Malte Olschewski / 21. November 2014 / Keine Kommentare


Ho! Ho! Ho! – Kulturkampf um den Nikolo

Sankt Nikolaus und der Krampus sind politisch nicht mehr korrekt. Im sozialistisch regierten Wien war man der Auffassung, dass verkleidete Männer in Maske prinzipiell gefährlich seien und die Kleinen nur unnötig erschrecken würden. Daher wurde schon 2006 gegen beide Figuren in den Wiener Kindergärten ein Hausverbot verhängt. Damit aber waren Nikolo und Knecht Ruprecht zum Politikum geworden. Eine Betrachtung von Dr. Malte Olschewski.

Kulturkampf um St. Nikolaus? (Foto: Katharina Wieland  Müller / www.pixelio.de)

Kulturkampf um St. Nikolaus? (Foto: Katharina Wieland Müller / www.pixelio.de)

Die oppositionelle Freiheitliche Partei (FPÖ) verteidigte diesen alten Brauch. Man vermutete, dass die Aussperrung wohl nur mit Blick auf die wachsende Schar moslemischer Kinder geschehen würde. Seitdem ist der 6. Dezember etwas unübersichtlich geworden. Der schwarz gekleidete und mit Ketten rasselnde Krampus dürfe auf keinen Fall mehr in die städtischen Kindergärten. In vielen Fällen wurde die Gestaltung des Festes mit einem Solo-Nikolaus der jeweiligen Leitung überlassen. So kam es, dass in einigen Kindergärten ein vereinsamter Bartträger nur vom Garten aus den Kindern zuwinken und dann seine Gaben verstreuen durfte.

Auf der Suche nach dem Krampus

„Wo bleibt denn nur der Krampus?“, sollen sich viele Kinder gefragt haben. Er blieb außerhalb von Wien. In Städten und Gemeinden der Bundesländer ist der alljährliche Krampuslauf unverzichtbar geblieben. Schon immer herrschte große Verwirrung um das Personal, das in den Bräuchen der Adventszeit aufzutreten hat. Sind der Nikolaus und Santa Claus ein und dieselbe Person? Warum heißt der Krampus auch Knecht Ruprecht? Wer oder was ist das Christkind? Ist es das neugeborene Jesuskind oder ein spezifisches Englein?

Der Streit der Kirchenväter

St. Nikolaus lässt sich am ehesten identifizieren, zumal er auch in Adjustierung eines katholischen Bischofs auftritt. Er ist eine volkstümliche Nachschöpfung des frühchristlichen Bischofs von Myra in der heutigen Südtürkei. Der historische Nikolaus war ein Freund der Armen und der Kinder, die er laut Legende immer Anfang Dezember zu beschenken pflegte. Er nahm auch 325 n.Ch. am Konzil von Nicäa teil, bei dem sich die Kirchenväter in der Frage der Dreieinigkeit Gottes konkret in die Haare gerieten. Von Nikolaus wurde berichtet, dass er den Führer der gegnerischen Partei, Bischof Arius, mit einer wenig heiligen Dachtel geohrfeigt hat. In der Folge vollbrachte er mehrere Wunder.

Verkörperung der vorchristlichen Perchten

200 Jahre nach seinem Tod begann sich ein Kult um St. Nikolaus zu entwickeln. Vor allem in slawischen Ländern ist er zu einem Volksheiligen geworden. Da er viele Schiffer aus einem tosenden Meer gerettet haben soll, gilt er auch als Patron der christlichen Seefahrt. 1087 haben italienische Seefahrer seine Gebeine gestohlen und nach Bari gebracht, wo über den Trümmern des byzantinischen Gouverneurspalastes die Basilika St. Nikolaus errichtet wurde. Im 12. und im 13. Jahrhundert ist eine Art Bauboom für Nikolauskirchen zu verzeichnen. In den Klosterschulen bürgerte sich der Brauch ein, wonach die Novizen am 6.12. von einem als Bischof verkleideten Mönch bestraft wurden. Da nun der würdige Bischof nicht selbst prügeln konnte, wurde ihm ein bösartiger Begleiter zur Seite gestellt, der viele Namen haben konnte. In dieser Figur verbergen sich die vorchristlichen Perchten. Einer seiner Namen wird als Knecht Ruprecht von dem mittelhochdeutschen „Ruhpercht“ (Rauhe Percht) abgeleitet.

