Dr. Alexander Krüger / 30. April 2015 / Keine Kommentare


Die EWU-Inflationsrate hat sich gefangen

Die EWU-Inflationsrate ist im April auf 0,0% gestiegen. Bei einem anhaltend schwach bleibenden Kerninflationsdruck dürfte sie in den nächsten Monaten nur zögerlich steigen. Die EZB wird diese Entwicklung als Beleg dafür auffassen, ihr Wertpapierkaufprogramm weiter durchzuziehen.

Wachstumsprognose wieder deutlich postiver (Foto: buchachon / Clipdealer.de)

Das Aufwärtspotenzial der Angebots- und Nachfragekonstellation dürfte am Weltmarkt nunmehr begrenzt sein. (Foto: buchachon / Clipdealer.de)

Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex im Euroraum ist im April erneut gestiegen. Angetrieben von etwas höheren Energiepreisen lag er um 0,2% höher als im Vormonat. Für die Jahresrate bedeutete dies, dass sie mit 0,0% auch im fünften Folgemonat nicht wieder in den positiven Bereich zurückgekehrt ist (März: -0,1%). Die Kerninflationsrate verharrte bei 0,6%, damit setzte sie ihre seit dem Sommer 2014 andauernde Seitwärtsbewegung auf niedrigem Niveau fort.

Rohölpreis udn Euro im Fokus

Für die weitere Entwicklung der Inflationsrate bleiben in erster Linie der Rohölpreis und der Euro zentral. Der Rohölpreis ist unserer Erwartung zufolge zuletzt zwar gestiegen, mit Blick auf die Angebots- und Nachfragekonstellation am Weltmarkt dürfte sein Aufwärtspotenzial nun aber begrenzt sein. Zu beachten ist, dass der Iran – nach der Einigung über sein Atomwaffenprogramm – im Zuge gelockerter Sanktionen bald wohl mehr Erdöl exportieren wird. Bei aller Unsicherheit erwarten eine Stabilisierung des Rohölpreises um 60 US-$/b. Überdies rechnen wir für die nächsten Monate weiter mit einem festeren Euro, da die Devisenmarktakteure, wie derzeit, die dollar-negativen und euro-positiven Faktoren wieder beachten dürften.

Unter diesen Bedingungen wird die Inflationsrate in den nächsten Monaten wohl nur zögerlich steigen. Aufgrund des aus unserer Sicht verhalten bleibenden Kerninflationsdrucks (die Notwendigkeit, Lohnstückkosten zu senken, hat eher zu- als abgenommen) dürfte die Eins aber erst im vierten Quartal vor das Komma rutschen. Dann beginnt der Rohölpreisabsturz aus dem Vorjahresvergleich zu fallen. Unsere Inflationsprognose für 2015 liegt unverändert bei 0,2%.

EZB-Wachstumserwartung wird enttäuscht werden

Der Anstieg der Inflationsrate dürfte die EZB nicht beruhigen. Ihre Entwicklung geht zwar in die von der Notenbank gewünschte Richtung, ihr Niveau ist aber unverändert niedrig. Da das EZB-Preisziel noch lange unerreicht bleiben dürfte, hat sich unser Blick auf das weitere EZB-Vorgehen nicht verändert: Wir erwarten weiter, dass die EZB ihr Kaufprogramm vollständig durchziehen wird. An dieser Sicht änderte sich auch dann nichts, wenn die EZB ihre Inflationsprojektion von 0,0% für 2015 auf ihrer Ratssitzung im Juni anheben würde, was wir für wahrscheinlich halten. Der aktuelle Bank Lending Survey hat unsere Erwartung zudem gefestigt, dass ein kreditgetriebener Aufschwung vorerst ausbleiben wird. Da die EZB-Wachstumserwartung enttäuscht werden dürfte, bleibt vielmehr eine Ausweitung des Kaufprogramms auf der Agenda – Knappheitsdebatte bei Staatsanleihen hin oder her.

Folgen Sie Spreezeitung auf Facebook, um keine spannenden Artikel zu verpassen.



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.