Dr. Alexander Krüger / 16. Juli 2015 / Keine Kommentare


EZB um Optimismus für Griechenland bemüht

Die generelle geldpolitische Ausrichtung der EZB bleibt nach der heutigen Ratssitzung wie sie war­. Daran haben die jüngsten Ereignisse in und um Griechenland nichts geändert. Nach der Einigung über das Hilfsprogramm stellt die EZB griechischen Banken aber wieder Notkredite bereit. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Die aktuelle Ratssitzung brachte nur wenig Neues (Foto: ECB European Central Bank)

EZB-Präsident Draghi gab auf der aktuellen Ratssitzung grünes Licht für höhere Notkredite an griechische Banken. (Foto: ECB European Central Bank)

Auf ihrer Ratssitzung hat die EZB ihren geldpolitischen Kurs heute erneut bestätigt. Die Notenbank hielt an ihrer Nullzinspolitik fest und bekannte sich zu ihren (zu Jahresbeginn) eingeleiteten geldpolitischen Sondermaßnahmen. Dabei zeigte sie sich mit dem Verlauf ihres Wertpapierkaufprogramms zufrieden. Dieses soll unverändert bis September 2016 fortgesetzt werden und in jedem Fall so lange anhalten, bis eine nachhaltige Korrektur der Inflationsentwicklung zu erkennen ist.

Notenbank in der Feuerwehrrolle

Hinsichtlich Griechenland betonte EZB-Präsident Draghi, dass die Bedingungen für höhere Notkredite an griechische Banken wiederhergestellt sind. Entsprechend hat die EZB die Hilfen für eine Woche um 900 Mio. € angehoben. Dabei sieht sie sich im Rahmen ihres Mandats agierend, ein Bank-Run müsse verhindert werden. Draghi zeigte sich überzeugt, dass Griechenland die am Montag fällige Anleiherückzahlung von 3,5 Mrd. € leisten werde. Die Währungsunion bezeichnete er aber als zerbrechlich und verwundbar und forderte entschiedene Schritte zur europäischen Integration. Diese Äußerung zeigt, dass sich die Notenbank in der Feuerwehrrolle, die zur Lösung der Staatsschuldenkrise nicht taugt, weiter nicht gefällt. Die Einbeziehung griechischer Staatsanleihen in das zurzeit laufende Wertpapierkaufprogramm werde erst vorgenommen, wenn Reformen glaubwürdig umgesetzt würden.

Nullzinspoltik hält noch lange an

Durch die EZB-Verlautbarungen hat sich unser Blick auf den weiteren geldpolitischen Verlauf nicht geändert. Wir erwarten, dass die EZB noch lange an ihrer Nullzinspolitik festhalten und ihr Wertpapierkaufprogramm wie angekündigt umsetzen wird. Während der Wertpapierkäufe machen Leitzinserhöhungen keinen Sinn, und nach September 2016 dürfte das fundamentale Umfeld nicht danach „verlangen“. Die aus unserer Sicht auch 2016 klar unter dem EZB-Preisziel von knapp unter 2% verharrende Inflationsrate entzieht Spekulationen um eine vorzeitige Beendigung der Wertpapierkäufe den Boden.

Hält die EZB weiter daran fest, eine steigende, das Preisziel aber nicht erreichende Inflationsrate als nachhaltige Korrektur der Inflationsentwicklung zu bewerten, wird es wohl auch nicht zu einer Erhöhung oder Verlängerung der Wertpapierkäufe kommen. Dieses Vorgehen wäre nur dann notwendig, sollte sich die EWU-Staatsschuldenkrise wieder zuspitzen. Bei etwaigen Engpässen beim Staatsanleiheangebot dürfte die EZB ihre Emittentenliste erneut anpassen; QE würde dann wohl (noch) stärker auf Unternehmensanleihen ausgerichtet.

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