Dr. Alexander Krüger / 15. Mai 2014 / Keine Kommentare


BIP-Daten: Der Euroraum ist konjunkturell nicht über dem Berg

Der BIP-Zuwachs im Euroraum von 0,2% gegenüber Vorquartal im ersten Quartal 2014 hat enttäuscht. Ohne den kräftigen Anstieg in Deutschland wäre die Wirtschaftsleistung nicht gestiegen. Die Entwicklung zeigt, dass sich die Konjunktur noch nicht in ruhigem Fahrwasser befindet. Die Erholung dürfte sich zwar fortsetzen, aber lediglich verhalten bleiben. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Die defensive Prognosehaltung bleibt aufrecht erhalten (Foto: Clipdealer.de)

Die defensive Prognosehaltung wird aufrecht erhalten (Foto: Clipdealer.de)

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Euroraum ist im ersten Quartal 2014 erneut gewachsen: Gegenüber dem Jahresschlussquartal 2013 betrug der Anstieg 0,2%, das Wachstumstempo ist gleich geblieben. Unterstützt von der milden Witterung hat die Konjunkturerholung nun seit einem Jahr angehalten, ohne dabei Fahrt aufgenommen zu haben. Die Ergebnisse der BIP-Komponenten werden am 4. Juni veröffentlicht. Der BIP-Zuwachs im vierten Quartal 2013 wurde von 0,3% auf 0,2% revidiert.

Wirtschaftsleistung Deutschlands wesentlich

Die Zusammensetzung des BIP-Ergebnisses zeigt, dass die Wirtschaftsleistung ohne den Beitrag aus Deutschland nicht zugenommen hätte. In Frankreich stagnierte sie, in Italien ist sie leicht gesunken (-0,1%) und in den Niederlanden aufgrund von Sondereffekten bei der Gasproduktion stark eingebrochen (-1,4%). Finnland befindet sich zudem weiter in einer Rezession (-0,4%). Auch Portugal hat, nach einigen Quartalen mit BIP-Zuwächsen, einen Dämpfer hinnehmen müssen (-0,7%). Positive Resultate erzielten dagegen Spanien und Belgien (je +0,4%) sowie Österreich (+0,3%).

Staatsschuldenkrise belastet Wachstum

Der enttäuschende BIP-Zuwachs zeigt, dass der Euroraum konjunkturell alles andere als über den Berg ist. Auch wenn die Wahrnehmung der Staatsschuldenkrise derzeit gering ist, so belastet sie dennoch das Wachstum. Wir rechnen zwar damit, dass sich die Konjunkturerholung auf Basis des EZB-Versprechens, dass Staatsinsolvenzen abgewendet werdenn, fortsetzen wird. Für eine Wachstumsbeschleunigung fehlen aber die Treiber. Dies liegt daran, dass viele Mitgliedstaaten (allen voran Frankreich, Italien, aber auch die Niederlande) weit davon entfernt sind, ihre strukturellen Schwächen zu überwinden.

BIP-Wachstum profitiert vom Nachholbedarf

Unseres Erachtens profitiert das BIP-Wachstum zurzeit allein vom rezessionsbedingt bestehenden Nachholbedarf. Dieser Antrieb wird aber irgendwann an Grenzen stoßen. Für die nächsten Quartale kommt es somit darauf an, dass die Mitgliedstaaten den Fitness-Grad ihrer Volkswirtschaften steigern. Ansatzpunkte sind hierbei die preisliche Wettbewerbsfähigkeit und die Produktivität. Bleiben Verbesserungen aus, dürften sich die dicken und dunklen Wolken über dem Arbeitsmarkt nicht verziehen.

Weiterhin defensive Prognosehaltung

Mit unserer defensiven Prognosehaltung fühlen wir uns weiter wohl. Aufgrund der Abwärtsrevision des vierten Quartals 2013 und des nunmehr voraussichtlich schwächer ausfallenden BIP-Wachstums in Italien und den Niederlanden haben wir unsere BIP-Prognose für 2014 von 1,1% auf 1,0% gesenkt.



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