Redaktion Spreezeitung / 17. Mai 2015 / Keine Kommentare


Bestes Gewissen, Lügen-Throne, eine Google-Uni und die Unbelangbaren

Konzertiert nach bestem Wissen und Gewissen, Lügen-Throne, die kräftig wackeln, Journalisten, die politisch mitmischen, aber nicht abgewählt werden können, eine gesponserte Google-Uni und die innere Kündigung - unsere Presseschau der Woche.

Spreezeitung mit der aktuellen Presseschau

Spreezeitung mit der aktuellen Presseschau – (Foto: Clipdealer.de)

Nach bestem Wissen und Gewissen habe man in der NSA-Affäre und hinsichtlich des Fakes „No-Spy-Abkommen“ gehandelt, lässt die Bundesregierung in diesen Tagen verlauten. Wer noch nicht ganz überzeugt ist, kann sich mittels folgendem Video einer kleinen Gehirnwäsche unterziehen. Doch sagen jene, die sich konzertiert und ständig wiederholen, automatisch die Wahrheit?

„Uberhaupt alles, was ich hier sage, sage ich nach bestem Wissen und Gewissen.“

Zitat Regierungssprecher Steffen Seibert vom 11.09.2013

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Wie viele andere Medienvertreter und Journalisten ist sich auch Herbert Prantl von der Süddeutschen sicher, dass Merkel nicht die Wahrheit sagt. Dies kommuniziert er in einem Video-Statement relativ drastisch, klar und unmissverständlich. Lügen-Throne seien wacklig, Merkel sei nicht grundehrlich und wirke beinahe frech, sagt Prantl.

Zum Video-Statement der Süddeutschen

Foto: Screenshot

Foto: Screenshot

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Wer sich noch einmal an das erinnern möchte, was die einzelnen Protagonisten im Kanzleramt gesagt haben, der kann sich in folgendem SPIEGEL-Beitrag von Autor Peter Maxwill ein authentisches Bild verschaffen. Alle Beteuerungen und Aussagen aus dem Jahre 2013, die – selbstverständlich rein zufälligerweise – auch noch in den damaligen Bundestagswahlkampf fielen.

O-Ton Kanzlerin Angela Merkel am 11.09.2013:

„Die Amerikaner sind auch bereit, mit uns ein sogenanntes No-Spy-Abkommen zu verhandeln, wo wir auch weitere Dinge für die Zukunft festlegen können.“
(Quelle: Kanzlercheck ARD-Radio)

Zum SPIEGEL-Beitrag:
Was Merkel, Pofalla und Co. Zum No-Spy-Abkommen sagten

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Der nächste Beitrag befasst sich mit Ihrer Bildung. Wie wäre es also mit einem Studium an der Google-Universität? Gibt es nicht, sagen Sie? Doch, gibt es!

Sebastian Thrun, einst Leiter der Abteilung Forschung bei Google, offeriert spezielle Online-Kurse. So weit, so wenig spektakulär. Das Angebot soll allerdings Bildung revolutionieren. Damit das klappt, hat er Gelder finanzstarker Investoren gesammelt und begibt sich nun daran, die Universität (UDACITY) „neu zu erfinden“.

„Der Bildungskatalog von Udacity umfasst heute hauptsächlich sehr spezielle Angebote wie „Entwicklung von Android Apps“ (in Zusammenarbeit mit Google) oder „Front End Web Developer“ (mitentwickelt von dem Telekomkonzern AT&T). Gezielte Weiterbildung nach den Bedürfnissen der Industrie also, die im Gegenzug sogar feste Stellen für die Inhaber der Udacity-Nanodegrees frei hält. Unter solchen Bedingungen zahlen die Studierenden gern den Monatsbeitrag von 200 Dollar“,

heißt es in eine disbezüglichen ZEIT-Beitrag von Christoph Drösser. Ob Datensicherheit auch eine Rolle spielt? Wir wissen es nicht. Nur dass die Bertelsmann Stiftung hier einmal mehr ihre Finger im Spiel hat und offensichtlich die Drähte in Sachen geselschaftliche Umerziehung unter der Tarnkappe eines großzügigen Investments zieht, gibt zu denken.

