Dr. Alexander Krüger / 14. August 2014 / Keine Kommentare


Wachstumsenttäuschung auch im Euroraum

Das EWU-BIP hat im zweiten Quartal 2014 stagniert. Ursache sind der Ausfall Deutschlands als Wachstumstreiber und wieder zutage getretene strukturelle Wachstumsschwächen einzelner Staaten. Unsere BIP-Prognosen haben wir gesenkt, der Handlungsdruck auf die EZB dürfte steigen. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Als Reflex auf das milde Winterwetter hat das deutsche BIP im zweiten Quartal um 0,2% gegenüber dem  Vorquartal abgenommen. (Foto: Clipdealer.de)

Als Reflex auf das milde Winterwetter hat das deutsche BIP im zweiten Quartal um 0,2% gegenüber dem Vorquartal abgenommen. (Foto: Clipdealer.de)

Die gute Nachricht vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Euroraum ist, dass es im zweiten Quartal 2014 nicht geschrumpft ist. Allerdings, und das ist die schlechte Nachricht, hat es gegenüber dem Vorquartal lediglich stagniert. Die Ergebnisse der BIP-Komponenten werden am 3. September veröffentlicht.

Erfreuliches und Enttäuschendes

Hinsichtlich der Länderergebnisse gibt es Erfreuliches und Enttäuschendes. Positiv ist, dass das BIP in Spanien (+0,6%) erneut und in den Niederlanden (+0,5%) und Portugal (+0,6%) wieder gewachsen ist. Wachstumsrückgänge haben Deutschland und (abermals) Italien (beide jeweils -0,2%) hinnehmen müssen. Enttäuscht hat zudem Frankreich, dessen Wirtschaftsleistung seit nunmehr einem Jahr stagniert.

Ohne Fitnesskur wird Wachstumssschwäche anhalten

Gemessen daran, dass der Hochpunkt der Staatsschuldenkrise schon eine Weile zurückliegt, erholt sich die Konjunktur lediglich verhalten. Änderung ist nicht in Sicht. Denn die Mitgliedstaaten werden die Leistungsfähigkeit ihrer Volkswirtschaften durch Produktivitätsgewinne und sinkende Lohnstückkosten voraussichtlich weiter nicht steigern. Ohne diese Fitnesskur wird die strukturelle Wachstumsschwäche aber anhalten. Dies zementiert die Wachstumskluft.

BIP-Niveaus von Deutschland und Italien

Deutlich wird dies an den BIP-Niveaus von Deutschland und Italien, die derzeit 2,9% über bzw. 9,1% unter ihrem zyklischen Hochpunkt von 2008 liegen. Und: Das EWU-BIP-Niveau ohne Deutschland entspricht zurzeit lediglich dem des letzten zyklischen Tiefs von 2009, das deutsche BIP-Niveau liegt 10,5% darüber. Fazit: Von konjunktureller Normalität wird der Euroraum vorerst weit entfernt bleiben. Es rächt sich, dass die Regierungen die von der EZB gekaufte Zeit bislang nicht sinnvoll genutzt haben.

Belastung der Konjunktur wird erwartet

Anders als bisher unterstellen wir für das zweite Halbjahr 2014 nun eine Belastung der Konjunktur durch die gestiegenen geopolitischen Spannungen. Zusammen mit dem schwächer als erwartet ausgefallenen zweiten Quartal 2014 senken wir unsere BIP-Prognose für 2014 daher von 1,0% auf 0,8%. Das BIP-Wachstum wird also noch schwächer ausfallen, als es unsere vormals schon defensive Prognose ausdrückte.

Trüber BIP-Ausblick

Durch den trüberen BIP-Ausblick dürfte die EZB weiter unter Druck geraten. Ihre BIP-Projektion von 1,7% für 2015 wird sie im September wohl senken. Das aus unserer Sicht bestehende Revisionspotenzial von 0,7 Prozentpunkten dürfte aber erst im Dezember ausgeschöpft werden. Da die Inflationsrate gleichzeitig unter 1% verharren und die TLTROs lediglich verhalten nachgefragt werden dürften, wird die EZB demnächst wohl immer mehr zu einem Wertpapierkaufprogramm gedrängt werden.



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Abonnieren