Dr. Alexander Krüger / 15. April 2015 / Keine Kommentare


Für die EZB läuft derzeit alles nach Plan

Im Vergleich zu den EZB-Ratssitzungen im Januar und März ist das heutige Ratstreffen deutlich ruhiger verlaufen. Echte Neuigkeiten gab es von der Notenbank nicht. Wir erwarten, dass die EZB das Wertpapierkaufprogramm ihrer Ankündigung entsprechend umsetzen wird. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Die aktuelle Ratssitzung brachte nur wenig Neues (Foto: ECB European Central Bank)

Pressekonferenz: Will EZB-Präsident Draghi das Ankaufprogramm drosseln? (Foto: ECB European Central Bank)

Auf ihrer Ratssitzung hat die EZB heute am quantitativen Lockerungskurs ihrer Geldpolitik und den dazu gesetzten Segeln erwartungsgemäß festgehalten. Nullzinspolitik und unkonventionelle Maßnahmen werden also unverändert fortgesetzt. Der gestern veröffentlichte Bank Lending Survey der EZB hat weiter gesunkene Kreditvergabestandards ausgewiesen. Zusammen mit den rückläufigen Finanzierungskosten ist dies für die Notenbank ein Beleg, dass ihre geldpolitischen Maßnahmen „effektiv“ sind.

Kaufprogramm vorzeitig drosseln

Bei vollständiger Umsetzung erwartet sie, dass ihre Impulse die Realwirtschaft erreichen und das Geldmengen- und Kreditwachstum ankurbeln werden. Dies bildet ihrer Ansicht nach die Basis für einen Anstieg der Inflationsrate auf ihr Preisziel. Zu den jüngsten Spekulationen an den Finanzmärkten, die EZB könne ihr Kaufprogramm aufgrund der zuletzt besser ausgefallenen Konjunkturdaten vorzeitig drosseln, erklärte EZB-Präsident Draghi auf der Pressekonferenz, dies habe ihn überrascht. Er bekannte, dass durch eine lang anhaltende Nullzinspolitik ein Nährboden für künftige finanzwirtschaftliche Instabilitäten geschaffen wird.

Wirklich Neues gab es nicht

Das Statement und die Pressekonferenz der EZB lassen den Schluss zu: Wirklich Neues gab es nicht. Alles andere hätte mit Blick auf die im Januar beschlossenen umfangreichen geldpolitischen Maßnahmen aber auch überrascht. Dies gilt besonders für das Wertpapierkaufprogramm, für dessen Implementierung die Notenbank viel Kritik hat einstecken müssen. Es ist daher nachvollziehbar, dass sich die EZB heute die ZEH-Methode auferlegt hat: Sich mit dem bisherigen (Kauf-)Verlauf zufrieden geben, sich zur Erreichung ihres Preisziels entschlossen zeigen („zügige Umsetzung“) und sich bezüglich ihrer Aufgabenerfüllung hoffnungsvoll geben.

Unser Ausblick

Wir erwarten, dass die EZB ihr Wertpapierkaufprogramm wie angekündigt umsetzen wird. Da die Inflationsrate mit aller Macht erhöht werden soll, wird eine Drosselung der Wertpapierkäufe trotz der besseren Konjunkturdaten nicht zur Debatte stehen. Vielmehr bleibt eine Verlängerung/Ausweitung der geldpolitischen Maßnahmen auf der EZB-Agenda, da die Inflationsrate in unserer 2015/16er Prognose deutlich unter dem EZB-Preisziel verharrt. Weil die geldpolitischen Impulse aber erst mit einer Verzögerung bis zu einem Dreivierteljahr realwirtschaftlich sichtbar werden, dürfte eine Programmanpassung erst 2016 zum Thema werden.

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