Dr. Alexander Krüger / 30. Juli 2015 / Keine Kommentare


Leitzinsanhebung – Die Fed ziert sich noch

Von der Fed-Sitzung gestern geht weder ein Signal für eine Leitzinsanhebung im September aus noch ist dieser eine Absage erteilt worden. Da das fundamentale Umfeld einen Krisenleitzins unseres Erachtens nicht mehr erfordert, erwarten wir für September unverändert einen Zinsschritt um 25 Bp. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Chefin Yellen betont, die Leitzinswende sei datemabhängig. (Foto: Federal Research)

Chefin Yellen betont, die Leitzinswende sei datemabhängig. (Foto: Federal Research)

Der Offenmarktausschuss (FOMC) der amerikanischen Federal Reserve hat seinen geldpolitischen Kurs gestern erwartungsgemäß unverändert belassen. Damit setzt die Notenbank ihre Nullzinspolitik fort und plant weiter die Wiederanlage der in ihrem Wertpapierportfolio fälligen Titel. Ihre Pressemitteilung (eine Pressekonferenz war turnusgemäß nicht vorgesehen) ist nahezu identisch mit der nach der Juni-Sitzung. Der wichtigste Unterschied ist, dass die Unterauslastung am Arbeitsmarkt aus Fed-Sicht nun nicht nur „etwas abgenommen“ sondern „abgenommen“ hat.

Wende hängt von der Arbeitsmarktlage ab

Die Notenbank beabsichtigt, den zentralen Leitzins anzuheben, wenn sich die Arbeitsmarklage bessert und sie überzeugt ist, dass sich die Inflationsrate zum angestrebten Ziel von 2,0% bewegt. Alles in allem hat die Fed kein klares Signal gegeben, den Leitzins auf ihrer nächsten Sitzung am 16./17. September zu erhöhen. Als Absage an eine Leitzinsanhebung interpretieren wir dies nicht. Vielmehr lassen die Verlautbarungen der Fed diese weiter zu. Da Fed-Chefin Yellen und andere Mitglieder des Offenmarktausschusses auch zuletzt stets betont hatten, dass die Leitzinswende datenabhängig ist, überrascht die Vorgehensweise der Notenbank auch nicht. Die Fed bevorzugt schlicht einen Handlungsspielraum gegenüber einer Vorfestlegung. Nach 6½ Jahren Nullzinspolitik ist dies nachvollziehbar.

Unseren Prognosen zufolge wird auch weiterhin ein fundamentales Umfeld vorliegen (ann. BIP-Wachstum über 2,0%, Arbeitslosenquote auf Vollbeschäftigungsniveau, Aussicht auf eine Ende 2015 gestiegene Inflationsrate), das einen Krisenleitzins nicht rechtfertigt. Wir erwarten daher unverändert, dass es im September zu einer Leitzinsanhebung um 25 Basispunkte kommen wird. Aufgrund der hohen Zinssensitivität des BIP-Wachstums und der Sorge vor einem Abwürgen der Konjunktur steht ein klassischer Leitzinserhöhungszyklus aus unserer Sicht weiter nicht bevor. Vielmehr dürfte innerhalb der Fed ein zähes Ringen um weitere Zinsschritte erfolgen.

Wie wichtig ist die Leitzinswende?

Fed-Chefin Yellen hat oft erklärt, dass der Leitzinserhöhungs-Zeitpunkt nicht wichtig sei. Diese Aussage kippt aus unserer Sicht zurzeit. Denn bei einer im September erneut vertagten Zinsanhebung dürften die Zweifel der Marktteilnehmer zunehmen, ob es die Fed mit der geldpolitischen Normalisierung wirklich ernst meint. Immerhin werden wohl nicht nur im September (z. B. Lohn- und Investitionswachstum, Dollar, Aktienkurse) sondern auch später Haare in der Datensuppe zu finden sein. Es reicht daher aus, einen guten Zeitpunkt zu wählen statt auf einen perfekten zu warten.

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