Dr. Alexander Krüger / 3. Juli 2014 / Keine Kommentare


EZB bis Ende 2014 im Wartemodus

Die EZB hat ihr Maßnahmenpaket vom Juni auf der Ratssitzung am 2. Juli 2014 konkretisiert. Sie geht davon aus, dass damit die Kreditvergabe angekurbelt und die Inflationsrate erhöht wird. Ein Wertpapierkauf-Programm sieht sie weiter bei einer Verschlechterung des Inflationsausblicks vor. Die EZB wird unseres Erachtens im zweiten Halbjahr im Wartemodus verharren. Ein Kommentar von Dr. Alexander Krüger.

EZB bis Ende 2014 im stand-by-Modus? (Foto: meinzahn / Clipdealer.de)

Verharrt die EZB bis Ende 2014 im stand-by-Modus? (Foto: meinzahn / Clipdealer.de)

 
Nach dem Trommelfeuer im Juni war auf der EZB-Ratssitzung am 03. Juli Stillhalten angesagt. Die EZB erklärte, dass vor allem die von ihr vor einem Monat beschlossenen TLRTOs dabei helfen werden, dass sich die Inflationsrate in Richtung ihres Preisziels von knapp unter 2,0% bewegen wird. Deren Modalitäten gab sie in einer gesonderten Erklärung auf ihrer Homepage bekannt. Dagegen laufen die Vorbereitungen für das ABS-Kaufprogramm, das transparent ausgestaltet werden soll, noch. Die EZB teilte zudem mit, ab 2015 Ratssitzungen im 6-Wochenrhythmus abzuhalten.

Ein lange unverändertes Leitzinsniveau

Die EZB behielt ihre Einschätzung der fundamentalen Lage (verhaltenes BIP-Wachstum, niedrige Inflationsrate) ebenso bei wie den Wortlaut ihrer Forward Guidance. Diese stellt seit Juni „lediglich“ ein lange unverändertes Leitzinsniveau in Aussicht. Auf die Frage, ob die EZB demnächst Wertpapiere kaufen wird, gab es erwartungsgemäß nichts Konkretes. EZB-Präsident Draghi erklärte, dass es dazu im Fall einer Verschlechterung des Inflationsausblicks käme. Die aktuelle geldpolitische Ausrichtung reicht aus seiner Sicht aber aus, um das Preisziel zu erreichen. Entsprechende Käufe sind somit nicht vom Tisch, sie stehen aber auch nicht unmittelbar bevor.

Geldpolitische Schritt nicht zu erwarten

Wir erwarten, dass neue geldpolitische Schritte vorerst nicht anstehen und sich die EZB bis Ende 2014 im Wartemodus befinden wird. Bis dahin dürfte die Notenbank die von ihr im Juni beschlossenen Maßnahmen umsetzen. Im Fokus stehen die konditionierten TLTROs und die ABS-Käufe. Mit Blick auf ihre Reaktionsfunktion möchte sie damit einer aus ihrer Sicht ungerechtfertigten Straffung des geldpolitischen Kurses entgegenwirken und dazu beitragen, die Störung bei der Übertragung der Geldpolitik zu beheben. Baldige Erfolge erwarten wir aber nicht: Unsicher ist, wie die Langfristtender beansprucht werden, da den Banken bereits heute genügend Liquidität zur Verfügung steht. Die Kreditvergabebereitschaft der Banken dürfte aufgrund der Eigenkapitalausstattung niedrig bleiben. Nennenswerte Impulse von den ABS-Käufen sind wegen ihres geringen Volumens zudem wenig wahrscheinlich.

Da das Maßnahmenpaket auf Dauer weder die Kreditvergabe stark anregen noch den Euro erheblich schwächen und die Inflationsrate nach oben treiben dürften, werden die Rufe nach einem Wertpapierkaufprogramm wohl anhalten. Die Wahrscheinlichkeit, dass die EZB dieses bis zum Sommer 2015 für nötig hält, liegt bei 35%.



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