Redaktion Spreezeitung / 9. November 2014 / Keine Kommentare


ZPS startet Initiative für Europäischen Mauerfall

Das Zentrum für Politische Schönheit startet aktuell eine Initiative für den Ersten Europäischen Mauerfall. Während ganz Deutschland dem Fall der deutschen Mauer vor 25 Jahren gedenkt, stehen neue Mauern in Europa, an denen konservativen Schätzungen zufolge im selben Zeitraum 30.000 Menschen ertrunken, verdurstet oder auf andere Weise ums Leben gekommen sind.

Das ZPS will mit einer krassen Aktion Europäische Mauern  einreißen. Foto: Patryk Witt / Zentrum für Politische Schönheit

Das ZPS will mit einer krassen Aktion Europäische Mauern einreißen.
(Foto: Patryk Witt / Zentrum für Politische Schönheit)

 
Aufgrund dieses Missstandes ermöglicht das ZPS laut eigenen Aussagen den „Ersten Europäischen Mauerfall der Geschichte“. Durch Crowdfunding wurden Busse finanziert, die Freiwillige am 7. November an die EU-Außengrenzen brachten, um diese gemeinsam zu öffnen.

„Gedenken wir nicht der Vergangenheit, gedenken wir der Gegenwart – und reißen die illegalen EU-Außengrenzen ab. Nicht mit warmen Worten, sondern mit Bolzenschneidern“,

erklärt Philipp Ruch vom ZPS.

Die Künstlergruppe eröffnet mit der Aktion das Festival Voicing Resistance am Gorki Theater und präsentiert einen Gegenentwurf zur etablierten Gedenkkultur Deutschlands. Während das ganze Land der Vergangenheit gedenkt, fährt sie mit dem passenden Werkzeug im Gepäck an die EU-Außengrenze, um die Wiedervereinigung der Menschheit zu ermöglichen.

Die alten Mauertoten sind bei den neuen Mauertoten. (Foto: Patryk Witt / Zentrum für Politische Schönheit)

Die alten Mauertoten sind bei den neuen Mauertoten. (Foto: Patryk Witt / Zentrum für Politische Schönheit)

Auf der Crowdfunding-Seite zur Aktion heißt es:

„Helfen Sie mit beim Abriss der europäischen Außengrenzen. Der europäische Vorhang muss fallen!“

Cesy Leonard, Chefin des Planungsstabs, erläutert:

25 Jahre nach dem Fall der Mauer wird Europa militärisch abgeriegelt. Während in Berlin Ballons in die Luft steigen und die üblichen nostalgischen Reden gehalten werden, bringt die deutsche Zivilgesellschaft in einem Akt politischer Schönheit die europäischen Außenmauern zu Fall.

Hundertausende Menschen sehnen sich nach einem neuen Mauerfall. Zum 25. Jahrestag des Mauerfalls machen wir ihn möglich.“

Übrigens: „Die Mauertoten sind weg“

(Foto: Patryk Witt / ZPS)

(Foto: Patryk Witt / ZPS)

Die Akteure erklären, dass die Installation „Weiße Kreuze“, die im Regierungsviertel an die Opfer der Mauer gedenkt, an den Feierlichkeiten zu „25 Jahren Mauerfall“ nicht teilnehmen wird. Aufgrund des Nichtgedenkens der Mauertoten an den neuen Mauern der EU seien die Weißen Kreuze „in einem Akt der Solidarität aus der Bundesrepublik geflüchtet“, heißt es.

Die Mauertoten seien in dieser Zeit an den EU-Außengrenzen bei ihren Brüdern und Schwestern in den marokkanischen Waldbergen von Gourougou (vor Melilla). Unter Menschen also, deren Leben durch die EU-Außenmauern derzeit akut gefährdet ist.

Über das Zentrum für Politische Schönheit

Das Zentrum für Politische Schönheit ist eine Schmiede für politische Aktionskunst mit „großen Visionen“ (taz) und „drastischen Mitteln“ (Die Zeit) und betreibt seit Jahren eine parallele deutsche Außenpolitik. Zuletzt initiierte sie im Namen der Bundesregierung eine Rettungsaktion für 55.000 syrische Flüchtlingskinder.

2012 lobte sie 25.000 Euro Belohnung für Hinweise aus, die zur rechtskräftigen Verurteilung der Eigentümer des Waffenkonzerns „Krauss-Maffei Wegmann“ führen. Für die neueste Aktion war das ZPS an den Außengrenzen der EU: an der „Eindämmungsanlage“ Bulgariens, in den Waldbergen vor der spanischen Enklave Melilla und am „Schild“ Griechenlands.

Fotos: Patryk Witt / Zentrum für Politische Schönheit



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