Dr. Alexander Krüger / 14. August 2014 / Keine Kommentare


Deutsches BIP-Wachstum: Delle ja, Absturz nein

Als Reflex auf das milde Winterwetter hat das deutsche BIP im zweiten Quartal um 0,2% gegenüber dem Vorquartal abgenommen. Im Zuge gestiegener geopolitischer Spannungen dürfte die Wachstumsdynamik vorerst geringer ausfallen. Unsere 2014er BIP-Prognose haben wir von 1,8% auf 1,5% gesenkt. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Das EWU-BIP hat im zweiten Quartal 2014 stagniert. (Foto: Clipdealer.de)

Das EWU-BIP hat im zweiten Quartal 2014 stagniert. (Foto: Clipdealer.de)

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland ist im zweiten Quartal 2014 um 0,2% gegenüber dem Vorquartal gesunken. Das Statistische Bundesamt teilte mit, dass vom privaten und öffentlichen Verbrauch positive Wachstumsimpulse ausgegangen sind. Die Wirtschaftstätigkeit belastet haben die Anlageinvestitionen und der Außenhandel (schwächeres Exportwachstum). Die Details der BIP-Komponenten werden am 1. September benannt.

Einfluss politischer und wirtschaftlicher Beziehungen

Unter dem Strich ist die konjunkturelle Gegenbewegung etwas stärker als erwartet ausgefallen. Die zuletzt gestiegene Konfliktintensität zwischen der EU und Russland, die derzeit unberechtigterweise für jede enttäuschende Konjunkturzahl herhalten muss, ist hier jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Unabhängig davon hatte sich das außenwirtschaftliche Umfeld vielmehr schon zu Jahresbeginn eingetrübt und die Exporttätigkeit mit einigen Schwellenländern belastet.
Nach vorne blickend wird sich daran wohl wenig ändern. Da wir überdies erwarten, dass sich die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der EU und Russland 2014 nicht mehr bessern werden, dürfte das Exportwachstum weitere Schrammen erhalten. Die Sanktionen werden ihre volle Wirkung also erst noch entfalten.

Geopolitische Unsicherheit

Neben den direkten sind hiervon wohl zunehmend auch die indirekten Handelsverflechtungen betroffen. Die höhere geopolitische Unsicherheit reduziert zudem die Planungssicherheit für Unternehmen. Für die Investitionstätigkeit ist dies Gift. Die an sich guten Wachstumsbedingungen (anhaltendes Lohnwachstum, schwächerer Euro, günstige Finanzierungsbedingungen) werden zum Teil überlagert.

Prognose-Abwärtsrisiken überwiegen

Durch die geopolitische Spannungen hat sich die Schubkraft für unsere BIP-Prognose verringert. Im Zuge moderater Anpassungen beim Export- und Investitionswachstum erwarten wir für das zweite Halbjahr 2014 nun ein weniger über der Trendrate liegendes BIP-Wachstum. Unter Einrechnung des schwächer als erwartet ausgefallenen BIP-Wachstums im zweiten Quartal und der Abwärtsrevision des ersten Quartals senken wir unsere BIP-Prognose für 2014 daher von 1,8% auf 1,5%. Sorgen vor einem Konjunkturabsturz halten wir aktuell für übertrieben, da sich der deutsche Konsument und die Bauinvestitionen unbeeindruckt von der Geopolitik zeigen dürften. Aufgrund des Sanktionen-Ping-Pong überwiegen die Prognose-Abwärtsrisiken.



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