Dr. Alexander Krüger / 7. Januar 2015 / Keine Kommentare


Kollaps der Inflationsrate gruselig für die EZB

Die Kernrate der Verbraucherpreise liegt bei 0,8%. Vor diesem Hintergrund hat die negative Gesamt-Inflationsrate mit Deflation nichts zu tun. Vielmehr ist sie, wie schon 2009, vor allem Ausdruck der stark gesunkenen Energiepreise. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Im Zuge des rasanten Rohölpreisverfalls ist die Inflationsrate im Euroraum im Dezember in den negativen Bereich abgerutscht. Aufgrund des tiefer als erwartet ausgefallenen Preistals haben wir unsere Inflationsprognose für 2015 von 1,0% auf 0,4% gesenkt. Ein Deflationsumfeld liegt zwar nicht vor, EZB-Staatsanleihekäufe sind aber wahrscheinlicher geworden.
Actum est: Erstmals seit Oktober 2009 sind die Verbraucherpreise im Vorjahresvergleich wieder gesunken. Die Inflationsrate betrug im Dezember -0,2%. Ursache für ihren Rückgang ist in erster Linie der Rohölpreis, der im Erfassungszeitraum rund 20% (Sorte Brent) gegenüber dem Vormonat gesunken ist.

Niedrige Inflationsrate erhöht Realeinkommen

Die Kernrate der Verbraucherpreise liegt bei 0,8%. Vor diesem Hintergrund hat die negative Gesamt-Inflationsrate mit Deflation nichts zu tun. Vielmehr ist sie, wie schon 2009, vor allem Ausdruck der stark gesunkenen Energiepreise. Seinerzeit lag die Inflationsrate fünf Monate lang im negativen Bereich, bevor sie im Zuge der Erholung besonders des Rohölpreises wieder deutlich stieg. Eine Deflationsphase ist dagegen u. a. dadurch gekennzeichnet, dass Käufe von Verbrauchern aufgeschoben werden mit dem Ziel, künftig von (noch) niedrigeren Preisen zu profitieren. Dieses Konsumverhalten ist im Euroraum nicht erkennbar. Vielmehr ist der private Verbrauch seit dem Frühjahr 2013 durchweg gestiegen. Da die niedrige Inflationsrate die Realeinkommen erhöht, dürfte dieser Trend vorerst intakt bleiben.

Inflationsprognose für 2015

Aufgrund des zuletzt beschleunigten Rohölpreisverfalls senken wir unsere Inflationsprognose für 2015 von 1,0% auf 0,4%. Wir erwarten zwar weiterhin, dass der am Rohölmarkt aktuell über den Preis ausgetragene Kampf um Marktanteile spätestens im Frühjahr durch eine Förderquotenanpassung enden wird. Das Preistal liegt inzwischen aber deutlich tiefer als angenommen. Wir gehen nunmehr davon aus, dass die Inflationsrate von Januar bis März noch negativ sein wird.

EZB wird wohl bald Staatsanleihen kaufen

Der nochmals intensivierte Rückgang der Inflationsrate schärft unsere Erwartung, dass die EZB bald Staatsanleihen kaufen wird. Die Notenbank weiß zwar, dass ein Deflationsumfeld nicht vorliegt. Sie dürfte aber die seit Mitte 2014 deutlich unter ihr Preisziel von knapp unter 2,0% gesunkenen mittelfristigen Inflationserwartungen im Blick haben, die sich zurzeit stärker an der aktuellen Inflationsrate orientieren. Zudem wird die EZB wohl ihre Glaubwürdigkeit durch das verfehlte Preisziel als gefährdet ansehen. Aufgrund des schwachen BIP-Wachstums und der gestiegenen Realzinsen dürfte aber vor allem auch der Wunsch der Südländer bestehen, tätig zu werden. Mit der Kaufankündigung rechnen wir weiter für die Ratssitzung im März. Positive realwirtschaftliche Effekte erwarten wir von Staatsanleihekäufen nicht.



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.