Redaktion Spreezeitung / 3. Mai 2015 / Keine Kommentare


Mediale Angstmacher, Arbeitswelt, das radikal Böse und Bürger in Not

Angst statt Fortschritt - medial geschürt, die Bestie, die im Menschen steckt, Maschinen statt Mensch, Bedingungsloses Grundeinkommen und ein Wohnungsmarkt, der Bürger in höchste Not versetzt - unsere Presseschau der Woche.

Spreezeitung mit der aktuellen Presseschau (Foto: Clipdealer.de)

Spreezeitung mit der aktuellen Presseschau (Foto: Clipdealer.de)

Es vergeht kaum ein Tag, an dem das Nachrichtenmagazin WELT in Hinblick auf das Reizwort „sozial“ keinen negativ pointierten Beitrag präsentiert. Aktuell wird den Lesern mit einem Artikel über Maschinen, die „18 Millionen Arbeitnehmer verdrängen“ könnten, ordentlich Angst eingejagt. Anstatt die positiven Merkmale maschineller Fertigungen im Sinne von Arbeitserleichterungen zu honorieren, schreibt Wirtschaftsredakteur Tobias Kaiser:

„Die Auswirkungen des technologischen Wandels sind in Deutschland dramatisch. Mehr als die Hälfte der Jobs könnte zukünftig von Maschinen erledigt werden – die Entwicklung ist eine soziale Bombe.“

Zum WELT-Beitrag: Maschinen könnten 18 Millionen Arbeitnehmer verdrängen

Natürlich wird alles rationeller. Das war auch in den vergangenen Jahrzehnten nicht anders. Allerdings bleibt der Fortschritt für Arbeitnehmer seit Jahrzehnten auf der Strecke. Trotz der immensen Einsparpotenziale an Arbeitskraft etwa im Fertigungsbereich, verharrt die Arbeitszeit seit über 100 Jahren auf dem gleichen Stand und wird sogar ausgeweitet. So kann Zukunft nicht gelingen und das ist es, was Angst einjagt. Die Politik kommt nicht umhin, sich endlich mit Zukunftsfragen wie etwa spürbaren Arbeitszeitverkürzungen sowie der Entkoppelung von Einkommen und Arbeit und der Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens zu befassen.

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Wie wichtig die Faktoren der Entkoppelung von Einkommen und Arbeit und die Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommen für unsere moderne Gesellschaft sind, lässt sich auch in einem Interview in der Frankfurter Rundschau nachlesen. Hier befasst sich der Ökonom Norbert Trenkle mit diesem Thema.

„Auf der anderen Seite bleiben aber die meisten Menschen darauf angewiesen, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, um davon zu leben. Dadurch wächst die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt, und das verstärkt den Druck, sich zu immer schlechteren Bedingungen anzubieten“,

Trenkle und ist sicher, dass ein Bedingungslosen Grundeinkommen zur Entlastung vom allgemeinen Arbeitszwang führt, vorausgesetzt, es reiche auch tatsächlich zum Leben. Hinsichtlich der Rationalisierungen spricht auch er von der Notwendigkeit beachtlicher Kürzungen der Arbeitszeiten und sagt:

„Es wäre völlig richtig, die enormen Rationalisierungseffekte in verfügbare Zeit für alle umzusetzen. Aber letztlich setzt das einen Bruch mit der kapitalistischen Logik voraus. Denn die drängt gerade umgekehrt dahin, die Arbeitszeiten zu verlängern und die Arbeit zu intensivieren.“

Zum Interview in der Frankfurter Rundschau: „Eine Frage der kapitalistischen Logik

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Inmitten durchaus nervtötender Dauerkrimis, Ratespielchen und seicht inszenierten Spielfilmen im Hedwig Courths-Mahler-Stil tauchte im ZDF aktuell eine außergewöhnliche Dokumentation auf. Der Sender präsentierte interessierten Zuschauern „das radikal Böse“.

"Das radikal Böse ist eine Dokumentation des Regisseurs und Oskar-Preisträgers Stefan Ruzowitzky. (Foto: Screenshot YouTube.com)

„Das radikal Böse ist eine Dokumentation des Regisseurs und Oskar-Preisträgers Stefan Ruzowitzky.
(Foto: Screenshot YouTube.com)

Dieser deutsch-österreichische Dokumentarfilm des Regisseurs und Oskar-Preisträgers Stefan Ruzowitzky befasst sich mit Erklärungsversuchen, wie und aus welchen Gründen im Zweiten Weltkrieg aus jungen Männern und Familienvätern grausame Massenmörder wurden. Dem Regisseur gelingt die Annäherung dieser Frage mit Hilfe von Sozial- und Militärpsychologen und jeweils einem Historiker, Psychiater und Priester auf beachtliche und beeindruckende Weise.

Zur Dokumentation:„Das radikal Böse“ (ZDF-Mediathek)

Autor Bernd Graff (Süddeutsche) teilt die Ansicht einer herausragenden Dokumentation.

„Der Ansatz versucht, die gruppendynamischen Prozesse zu analysieren, in denen die angeordneten Massaker schleichend zu Aufgaben wurden, die man eben zu bewältigen hatte. So formuliert es einer der Experten, Benjamin Ferencz, der Chefankläger des Nürnberger Einsatzgruppen-Prozesses: „Diese Massenmörder waren keine Bestien. Sie waren Menschen wie du und ich, die auch nur Dinge taten, die sie für nötig hielten.“

Zum Beitrag in der Süddeutschen:Bestien wie Du und ich

Doch es gibt auch kritische Töne zu dieser Dokumentation. So in einem Beitrag von Nils Heisterhagen aus dem Jahre 2014 im Cicero.

„Ist es ein Gesellschaftsproblem, dann muss die humanistische Erziehung und soziale Gerechtigkeit verbessert werden, ist das Böse natürlich, hilft nur noch der biologische Eingriff. Diese Diskussion ist eine Diskussion für Gegenwart und Zukunft. Doch Ruzowitzkys Dokumentarfilm verweilt in der Vergangenheit und bleibt so selbst banal.“

Zum Beitrag im Cicero: „Etikettenschwindel

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Jüngst kündigte Kanzlerin Angela Merkel an, sie wolle herausfinden, wie die Menschen in Deutschland künftig leben möchten. Eine berechtigte Frage nach vielen Jahren Austeritätspolitik mit erheblichen Folgen für die Bürger. Wie die Deutschen auf keinen Fall leben wollen, zeigt eine SPIEGEL.TV-Reportage, die dokumentiert, wie Mieter in Deutschland regelrecht vertrieben werden. Profit stehe im Vordergrund und nicht etwa ein ordentliches und ausreichendes Angebot an bezahlbaren Wohnraum für die Bevölkerung. Es geht um Spekulation und Entmietung, maximale Gewinne und Menschen in höchster Not.

Zur SPIEGEL-Reportage: „Wahnsinn Wohnungsmarkt

Bis zur nächsten Presseschau,
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