Dr. Alexander Krüger / 4. Juni 2015 / Keine Kommentare


EZB bereits im Sommerloch

In Zeiten einer etablierten Nullzinspolitik und eines erst kürzlich begonnenen Wertpapierkaufprogramms hat es eine Notenbank schwer, sich von Ratssitzung zu Ratssitzung neu zu erfinden. Es überrascht daher nicht, dass die aktuellen Aussagen der EZB in Gänze unspektakulär ausgefallen sind. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

EZB

das EWU-BIP im dritten Quartal 2014 um 0,2% gegenüber Vorquartal gewachsen. (Foto: Clipealer.de)

Die EZB hat sich mit dem Verlauf ihres Wertpapierkaufprogramms aktuell zufrieden gezeigt und ihren geldpolitischen Kurs bestätigt. Wir haben derzeit keine Zweifel, dass sie diesen wie angekündigt fortsetzen wird. Ernsthafte Diskussionen über eine eventuell notwendig werdende Anpassung des Kaufvolumens dürften frühestens 2016 geführt werden.

Kaufprogramm wird durchgezogen

Die Notenbank wiederholte ihre Absicht, ihr bis September 2016 laufendes Kaufprogramm durchzuziehen und solange Wertpapiere zu kaufen, bis sich die Inflationsrate ihrem Preisziel von knapp unter 2,0% genähert hat. Sie ist weiter der Ansicht, dass die Finanzierungsbedingungen und die Inflationserwartungen von ihren Maßnahmen bereits positiv beeinflusst worden sind. Von einer Diskussion über den Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik sieht sich die EZB allerdings weit entfernt.

Wenig Bewegung gab es erwartungsgemäß auch bei den vierteljährlichen Projektionen. Für das BIP-Wachstum erwartet die Notenbank weiter eine recht dynamische Entwicklung, ihre Projektionen von 1,5% für 2015 und 1,9% für 2016 hat sie beibehalten sowie die für 2017 von 2,1% auf 2,0% gesenkt. Auch wenn sich das globale Wachstum aus Sicht der EZB abgeschwächt hat, seien die Abwärtsrisiken für den Aufschwung nicht gestiegen. Ihre Inflationsprojektion für 2015 hat die EZB von 0,0% auf 0,3% angehoben und für 2016/17 bei 1,5% bzw. 1,8% belassen.

Thema Griechenland spielt große Rolle

Auf der Pressekonferenz spielt das Thema Griechenland eine größere Rolle. EZB-Präsident Draghi war letztlich aber nichts wirklich etwas Neues zu entlocken. Immerhin erklärte er, dass es einen generellen Willen der Mitgliedstaaten zur Einigung mit Griechenland gebe. Diese Aussage stützt unsere Erwartung, dass Griechenland von seinen Partnern vorerst nicht fallen gelassen wird.

Fazit: Alles wie gehabt. Wir erwarten, dass die Nullzinspolitik anhalten und das Wertpapierkaufprogramm von der EZB vorerst wie angekündigt durchgezogen wird. Maßgeblich hierfür wird unseres Erachtens sein, dass die Inflationsrate in den nächsten Monaten nur träge auf niedrigem Niveau steigen wird. Für Mitte 2016 zeichnet sich allerdings ein Anstieg auf 1,5% ab. Auch wenn das Preisziel dann noch verfehlt würde, spricht die Fokussierung der EZB auf den Inflationstrend dafür, dass die Diskussion über eine Ausweitung des Wertpapierkaufprogramms abnehmen wird.

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