Martin Gommel / 18. April 2018 / Keine Kommentare


Flüchtlingspolitik und ihre Gesichter

Tausende Flüchtlinge sind in den vergangenen Jahren ertrunken, viele andere strandeten in schlecht ausgestatteten Lagern ohne zu wissen, wie es weitergeht. Die EU erstarrt in Handlungsunfähigkeit und rüstet allenfalls die Grenzen auf. Jene Menschen, die es dennoch zu uns schaffen, sind nur selten willkommen. Doch hinter jedem Flüchtling steht ein Mensch wie Du und ich. Der Fotograf Martin Gommel zeigt ihre Gesichter.

Die Zahl der Opfer, die im Mittelmeer ertrunken sind, bewegen sich in unvorstellbaren Höhen. Ein Ende dieser Tragödie ist noch immer nicht abzusehen. Was sich bis heute an Leid, Tragik und Tod im Mittelmeer und an den inzwischen hermetisch abgeriegelten Außengrenzen Europas abspielt, ist mit den Grundwerten dieses Kontinents nicht vereinbar. Die Zeit seit Beginn der Flüchtlingsbewegung bis heute wurde vom Europaparlament nicht genutzt, um nachhaltig gegenzusteuern. Im Gegenteil: Die EU erstarrt in Handlungsunfähigkeit und jene Geflüchteten, die es trotzdem zu uns schaffen, sind in den Aufnahmeländern oftmals nicht gerne gesehen. Der Wettlauf um schnelle Abschiebungen hat längst begonnen – auch in Deutschland.

Foto: Martin Gommel

Foto: Martin Gommel, Karlsruhe

Das ist Walesh. Sie ist 28 Jahre alt und aus Eritrea. Mittels Zug und Boot floh sie nach Deutschland, als das Erschießen von Menschen zum Alltag in ihrer Heimat wurde. Sie war gezwungen, zu fliehen und verließ dazu ihre ganze Familie.

 

Foto: Martin Gommel, Karlsruhe

Foto: Martin Gommel, Karlsruhe

Khalid verließ schon vor längerer Zeit die Hauptstadt Somalias. Seine Eltern wurden erschossen, erzählt er. Beide Eltern. Er erzählt, wie er es nach Europa geschafft hat. Nach einigen Reisen habe er mit einem Schlauchboot übergesetzt. Mit 140 anderen Flüchtlingen. Sieben von Ihnen wären auf der 7-tägigen Fahrt gestorben.

 

Foto: Martin Gommel, Karlsruhe

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Flüchtling aus der gambischen Hauptstadt Banjul, der aus religiösen Gründen das Land verlassen musste. Er berichtet, dass auf dem Boot fast kein Platz für ihn war und die Flüchtlinge „übereinandergestapelt“ wurden. Der große Gambier lag ganz unten und konnte sich die ganze Fahrt über kaum bewegen. Und bekam stellenweise nur wenig Luft zum Atmen. Einen Nacht und einen Tag lang.

 

Foto: Martin Gommel, Karlsruhe

Foto: Martin Gommel, Karlsruhe

Suleiman ist wie viele andere Flüchtlinge aus Gambia. Er berichtet von seiner Reise. In Gambia sei er direkt nach Libyen geflohen, um mit über 300 weiteren Flüchtlingen auf dem Boot nach Italien überzusetzen. Dort gab es weder Essen noch Arbeit, sodass er sich in die Schweiz aufmachte. In Zürich setzte er sich in den Zug und fuhr nach Deutschland. Nachdem er von Schaffnern kontrolliert und ihnen gesagt hatte, dass er weder Papiere noch Geld habe, hätten sie ihn sitzenlassen.

 

Foto: Martin Gommel, Karlsruhe

Foto: Martin Gommel, Karlsruhe

Die Flucht des Algeriers Zohir verlief unglücklich. Er blieb eine Weile hier und da, lebte wochenlang auf der Straße und wurde zwischenzeitlich sogar ins Gefängnis gesteckt. Aus Gründen, die ihm bis heute schleierhaft sind.

 

Foto: Martin Gommel, Karlsruhe

Foto: Martin Gommel, Karlsruhe

„Unbekannter Mann aus Togo, auch heute möchte ich Dich willkommen in Deutschland heißen. Es ist gut, dass Du hier bist, gut, dass es Du es bis zu uns geschafft hast. Ich wünsche Dir eine Umgebung, in der Du Stärke und erneuten Rückhalt gewinnen kannst.“

 
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