Dr. Alexander Krüger / 4. Dezember 2014 / Keine Kommentare


EZB befeuert die QE-Fantasie

Die EZB hat heute keine neuen Maßnahmen beschlossen. Mit ihrer Rhetorik und ihren gesenkten Wachstums- und Inflationsprojektionen belebte sie aber die Fantasie hinsichtlich weiterer unkonventioneller Maßnahmen. Wir gehen unverändert davon aus, dass diese im März 2015 angekündigt werden, und die EZB dann auch Staatsanleihen kaufen wird. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Auf ihrer heutigen Ratssitzung hat die EZB keine weiteren geldpolitischen Maßnahmen angekündigt. Damit bleibt es bei der Fortsetzung ihrer Nullzinspolitik, der zurzeit stattfindenden ABS- und Pfandbriefkäufe und der vorgesehenen Langfristtender.
Die EZB senkte ihre Wachstumsprojektion für 2015 deutlich von 1,6% auf 1,0% sowie für 2016 von 1,9% auf 1,5% und sieht die Wachstumsrisiken unverändert als abwärts gerichtet an. Ebenfalls nach unten passte sie ihre Inflationsprojektionen an: Für 2015 von 1,1% auf 0,7% und für 2016 von 1,4% auf 1,3%. Die Risiken für ihren Inflationsausblick beabsichtigt die Notenbank weiter genau zu beobachten.

EZB spielt auf verbaler Tonleiter

Hinsichtlich eventueller Staatsanleihekäufe spielte die EZB auf der verbalen Tonleiter. Ausweislich ihres Statements zum geldpolitischen Beschluss hat sie sich zum Ziel gesetzt, den erreichten monetären Impuls Anfang 2015 hinsichtlich Umfang und Tempo zu überprüfen. Zunächst möchte die Notenbank aber die Auswirkung des Rohölpreisrückgangs abwarten. Zudem ist der Rat einstimmig der Meinung, im Bedarfsfall weitere unkonventionelle Maßnahmen einzuleiten. Auf der Pressekonferenz erklärte EZB-Präsident Draghi, der Rat habe verschiedene Optionen einer Quantitativen Lockerung (QE) diskutiert, Die EZB benötige hierfür keine Einstimmigkeit und werde längere Abweichungen von ihrem Preisziel nicht hinnehmen, so der Notenbank-Chef. Er betonte überdies, dass die große Mehrheit des EZB-Rates eine Bilanzsumme auf dem Niveau von Anfang 2012 „anstrebt“, nicht nur „erwartet“.

Neue unkonventionelle Maßnahmen

Man kann es drehen und wenden wie man will: Das geldpolitische Pendel hat heute weiter in Richtung neuer unkonventioneller Maßnahmen ausgeschlagen. Der trübe fundamentale Ausblick der EZB und ihre Rhetorik kanalisieren die QE-Fantasie dahingehend, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, wann diese Realität wird. Wir halten daher unsere seit langem vertretene Ansicht aufrecht, dass die EZB bereits im ersten Halbjahr 2015 Staatsanleihen von allen EWU-Mitgliedstaaten kaufen wird. Neben ihrer Rhetorik spricht dafür, dass ihre Wachstumserwartung im ersten Quartal erneut enttäuscht werden dürfte. Zudem bleibt der Blick bei den ohnehin schon niedrigen Inflationserwartungen vorerst abwärts gerichtet, die Realzinsen sind gestiegen und die Bilanzsumme wird durch die bisher ergriffenen Maßnahmen nicht merklich steigen. Aus unserer Sicht stehen die Chancen 75:25, dass die EZB eine Kaufankündigung am 5. März tätigen wird und nicht schon am 22. Januar.



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