Dr. Alexander Krüger / 7. August 2014 / 1 Kommentar


EZB: Warten, umsetzen und neu entscheiden

Auf ihrer heutigen Ratssitzung ist die EZB nicht mit echten Neuigkeiten aufgewartet. Sie sendet das klare Signal, die im Juni beschlossenen Maßnahmen zunächst umzusetzen und vorerst im Wartemodus zu bleiben. Die Wahrscheinlichkeit eines QE bis Mitte 2015 sehen wir weiter bei 35%. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

EZB

Unter dem Strich gibt es von der EZB kaum Neues. (Foto: Clipealer.de)

Weiter wie im Juni angekündigt – dies ist das Ergebnis der heutigen Ratssitzung der EZB. Die Notenbank erklärte, dass sie eine Inanspruchnahme der TLTROs von 450-850 Mrd. Euro erwarte und mit den Vorbereitungen für den Ankauf verbriefter Wertpapiere begonnen habe. Den Wortlaut ihrer Forward Guidance behielt sie bei und bezeichnete die Inflationserwartungen als verankert.

Geopolitische Risiken höher

Ebenfalls unverändert blieb der fundamentale Ausblick. Für ihre BIP-Projektionen konstatierte sie allerdings, dass die geopolitischen Risiken höher sind als noch vor einigen Monaten. Der Rückgang der Inflationsrate auf 0,4% im Juli ist aus ihrer Sicht mit den gesunkenen Energiepreisen zu erklären. Einen allmählichen Anstieg der Inflationsrate erwartet sie für 2015/16.

Kaum Neues von der EZB

Unter dem Strich gab es von der EZB also kaum Neues. Dies überrascht nicht, da sie stets darauf hingewiesen hatte, die von ihr im Juni beschlossenen Maßnahmen zunächst umsetzen und den Erfolg abwarten zu wollen. Sofern es die Geopolitik nicht erfordert, dürfte der geldpolitische Wartemodus 2014 bestehen bleiben. Für die ersten beiden TLTROs im September und Dezember rechnen wir damit, dass sie nicht spurlos an der Kreditvergabe vorbeigehen werden. Zudem hatten Banken beim Bank Lending Survey im Juli erstmals seit 2007 mehrheitlich ihre Kreditstandards gesenkt.

Neue Risiken im ganz großen Stil?

Ob bei niedriger Eigenkapitalausstattung aber neue Risiken in großem Stil eingegangen werden, bleibt abzuwarten. In dieser Hinsicht birgt auch die u. E. deutlich zu optimistische BIP-Projektion der EZB von 1,7% für 2015 Enttäuschungspotenzial. Es ist somit alles andere als eine ausgemachte Sache, dass die Notenbank die Übertragung ihrer Geldpolitik künftig nicht als gestört ansehen wird.

Inflationsprojektion für 2014 wird wohl sinken

Über die Wahrscheinlichkeit eines breit angelegten Wertpapierkaufprogramms (QE, nicht nur ABS) ist damit noch nichts gesagt. EZB-Präsident Draghi wiederholte heute erneut, dass die EZB bereit stehe, dieses im Bedarfsfall einzuleiten. Voraussetzung ist, dass sich der mittelfristige Inflationsausblick verschlechtert. Auch wenn die EZB ihre Inflationsprojektion für 2014 noch leicht senken dürfte, wird sie (ebenso wie wir) weiter erwarten, dass die Inflationsrate perspektivisch auf 1% steigt.

Handlungsdruck bleibt bestehen

Der Handlungsdruck bliebe damit wohl dennoch bestehen, da das Preisziel von knapp unter 2% dort in weiter Ferne liegt; er wird durch Wachstumsenttäuschungen eher zunehmen. Aus der Rolle des Krisenmanagers kommt die Geldpolitik also nicht heraus. Die Wahrscheinlichkeit für ein Wertpapierkaufprogramm bis Mitte 2015 sehen wir dennoch weiter bei 35%, da eine ruinöse Lohn-Preis-Spirale nicht besteht.



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