Marlen Albertini / 9. Februar 2015 / 1 Kommentar


Last-Minute-Challenge der Kanzlerin

Ukraine-Krieg, Probleme mit Russland, Dissonanzen mit den USA und immer wieder die Eurokrise - Kanzlerin Merkel hat viel zu tun. Hektisch treibt es sie um die Welt. Last-Minute-Challenge heißt das Zauberwort. Doch reicht das aus? Ein Kommentar von Marlen Albertini.

Kanzlerin Merkel und die  Kriseninterventionen in letzter Minute  (Foto: Carl Stahnke / Pixelio.de)

Kanzlerin Merkel und die Kriseninterventionen in letzter Minute (Foto: Carl Stahnke / Pixelio.de)

Emotionen kochen hoch und maßlos ausgelebte Ideologien heizen in Europa und weltweit Auseinandersetzungen an, die wir Jahrzehnte so nicht kannten. Wie sehr sich die Kanzlerin auch müht, den Menschen die Welt in ihrer Komplexität und Problembehaftung zu erklären – es hilft nicht sonderlich weiter. Erklären, predigen, schweigen, warten, taktieren und aussitzen – ob das reicht, die Welt wieder etwas zu befrieden?

Last-Minute-Challenge in den Kreml

Spätestens vergangene Woche, anlässlich der hektisch einberufenen Last-Minute-Challenge im Kreml wurde klar: Hier gibt es Versäumnisse, die so ohne weiteres nicht mehr wegzustecken sind. Seit an Seit mit dem französischen Präsidenten François Hollande suchte die Kanzlerin das seit langem so dringend fällige persönliche Gespräch mit Wladimir Putin. Warum erst jetzt, da das Kind praktisch schon im Brunnen liegt, fragt sich so mancher Zeitgenosse. Wo waren sie denn, die diplomatischen Gespräche der Kanzlerin vor Ort? Die Ukraine-Krise gibt es nicht erst seit gestern und beim Telefonieren laufen allenfalls die Drähte heiß.

Merkel, die so gut die Welt in ihrer Komplexität erklären kann, nickt dazu nur stumm im Kreise herum. Alles tatsächlich zu komplex, zu schwierig, zu geheim und zu verwoben, um Bürgern zu erklären, was das soll? Es geht um Krieg und Frieden und das mitten in Europa. Russland gehört nicht zur EU, aber es gehört definitiv zu Europa. Keine Kleinigkeit also, wenn hier der Kessel brennt. Explodiert er schließlich, leidet das Volk und nicht jene, die zündeln. Das zeigt das Beispiel Ukraine anschaulich. Die Menschen leiden, frieren, stehen furchtbare Ängste durch oder bezahlen gar mit dem Tod.

Die Schonzeit ist definitiv vorbei

Die Kanzlerin versucht sich in Hektik. Last-Minute-Challenge nach Moskau und nun auch nach Washington und Minsk. Versäumnisse aufholen in Rast- und Ratlosigkeit und ohne Ergebnis? Die Probleme haben sich in den vergangen Jahren geradezu aufgetürmt. Nichts wurde bisher tatsächlich besser und schon gar nicht nachhaltig gelöst. Nicht die Ukraine-Krise, nicht die Probleme mit Russland, nicht die Querelen mit den Amerikanern und schon gar nicht die Eurokrise. Nach zehn Jahren Regierung ist die Schonzeit um. So gesehen wartet noch so manche Last-Minute-Challenge auf Kanzlerin Angela Merkel – vielleicht aber auch jene in ganz eigener Mission.



Ein Kommentar zu "Last-Minute-Challenge der Kanzlerin"

  1. Wanderer 9. Februar 2015 at 20:25

    Frau Kanzler hat was versäumt? Es sieht eher danach aus, dass Frau Kanzler ihre Hausaufgaben gemacht hat – zuletzt mit dem Keil, den sie in die Bevölkerung trieb. Mensch wach endlich auf! Die Dinge passieren nicht von ungefähr!

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