Dr. Alexander Krüger / 31. März 2015 / Keine Kommentare


EWU-Inflationsrate weiter auf Tauchstation

Die EWU-Inflationsrate ist im März auf -0,1% gestiegen. Mitte 2015 dürfte sie den negativen Bereich verlassen und Ende 2015 über 1,0% hinausgehen. Die EZB wird ihren geldpolitischen Kurs daher wohl vorerst fortsetzen, weitere Maßnahmen bleiben perspektivisch auf der Agenda. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) im Euroraum ist im März um 1,1% gegenüber Februar gestiegen. Neben den üblichen saisonalen Faktoren hat vor allem der leicht gestiegene Rohölpreis zu dieser Entwicklung beigetragen. Die Vorjahresrate stieg von -0,3% auf -0,1%; damit lag sie im vierten Folgemonat unter der Null-Linie. Die Kernrate der Verbraucherpreise ist leicht von 0,7% auf 0,6% gesunken.

Es wird ein moderates Aufwärtspotenzial erwartet

Wir erwarten weiterhin, dass der Rohölpreis nicht dauerhaft unter 50 US-$/b fallen wird. Für die nächsten Monate besteht vielmehr ein moderates Aufwärtspotenzial. Vor diesem Hintergrund dürfte die Inflationsrate derzeit einen Boden bilden. Eine Rückkehr in den positiven Bereich steht unserer Prognose zufolge aber erst zur Jahresmitte bevor. Stärker steigen wird die Inflationsrate wohl erst gegen Jahresende, wenn der Rohölpreisrückgang aus dem Vorjahresvergleich fällt. Für unsere Inflationsprognose von 0,1% für 2015 besteht derzeit zwar ein leichtes Aufwärtsrisiko. Trotz des inflationstreibenden Impulses der Euro-Abschwächung überwiegen aus unserer Sicht aber die Abwärtsrisiken, sollte der Rohölpreis aufgrund der zurzeit vollen Rohöllager dauerhaft auf dem aktuellen Niveau verharren.

Mit 0,0% liegt die moderates Aufwärtspotenzial für 2015 nur wenig unter unserer Prognose. Die HVPI-Entwicklung im März dürfte der Erwartung der Notenbank daher weitgehend entsprochen haben. Unmittelbar neuer geldpolitischer Handlungsbedarf geht vom HVPI somit nicht aus. Die EZB dürfte vorerst weiter argumentieren, dass die Konjunkturerholung durch ihr bis September 2016 angesetztes Wertpapierkaufprogramm unterstützt wird. Dies schafft aus ihrer Sicht die Voraussetzung für einen Anstieg der Inflationsrate zum Preisziel von knapp unter 2,0%.

EZB wird ab 2016 weitere geldpolitische Maßnahmen in Erwägung ziehen

Wir sind unverändert der Ansicht, dass die EZB ab 2016 weitere geldpolitische Maßnahmen in Erwägung ziehen wird. Denn aus heutiger Sicht spricht vieles dafür, dass die um Energie, Nahrungsmittel und administrierte Preise bereinigte Inflationsrate auch 2017 noch (deutlich) unter 2,0% notieren wird. Aufgrund der voraussichtlich anhaltenden Konjunkturerholung dürfte der Druck in der Inflationspipeline nachfrageseitig zwar steigen (v. a. in Deutschland). Angebotsseitig wird dies unseres Erachtens aber durch die vorhandenen gesamtwirtschaftlichen Überkapazitäten und den von der Globalisierung ausgehenden (Lohnstück-)Kostendruck überkompensiert. Fazit: Die Dis-Inflation zementiert sich, das Inflationsrisiko ist niedrig.

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