Dr. Alexander Krüger / 13. Mai 2015 / Keine Kommentare


Aufschwung erfasst das Gros der EWU-Länder

Die Wirtschaft im Euroraum befindet sich weiter auf Wachstumskurs: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nahm im ersten Quartal 2015 um 0,4% gegenüber dem Vorquartal zu. Es war der achte Anstieg in Folge und der höchste seit dem zweiten Quartal 2013. Die Ergebnisse für die BIP-Komponenten werden am 5. Juni veröffentlicht. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Wachstumsprognose wieder deutlich postiver (Foto: buchachon / Clipdealer.de)

Die Wachstumsprognose wird wieder deutlich positiver (Foto: buchachon / Clipdealer.de)

Die Konjunkturerholung hat nun auch die EWU-Peripherie stärker erfasst. In der Folge ist das BIP im ersten Quartal 2015 mit 0,4% gegenüber dem Vorquartal stärker als erwartet gestiegen. Unsere 2015er BIP-Prognose haben wir von 1,0% auf 1,2% angehoben. Aufgrund günstiger Sonderfaktoren besitzt der Aufschwung allerdings keine nachhaltige Basis.

Ernte für den Euroraum eingefahren

In den Vorquartalen war das BIP vor allem aufgrund des Aufschwung in Deutschland und Spanien gewachsen. Jetzt haben auch andere Mitgliedstaaten wieder bzw. stärker zum BIP-Wachstum beigetragen. Hervorzuheben ist dabei Italien, dass erstmals seit 14 Quartalen einen „echten“ Zuwachs ausgewiesen hat (+0,3%). Hoch ist das BIP-Wachstum überdies in Frankreich (+0,6%) und den Niederlanden (+0,4%) ausgefallen. Zusammen mit Deutschland (+0,3%) und Spanien (+0,9%) war damit die Ernte für den Euroraum eingefahren. Gestiegen ist die Wirtschaftsleistung zudem in Belgien (+0,3%), Portugal (+0,4%), Österreich (+0,1%) und Zypern (+1,6%), in Finnland (-0,1%) und Griechenland (-0,2%) ist sie hingegen erneut gesunken.

In den zurückliegenden Wochen hatten wir des Öfteren auf die für unsere BIP-Prog¬nose bestehenden Aufwärtsrisiken hingewiesen. Mit dem zu Jahresbeginn nun höher als erwartet ausgefallenen BIP-Wachstum sind diese nun eingetreten. Sie resultieren in erster Linie von der gestiegenen Kaufkraft durch den Rohölpreisrückgang. Unsere BIP-Prognose für 2015 haben wir daher von 1,0% auf 1,2% angehoben.

Für eien nachhaltige Erholung reicht dies nicht aus

Unsere BIP-Prognosen für 2015/16 sind weiter niedriger als die der EZB (1,5% bzw. 1,9%). Der Grund ist, dass wir nicht mit einem kreditgetriebenen Aufschwung rechnen. Die Konjunkturerholung fußt in vielen Ländern zudem nicht auf einer höheren preislichen Wettbewerbsfähigkeit, die eine solide Wachstumsbasis schaffen würde. Vielmehr ist sie das Resultat des zufälligen Rohölpreisrückgangs, des krisenbedingt bestehenden Nachholbedarfs beim Konsum und der EZB-Nullzinspolitik. Für eine nachhaltige Erholung reicht dies u. E. nicht aus.
Zudem ist die Verschuldung von privaten Haushalten, Unternehmen und vom Staat unverändert hoch und belastet die Wirtschaftstätigkeit. Die Euro-Abschwächung sorgt zwar für Entlastung, kompensiert letztlich aber nicht die dämpfenden Effekte der verhaltenen Weltwirtschaft. Trotz der wachsenden Wirtschaft wird das BIP-Niveau somit niedrig bleiben, und die Arbeitslosigkeit nur zögerlich sinken. Dies spricht dafür, dass die EZB ihr Wertpapierkaufprogramm durchziehen, eventuell auch ausweiten wird.

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