-Preisziel liegen; dies dämpft die derzeit ebenfalls niedrigen Inflationserwartungen. Hinzu kommt, dass die Wachstumserwartung der EZB von 1,9% für 2016 u. E. viel zu optimistisch ist. Stellt die Notenbank 2016 aber fest, dass sich ihre Erwartungen nicht erfüllen, dürfte sie ihre Wertpapierkäufe spätestens im September ausweiten. Auch eine Senkung des Einlagesatzes rückt dann in den Blick.

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