Logik und Religion

Bald war es ein allgemeiner Brauch, dass am Abend des 6.12. der Nikolo mit dem etymologisch ungeklärten Krampus an die Türe klopfte, um die Kinder nach ihrem Wohlverhalten zu befragen und dann zu belohnen. Doch bestand diese Belohnung meist nur aus einer Handvoll Nüssen, Bäckereien oder ein paar Äpfeln. Sankt Nikolaus wurde am 24.12. noch einmal bemüht, um vorerst als Weihnachtsmann ohne genaue Sichtung Geschenke unter den Baum zu legen. Zweimal in drei Wochen der gleiche Heilige? Das war nicht ganz einsichtig, zumal die Logik und die Religion Gegensätze zu sein scheinen.

Als Santa Claus zum Kommerz wurde

Martin Luther, der jede Form von Heiligenverehrung bekämpfte, steht in Verdacht, das Christkind, wenn nicht erfunden so doch heftig subventioniert zu haben. Es war schon ein alter Brauch, am 24.12. Christi Geburt zu gedenken. Wie aber schafft nun das in der Krippe liegende Christuskind die viele Geschenke ins Haus und unter der Weihnachtsbaum? Abgesehen davon fehlte dem oft als Englein dargestellten Christkind ein eindeutiges, unverwechselbares Aussehen. So hat man den Heiligen Nikolaus mit deutlich höherem Körpergewicht reaninimert und als Santa Claus dem Kommerz unterworfen.

Wallender Bart und Rentierschlitten

Die Getränkefirma Coca Cola hatte nach dem Ersten Weltkrieg viele Kunden verloren, weil man sich entschlossen hatte, bei der Herstellung auf die stark anregenden Koka-Blätter zu verzichten. Auch ging der Umsatz in der kalten Jahreszeit zurück, da man heisse Getränke bevorzugte. Da musste gegengesteuert werden. Ein gewisser Haddon Sundblon wurde 1931 mit eine Werbekampagne beauftragt. Er nahm sich den holländischen „Sinterclaas“ als Vorbild und machte daraus den Santa Claus. Der im Comeback erscheinende „St.Nikolaus“ ist in Coca Colas Firmenfarben Rot und Weiss gewandet. Er trägt einen wallenden Bart und kommt mit einem Rentierschlitten direkt vom Nordpol, womit auch das Depot der Geschenke geklärt sein dürfte.

Ein leicht verblödetes „Ho! Ho! Ho!“

Eines seiner Rentiere namens Rudolph zeichnet sich durch eine rote Nase aus. Offenbar ist Santa Claus der Sprache nicht mächtig, denn seine einzige Äußerung besteht in einem leicht verblödeten „Ho! Ho! Ho!“. Mit der allgemeinen Amerikanisierung hat Santa Claus eine Invasion Europas begonnen. Tausende Santas wanken umsatzfördernd durch die Einkaufstrassen. Ihr pausbäckiges Gesicht mit der roten Knollennase beherrscht die Werbespots. Er nimmt auch an Wettbewerben und an Ralleys teil. Santa Claus ist in diesen Tagen überall. Die Figur wird stark ausgebeutet. Nicht nur, dass im Fernsehen Filme mit Santa als Hauptfigur laufen. Bei verschiedenen Charity-Events muss Santa Claus die Spenden einsammeln. Eiskalte Börsengurus verkleiden sich in diesen Tagen. In der Poker-Akademie von Senefeld wird ein Santa Claus-Turnier bestritten. Und das britische Grosskaufhaus Harrods hat einen seiner Santas gefeuert, weil er angeblich rassistische Witze gemacht hatte: „Ho! Ho! Ho!“

Foto: © Katharina Wieland Müller / pixelio.de / PIXELIO



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