Zum ZEIT-Beitrag:Die Google-Universität

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Bei folgendem Satz zucken Bunderegierung, Arbeitsministerium und die Öffentlich-Rechtlichen gleichermaßen zusammen. Denn Netflix-Gründer Reed Hastings will sowohl das Fernsehen als auch die Arbeitswelt revolutionieren. Bezüglich ARD, ZDF & Co. und in Hinblick auf die Frage, ob wir uns bald komplett vom Fernsehen mit festen Sendezeiten verabschieden, antwortet Hastings:

„Das Auto hat ja auch das Pferd abgelöst oder nicht?“

Auch zur Arbeit selbst kommt ein ganz eigenes Statement: Jeder Mitarbeiter kann arbeiten wann und wo er will und Urlaub machen wann und wie lange er möchte.

„Das Ergebnis zählt, nicht die Arbeitszeit.“

Zum FAZ-Interview von Bettina Weyguny mit dem Netflix-Gründer Reed Hastings.

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Wer keinen so innovativen Arbeitsplatz hat und sicher ist, dass ihn die Firma nicht liebt, der sollte den folgenden Beitrag von Isa Hoffinger (FAZ.net) lesen. Dort erfährt er (oder sie) jede Menge über Leidensgenossen im ungeliebten Job.

„Nur 16 Prozent der deutschen Beschäftigten weisen laut der jüngsten Studie des Beratungsunternehmens Gallup eine hohe emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber auf und sind bereit, sich für dessen Ziele voll einzusetzen. Der Rest der Belegschaft leistet offenbar entweder Dienst nach Vorschrift oder hat schon innerlich gekündigt.“

Im Beitrag kommt auch Gernot Pflüger zu Wort. Er ist Geschäftsführer der CCP Studios Event GmbH in Offenburg. Ein Unternehmen, das Werbefilme produziert. Der hier seit nunmehr zwei Jahrzehnten gepflegte Führungsstil ist erwähenswert.

„In seiner Firma verdienen alle dasselbe, unabhängig davon, ob sie als Kameramann, Grafikdesigner, Cutter oder Projektleiterin arbeiten. Die rund 30 Angestellten kommen zur Arbeit, wann sie wollen, und suchen sich ihre Aufgaben nach ihren Neigungen aus. Jeder ist mal der Chef, je nachdem, wer bei einem Projekt die besten Fachkenntnisse hat, der hat das Sagen.

Zum FAZ.net-Beitrag: „Meine Firma liebt mich nicht„.

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Heribert Prantl setzt sich in der Süddeutschen mit einem aktuell erschienen Buch des Politologen Thomas Meyer (SPD-Mitglied) zum Thema Journalismus- und Journalistenkritik auseinander. Das Buch, das im Suhrkamp-Verlag erschienen ist, versucht Entwicklungen wie etwa `Wut auf die Lügenpresse` seriös zu analysieren. Dabei geht es u.a. auch um sogenannte „Alpha-Journalisten“ als die „Unbelangbaren“. Damit gemeint sind Medienvertreter, die sich als „Ko-Politiker“ sehen und kräftig im politischen Geschäft mitmischen wollen.

Die überkommene Beamtenverachtung wird neuerdings in Deutschland durch eine Journalistenverachtung ersetzt, die zuletzt bei den Pegida-Demonstrationen in dem Schlachtruf „Lügenpresse, halt die Fresse“ kulminierte.

schreibt  Prantl. Meyer wolle die bisher „Unbelangbaren“, also die Journalisten, künftig belangen. Zwar werde vom Autor nicht verdeutlich, wie das geschehen soll. Doch Journalisten sollen nicht nur dann zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie Gesetze verletzen, sondern

„[… auch dann, wenn sie Kampagnen betreiben mit einer „manisch-selbstgefälligen Lust an der Inszenierung“ und wenn sie in ihren Texten die „destruktive Selbstüberschätzung“ pflegen.“

Zum Beitrag von Herbibert Prantl (Süddeutsche): Journalismus als Schlachtfest.

Bis zur nächsten Presseschau,
Ihre Redaktion SPREEZEITUNG

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