Redaktion Spreezeitung / 19. September 2014 / Keine Kommentare


„Finger weg von unseren Daten“

Spätestens seit den Enthüllungen Edward Snowdens sollte jedem klar werden, wie durchschaubar wir sind. Unbemerkt werden uns die intimsten und privatesten Informationen aus der Tasche gezogen und von der Wirtschaft verwertet und ausgebeutet. Der Europa-Abgeordnete Jan Philipp Albrecht spricht Klartext über die Verletzung unserer Persönlichkeitsrechte. Unsere Buchempfehlung!

Jan Philipp Albrecht, Europaabgeordneter und  Datenschutzbeauftragter (Foto: Fritz Schumann)

Jan Philipp Albrecht, Europaabgeordneter und EU-Berichterstatter für die EU-Datenschutzreform (Foto: Fritz Schumann)

Datenmissbrauch scheint inzwischen zum normalen Alltagsgeschäft zu zählen. Politiker zeigen nur wenig Engagement, diesbezügliche Bürgerrechte deutlich stärker zu schützen. Im Gegenteil: Inzwischen werden wir entmündigt, denn Daten sind das Gold des 21sten Jahrhunderts.

Den Ausverkauf unserer Daten stoppen

Wir können den kompletten Ausverkauf unserer Daten nur aufhalten, wenn wir die Souveränität zurückgewinnen. Nur wenn Bürger über ihre Daten weitgehend selbst entscheiden, sei die Grundvoraussetzung für ausgeglichene Machtverhältnisse zwischen den einzelnen Menschen und Akteuren in Staat und Wirtschaft gesichert. Denn deren Kontrolle werde immer unwägbarer, mahnt der Europa-Abgeordnete und EU-Berichterstatter für die EU-Datenschutzreform Jan Philipp Albrecht.

Sekündlich und Millionenfach gespeicherte Daten

Cover: Knaur Verlag

Cover: Verlag Droemer-Knaur

Albrecht kämpft daher für mehr Datenschutz, was längst überfällig ist und spricht in seiner aktuellen Publikation Klartext über die Verletzung unserer Persönlichkeitsrechte. Noch vor wenigen Jahren war es eine gefühlte Seltenheit, dass von uns persönliche Informationen festgehalten wurden. Heute geschehe dies praktisch sekündlich, und zwar millionenfach, kritisiert Albrecht.

Denn unbemerkt werden sie uns aus der Tasche gezogen: die persönlichsten Informationen über uns selbst. Dabei wird der Datenschutz in der Charta der Grundrechte der Europäischen Union garantiert:

„Jede Person hat das Recht auf Schutz der sie betreffenden Daten“ (Artikel 8(1)

Doch mit den nahezu unbegrenzten Möglichkeiten der Datenverarbeitung werden wir nicht nur zum gläsernen Menschen – wir werden auch ausgebeutet und entmündigt. EU-Berichterstatter für die EU-Datenschutzreform Jan Philipp Albrecht klärt auf über die Missstände beim Datenschutz, was die Politik tun muss und wie wir uns schützen können.

„Mit dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung wären eine Gesellschaftsordnung und eine diese ermöglichende Rechtsordnung nicht vereinbar, in der Bürger nicht mehr wissen können, wer was wann und bei welcher Gelegenheit über sie weiß.“

Der Autor
Jan Philipp Albrecht ist Europaabgeordneter der Grünen und Verhandlungsführer des Europäischen Parlaments für die neue EU-Datenschutzgrundverordnung. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Bremen, Brüssel und Berlin spezialisierte er sich im IT-Recht. Unter anderem arbeitete er am Walter Hallstein-Institut für Europäisches Verfassungsrecht in Berlin und gab Lehrveranstaltungen zur europäischen Rechtsinformatik an der Universität Wien. Jan Philipp Albrecht war maßgeblich an der Zurückweisung des Handelsabkommens ACTA und der Untersuchung zur NSA-Affäre im Europäischen Parlament beteiligt.

Finger weg von unseren Daten!:
Wie wir entmündigt und ausgenommen werden

Taschenbuch: 192 Seiten
Verlag: Knaur TB (2. Mai 2014)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3426786877
ISBN-13: 978-3426786871

Verweise:
Interview mit dem EU-Abgeordneten Jan Philipp Albrecht:
„Diskriminierung an Hand von Datenprofilen ist bereits gang und gäbe“

Veranstaltungshinweis:

Jan Philipp Albrecht MdEP stellt sein Buch „Finger weg von unseren Daten! Wie wir entmündigt und ausgenommen werden“ zusammen mit Schriftstellerin Juli Zeh vor.

Die Veranstaltung findet am 2. Oktober 2014 um 20:00 Uhr in der Buchhandlung Herschel im Gründerinnenzentrum, Anklamer Str. 38, 10115 Berlin statt.

Moderation: Knut Elstermann, Journalist, Filmkritiker
Eintritt: Abendkasse, € 6, ermäßigt € 4
Kartenvorbestellung unter Tel.: 030/4407599

Um Anmeldung wird gebeten.

Header-Foto: Fritz Schumann



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