Dr. Alexander Krüger / 30. April 2014 / Keine Kommentare


Inflationsrate wird EZB auf den Plan rufen

Die EWU-Inflationsrate ist im April auf 0,7% gestiegen, weniger stark als erwartet. Unsere Inflationsprognose für 2014 haben wir auf 0,9% gesenkt. Die EZB dürfte ihre Inflationsprojektion im Juni senken und ihre Komfortzone damit verlassen. Wir erwarten weiterhin eine Steigerung des geldpolitischen Expansionsgrades, allerdings noch nicht für Mai. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Die Jahresrate befindet sich derzeit in einem  Ab und Auf der Jahresrate (Foto: atic12 / Clipdealer.de)

Die Jahresrate befindet sich derzeit in einem Ab und Auf der Jahresrate (Foto: atic12 / Clipdealer.de)

Durchatmen? Von wegen: Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) lag im April lediglich 0,7% höher als vor einem Jahr (März: 0,5%). Damit hat sich das erhoffte stärkere Zurückschwingen der Inflationsrate nicht eingestellt. Das Ab und Auf der Jahresrate ist auf die Osterferien zurückzuführen. Diese lagen 2014 im April, 2013 überwiegend im März. Die saisonübliche Verteuerung der Pauschalreisen kam somit in verschiedenen Monaten zum Tragen. Im Mai wird sich die Lage wieder normalisieren. Mit deflationären/inflationären Tendenzen hat dies nichts zu tun.

Preistrend schwächer als erwartet

Der unterliegende Preistrend ist in den vergangenen Monaten schwächer als erwartet ausgefallen. Unsere Inflationsprognose für 2014 haben wir daher von 1,2% auf 0,9% gesenkt. Sie beinhaltet, dass es der Inflationsrate nunmehr erst im vierten Quartal 2014 gelingen wird, die 1,0%-Marke wieder zu erreichen.

Sicherheitsnetz gegen Deflation

Deflationäre Tendenzen erwarten wir weiterhin nicht. Die Basis hierfür bildet die Lohnentwicklung, die unseres Erachtens einen maßgeblichen Einfluss auf die Inflationsrate hat. Zur Steigerung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit besteht zwar für viele EWU-Länder ein gewisser Abwärtsdruck auf das Lohnniveau. Dieser dürfte aber in nur wenigen Ländern zum Tragen kommen (u. a. Griechenland, Portugal, Spanien), die zudem einen lediglich geringen Anteil am HVPI besitzen. Dem stehen das sich im Konjunkturaufschwung befindende Deutschland mit den Produktivitätsanstieg übersteigenden Lohnzuwächsen und die Reformverweigerer Frankreich und Italien gegenüber, deren HVPI-Anteile sich auf rund 65% addieren. Diese Länder bilden ein Sicherheitsnetz gegen Deflation. Dieses spiegelt sich auch im Preisanstieg von Dienstleistungen von 1,6% gegenüber Vorjahr wider.

Staatsanleihekäufe im Rahmen eines Quantitativen Easings

Die aktuelle Inflationsentwicklung wird der EZB dennoch nicht gefallen. Wir erwarten, dass sie ihre Inflationsprojektion im Juni senken wird. Spätestens dann liegt diese außerhalb ihrer Komfortzone. Gemessen an den Kommentaren von EZB-Vertretern in den vergangenen Wochen dürfte dies dann mit einer Steigerung des geldpolitischen Expansionsgrades einhergehen. Nach der Rede von EZB-Präsident Draghi in Amsterdam ist diesbezüglich mittlerweile zwar jede Maßnahme begründbar. Wir sind aber weiterhin der Ansicht, dass Staatsanleihekäufe im Rahmen eines Quantitativen Easings wenig wahrscheinlich sind. Die EZB wird die Fantasie hierüber aber wohl weiter köcheln lassen, um den Euro zu schwächen.



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