Dr. Alexander Krüger / 4. März 2015 / Keine Kommentare


Konjunktur-Doping befeuert das BIP-Wachstum

Die Wirtschaftsleistung in Deutschland ist im Schlussquartal 2014 kräftig gestiegen: Trotz der Belastung durch die Geopolitik wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 0,7% gegenüber dem Vorquartal. Unsere BIP-Prognose für 2015 haben wir um 0,4 Prozentpunkte auf 1,5% angehoben. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Wachstumsprognose wieder deutlich postiver (Foto: buchachon / Clipdealer.de)

Wachstumsprognose wieder deutlich postiver (Foto: buchachon / Clipdealer.de)

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland ist im Jahresschlussquartal 2014 um 0,7% und damit überraschend kräftig gegenüber dem Vorquartal gewachsen. Laut Statistischem Bundesamt sind vom Konsum sowie von den Anlageinvestitionen (insbesondere Bauten) und Exporten positive Wachstumsimpulse ausgegangen. Die Details der BIP-Komponenten werden am 24. Februar veröffentlicht.

Wachstum spürbar belebt

Im Vergleich zum dritten Quartal 2014 (+0,1%) hat sich das Wachstum somit spürbar belebt. Vor allem mit Blick auf die Belastungen seitens der Geopolitik ist dieses Ergebnis bemerkenswert. Allerdings kann die dynamische Entwicklung der Bauinvestitionen aber auch auf die milde Witterung zurückzuführen sein. Wir rechnen nicht damit, dass der Wachstumsbeitrag so hoch wie im ersten Quartal 2014 gewesen ist.

Die konjunkturellen Frühindikatoren stützen unsere Erwartung, dass die Wirtschaftsleistung in diesem Quartal ­ und danach ­ weiter zunehmen wird. Dabei werden aus unserer Sicht vom Konsum her Impulse resultieren, die eine solide Wachstumsgrundlage bedeuten. Wir rechnen zwar mit einem ab dem Frühjahr in Richtung 70 US-$/b steigenden Rohölpreis. Alles in allem liegt das Rohölpreistal aber tiefer als erwartet. Von der Entlastung der verfügbaren Einkommen dürfte vor allem der private Verbrauch (56%-Anteil am BIP) profitieren. Das Wachstumstempo dürfte aber sinken.

Aufgrund des kräftiger als erwartet ausgefallenen BIP-Wachstums liegt die Ausgangsbasis für 2015 nun um 0,4 Prozentpunkte höher. Bei weitgehend unveränderten Erwartungen an den Wachstumsverlauf in diesem Jahr haben wir daher unsere BIP-Prognose für 2015 von 1,1% auf 1,5% angehoben.

Geopolitische Unsicherheit

Unsere konjunkturellen Bauchschmerzen halten dennoch an. Eine akzelerierende Weltwirtschaft ist schon länger nicht Bestandteil unseres Hauptszenarios, zumal wir mit nachlassenden Impulsen aus China rechnen. Vor allem aber beruhigen die jüngsten Deeskalationssignale aus der Ukraine nicht. Abgesehen davon, dass frühere Vereinbarungen zwischen den Konfliktparteien gebrochen worden sind und offen ist, wie die Einhaltung des Waffenstillstandes kontrolliert werden kann, liegt vor allem eine Konfliktlösung in weiter Ferne. Die geopolitische Unsicherheit bleibt damit deutlich höher als sonst, das Konjunkturumfeld ist nicht „normal“. Dies gilt auch mit Blick auf das Konjunktur-Doping durch Niedrigzinsen, Rohölpreisrückgang und Euro-Abschwächung, ohne das die Wirtschaftsaktivität schwächer ausfiele.



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