Roland Hermanns / 17. April 2015 / 1 Kommentar


Ein Mindestlohn, der alles sprengt

In Seattle spendiert Dan Price, C.E.O. of Gravity Payments, seinen Mitarbeitern ein Jahreseinkommen von 70.000 US-Dollar. Dafür investiert er Unternehmensgewinne in die neuen Gehälter und verzichtet selbst vorübergehend auf 90 Prozent seiner bisherigen Gage. Die Geschichte eines innovativen Jungunternehmers.

Dan Price C.E.O. of Gravity Payments, steht für eien neue Unternehemskultur. (Foto: SC /  YouTube.de)

Dan Price, C.E.O. of Gravity Payments, steht für eine neue Unternehmenskultur. (Foto: SC / YouTube.de)

Hierzulande hat der Niedriglohnsektor Hochkonjunktur. Viele Unternehmen wollen den Wettkampf der Globalisierung mit immer niedrigeren Löhnen gewinnen. Wie es den Mitarbeitern dabei geht und ob eine solche Milchmädchenrechnung der einseitigen Gewinnmaximierung tatsächlich aufgeht, spielt bisher keine Rolle. Anderswo haben Unternehmer den Zusammenhang zwischen zufriedenen Mitarbeitern und unternehmerischen Erfolgsgeschichten längst erkannt.

Größter Anbieter im Staate Washington

Dan Price, C.E.O. of Gravity Payments etwa. Der Jungunternehmer ist Gründer eines erfolgreichen Kreditkarten-Zahlungsdienstes. Das Unternehmen, das im Jahre 2004 von den Brüdern Dan Sice und Lucas Price gegründet wurde, mauserte sich von einem kleinen Start-up schnell zu einem Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern. Gravity Payments bietet das volle Spektrum der Zahlungsabwicklung einschließlich Kredit- und Debitkartenverarbeitung, Prüfung der elektronischen Zahlungsabwicklung, Geschenk-und Bonusprogramme sowie E-Commerce und ist heute der größte Payment-Dienstleister im Staat Washington. Kunden aus ganz Amerika nutzen inzwischen die Dienste des Anbieters. Das rief 2010 auch Präsident Barack Obama auf den Plan, der diesen Unternehmergeist und den nachhaltigen Erfolg von Gravity Zahlungen ausdrücklich ehrte.

Der Firmensitz des Unternehmens liegt in Seattle im US-Bundesstaat Washington und die Angestellten sind wahre Glückspilze. Alle Mitarbeiter – von der Sekretärin bis zum Abteilungsleiter – erhalten künftig ein Jahreseinkommen von 70.000 US-Dollar pro Jahr. So viel Großzügigkeit muss einen triftigen Grund haben und den gibt es in der Tat. Denn Price ist ein regelrechter Glücks-Verfechter. Jüngst erfuhr er aus einer Studie, dass zu wenig Geld die Lebensqualität massiv einschränkt. Mehr Einkommen hingegen mache besonders glücklich – vorausgesetzt, das bisherige Gehalt liegt unterhalb von 75.000 Dollar.

Zum Glück der Mitarbeiter will Price dieses Erfolgsrezept in seiner Firma in den nächsten drei Jahren stufenweise umsetzen und jedem Mitarbeiter, ganz gleich in welcher Funktion, schließlich mindestens 70.000 Dollar pro Jahr zahlen. Zum Vergleich: Der derzeitige Mindestlohn liegt im Bundesstaat Washington bei 9,47 Dollar pro Stunde. Die absolute Lohn-Untergrenze liegt in den USA bei 7,25 Dollar. Allerdings werden in Branchen wie diesen generell etwas höhere Löhne gezahlt.

Mindestlohn sprengt alle Grenzen

Umgerechnet rund 66.000 Euro pro Jahr zum Glücklichsein – diese frohe Botschaft verkündete Dan Price seinen Mitarbeitern am vergangen Montag mit der Bemerkung: „Sie haben es verdient“. Kameras waren natürlich auch zugegen, als Gravity-Gründer Price seinen Mitarbeitern die frohe Nachricht überbrachte. Die konnte es zunächst kaum glauben – brachen dann aber in heftigen Applaus aus.

Um eine solche Unternehmenskultur überhaupt realisieren zu können, investiert Price einen Teil der Unternehmensgewinne in die neuen Gehälter. Price, der Mehrheitseigner des Unternehmens ist, weihte zuvor seinen Bruder und Teilhaber in die kühnen Pläne der Gehaltsaufbesserungen ein. Begeistert schien dieser nicht und meldete auch vorsichtige Bedenken an. Strikt dagegen war er allerdings auch nicht, äußerte Sprice gegenüber CNN. So nimmt das Glück bei Gravity Payments seinen Lauf. Na dann – viel Erfolg und hoffentlich viele Nachahmer. Schließlich gibt es nicht Schöneres, als kollektiv glücklich zu sein.

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Video: YouTube.com



Ein Kommentar zu "Ein Mindestlohn, der alles sprengt"

  1. Falkenauge 17. April 2015 at 09:05

    Wunderbar, hier macht ein anständiger junger Unternehmer freiwillig das, was rechtlich sanktioniert sein müsste.
    Das Privateigentum am Kapital, das eine unbeschränkte Verfügungsbefugnis über etwas verleiht, was gar nicht der privaten Konsumtion des Unternehmers dient, sondern der Bedürfnisbefriedigung vieler Menschen, u. a. auch der Mitarbeiter, muss eingeschränkt und in treuhänderische Eigentumsformen verwandelt werden.

    Hier liegt das zentrale Problem der Abhängigkeit der Arbeitnehmer, ihrer Ausbeutung einerseits und andererseits der ungeheueren Kapitalanhäufung in den änden weniger, die die Politiker beherrschen.
    Grundsätzliche Gedanken auf:
    https://fassadenkratzer.wordpress.com/2015/04/16/die-ungebandigte-macht-des-kapitals-das-nach-wie-vor-zentrale-problem-des-sozialen-lebens/

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